Blindverkoster sind auch nur Menschen (4)

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann. Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen: Sowas muß man mit Humor nehmen Unseren Erfahrungen nach hat die von … Weiterlesen

Blindverkoster sind auch nur Menschen (3)

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann. Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen: Auf dem Holzweg Vor drei oder vier Jahren entschloß sich ein gut … Weiterlesen

Blindverkoster sind auch nur Menschen (2)

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Zweigelt und Blaufränkisch

Mitte der 1990er saß ich ein paar Jahre in der Jury der burgenländischen Weinprämierung. Dort wurden vor den eigentlichen Bewertungen für die wichtigsten Weinarten sogenannte „Pegelweine“ definiert, die meist im Grenzbereich zwischen Gold- und Silbermedaille lagen. War ein Juror unsicher, wie er werten soll, konnte er ihn als eine Art Maßstab heranziehen und den zu beurteilenden Wein direkt mit dem exakt definierten Pegel vergleichen.

Um die Einstufung der Pegelweine breit abzusichern, erfolgte diese nicht von einer normalen Jury-Gruppe mit fünf bis sieben Verkostern, sondern von der Gesamtheit aller Verkoster. Im konkreten Fall waren das mehr als 30 sensorisch geschulte und in vielen Fällen auch eine jahrzehntelange Praxis aufweisende Winzer.

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Blindverkoster sind auch nur Menschen (1)

Manche Leute scheinen Weinexperten geradezu übersinnliche Fähigkeiten zuzuschreiben. Das liegt wahrscheinlich sowohl an der mitunter überzogenen Selbstdarstellung einzelner Weinkenner, als auch an den immer wieder gerne strapazierten Klischees im Fernsehen.

Selbst- oder fremdverliehene Titel a la „Weinpapst“ und die nicht seltene TV-Darstellung von Weinverkostern, die dem Wein blind jedes Geheimnis bis hin zum Erntetermin und der Anzahl der Lesehelfer entlocken, hinterlassen offenbar einen bleibenden Eindruck.

Dabei sind auch die geübtesten (Blind-)Verkoster nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

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Chardonnay Barrique 1994

Schon ab der zweiten Chardonnay-Ernte in unserem Betrieb 1992 haben wir uns auch mit dem Ausbau dieser Sorte in Barriques beschäftigt. Bis 1997 gab es parallel je einen „klassischen“ Sortenvertreter (aus dem Stahltank oder dem altem Holzfaß) und einen aus dem Barrique auf unserer Weinkarte.

Seit 1998 verbinden wir diese beiden Stile zu unserem Chardonnay Duett, aber nach einigen Jahren Pause haben wir 2001 mit dem Mörbisch Weiß wieder begonnen, einen mehr oder weniger „reinen“ Barrique-Weißwein zu vinifizieren.

Damals wie heute ist es uns ein Anliegen, die Aromatik des Eichenholzes als Bereicherung einzusetzen, und nicht als dominierendes Stilmittel. Heute verwenden wir deshalb überwiegend nicht ganz neue Fässer und lagern einen Teil des Weines überhaupt nicht im Barrique. In den 1990ern hingegen war es vor allem die Vermeidung des biologischen Säureabbaus, der von den allermeisten Lehrmeinungen für Barrique-Weißweine empfohlen wird.

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Jungweinverkostung

Rotweinglas

Seit Jahren organisiert unser Weinbauverein um diese Jahreszeit Jungweinverkostungen im Kollegenkreis. An mehreren Abenden werden jeweils Weine des neuen Jahrgangs aus bestimmten Sorten miteinander verglichen und jeder, der möchte kann dazu seine mehr oder weniger edlen Tropfen mitbringen.

Diese werden vom Vereinsvorstand gereiht und anschließend von allen Weinbauern gemeinsam blind verkostet und diskutiert. Am Ende gibt es eine Liste mit den Namen, die gelegentlich zu weiteren Detailgesprächen führt.

Auch wenn sich daran mittlerweile (leider) nur noch eine recht überschaubare Gruppe von Weinbauern beteiligt, ist es für mich immer wieder spannend, die eigenen Weine zum ersten Mal in professioneller Form mit jenen von Kollegen zu vergleichen:

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23 Jahre jung

Prognosen sind immer schwierig

Auch wenn es gewisse Grundregeln gibt, an die man sich halten kann, sind Prognosen über die Lagerfähigkeit von Weinen oft eine ziemlich vage Sache.

Das liegt zu einem kleinen Teil auch daran, dass die Geschmacksvorlieben bei gereiften Weinen noch viel viel weiter auseinandergehen, als bei jungen. Was für Altwein-Freaks am Beginn der Trinkreife steht und ein besonderes Erlebnis bedeutet, ist für die in Österreich besonders große Gruppe der Jungwein-Fanatiker in der Regel schon weit über dem Berg und völlig untrinkbar.

Während Weißweine tendenziell eher unterschätzt werden (vielleicht weil sie sich aromatisch während der Reife stärker wandeln?), billigen manche Kellermeister (nicht ganz uneigennützig) und auch Meinungsmacher Rotweinen nicht selten mehr Potential zu, als sie tatsächlich haben. Zum Glück kommt man aber als Lagerfähigkeits-Vorhersager relativ selten in die Verlegenheit, nach Jahren und Jahrzehnten für seine Thesen den Wahrheitsbeweis antreten zu müssen.

Auch beim folgenden Wein gehe ich nicht davon aus, dass sich jemand beschwert, weil wir ihm empfohlen haben, ihn spätestens 1987 zu trinken. Das wir noch ein paar Flaschen davon im Keller haben hat rein sentimentale Gründe und liegt nicht daran, dass wir ihm mehr zugetraut hätten.

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Gedanken nach einem großen Weinerlebnis

Vergangenen Sonntag hatte ich wieder einmal ein wirklich großes Weinerlebnis. Aus einer spontanen Laune heraus habe ich in meinen Weinschätzen gekramt und dabei eine Flasche zu Tage gefördert, die aus meinem Praktikum im Weingut Prager bei Toni Bodenstein im Jahr 1992 stammt.

Die damaligen vier Wochen zählen zum ergiebigsten Teil meiner Schulzeit an der Weinbauschule Klosterneuburg. Neben sehr vielen fachlichen Erkenntnissen haben sie mir auch einige tolle Weinproben vor Ort und ein paar edle Flaschen wie diese für meinen Keller beschert:

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Der Vergleich macht mich sicher

Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit, einige der renommiertesten und teuersten burgenländischen Rotweine gemeinsam mit Weinen von uns zu verkosten.

Da ich mir diese Weine normalerweise nicht kaufe, ergibt sich eine solche Chance zur Standortbestimmung nicht so oft. Und umso mehr regen diese seltenen Anlässe zum Nachdenken an.

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Weinrallye 1 – Reif für die Insel

Weinrallye

Das Thema

Die erste deutschsprachige Wein(blog)rallye befaßt sich nach dem Vorschlag des Winzerbloggers mit Weinen, die von einer Insel (Ausnahme Australien als Kontinent) stammen.

Nach englischsprachigem Vorbild schreiben dabei so viele Weinblogger wie möglich über ein und das selbe Thema und beleuchten damit nicht nur die Vielfalt an Inselweinen, sondern zeigen mit ihrem jeweils ganz persönlichen Blog-Stil auch die unterschiedlichsten Herangehensweisen an das Thema Wein. (Winzerblogger Thomas hat mittlerweile auch alle Rallye-Beiträge samt Links zusammengefasst.)

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Cabernet Sauvignon 1999

Als ich unlängst einem Cabernet-Freak alle unsere Cabernet-Jahrgänge beschreiben wollte, ist mir aufgefallen, daß ich von ziemlich allen Weinen ein halbwegs aktuelles Bild im Gedächtnis habe außer vom 97er und vom 99er.

Grund genug, den 99er heute Mittag zum Filetsteak mit Heurigen (Kartoffeln) zu genießen. Den 97er habe ich ja bereits im Rahmen unserer Tage der offenen Kellertür verkostet und hier beschrieben.

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Und sie halten doch!

Wann immer ein vorurteilsbeladener Rotweintrinker ob der Qualität der österreichischen Roten nicht umhin kommt, diesen Anerkennung zu zollen, tut er dies mit folgendem Vorbehalt: Ja, in der Jugend mögen sie gut sein, aber sie halten nicht…

Nicht das an diesem Argument nichts dran wäre. Es gibt genügend Beispiele für heimische Rote, die alt geworden sind, ohne je im positiven Sinne reif gewesen zu sein. Aber es gibt auch gar nicht so wenige Gegenbeispiele.

Zwei davon aus unserem Keller habe ich heute mit Freude in einer geselligen Runde getrunken (und nur am Rande verkostet 😉 ):

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Mut zum Schrauber

In den letzten Tagen haben sich zwei Ereignisse zugetragen, die zwar bei weitem nicht weltbewegend aber doch dazu geeignet sind, mich in meiner Zielsetzung bestärken, mittelfristig komplett auf Schraubverschlüsse umzustellen.

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Ein Blick auf das Etikett sagt mehr…

…als 30 Jahre Berufserfahrung!

Blindproben sind eine spannende Sache. Sie ermöglichen eine unvoreingenommene Verkostung ohne Ablenkung durch das Etikett. Damit schärfen sie nicht nur die Sinne sondern lenken auch die Konzentration auf das Wesentliche der Verkostung, nämlich die Weinbeschreibung.

Zumindest theoretisch. In der Praxis schlägt bei Blindverkostungen meist der „Heiteres-Sortenraten-Reflex“ durch, der den logischen Ablauf einer fundierten Weinbeschreibung völlig auf den Kopf stellen kann. Dabei wird nicht der Wein möglichst unvoreingenommen beschrieben und anschließend überlegt, welche Sorte und welcher Jahrgang vielleicht eventuell so schmecken könnte.

Sondern es wird krampfhaft versucht, die Sorte zu erraten und anschließend nicht der Wein im Glas, sondern die vermeintlich oder tatsächlich erkannte Sorte mit ihren „typischen“ Eigenschaften zu Papier gebracht. Ganz egal wie der Wein im Glas eigentlich schmeckt.

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Wein-Überraschung zum Jahresausklang

Auch bei langjähriger Erfahrung ist das Einschätzen des Reifepotentials von Weinen immer mit einer mehr oder weniger großen Portion Wahrsagerei verbunden. Und so wie es immer wieder Weine gibt, die schneller alt werden, als erhofft, gibt es auch Weine, die langlebiger sind, als man ihnen je zugetraut hätte.

Am letzten Tag des alten Jahres bescherte mir ein Zufallsfund im Weinkeller ein solch positives Erlebnis.

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Hahn im Korb (beinahe)

Drei Tage sind seit meinem letzten Eintrag vergangen und ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen. Zu meiner Ehrenrettung muß ich allerdings sagen, daß ich in den letzten Tagen noch mehr als sonst zu tun hatte.

Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, für 15 „Weindamen“ des Vereines Austria Vinosophica (und drei begleitende Herren) ein Seminar halten zu dürfen.

Obwohl ich mich als Vortragender überwiegend auf Seminare über die Weine Österreichs, das Verkosten und die Weinherstellung spezialisiert habe, sollte es für die Weindamen (auf deren Wunsch) ein Seminar über fremde Länder und Weinbaugebiete sein. Um mich nicht zu blamieren, waren daher einige strategische Vorbereitungen zu treffen.

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Verkostungsnotizen und Nachvollziehbarkeit

Weinverkosten ist eine zutiefst subjektive Sache und noch viel mehr die Beschreibung von Weinen, da sie überwiegend auf Vergleichen beruht, die nicht von jedermann gleich interpretiert werden. Dieser Umstand ist jedem guten Verkoster bewußt. Trotzdem (oder deshalb) gibt es auch unter (vermeintlichen) Profis eine Fülle an mehr oder weniger nachvollziehbaren Weinbeschreibungsstilen:

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Riesling Auslese 1989 von der Mosel

In meinem Nachbarhaus (mit gemeinsamem Hof) werden Ferienwohnungen an vorwiegend deutsche Gäste vermietet. Beim Gießen der Oleander kommt man oft ins Gespräch und Anfang Juni habe ich bei netten Unterhaltungen mit Urlaubsgästen innerhalb von zwei Wochen zweimal eine Flasche Wein geschenkt bekommen. Offensichtlich sind unsere burgenländischen Weine in Deutschland doch nicht so bekannt (oder beliebt) wie wir immer hoffen, wenn die deutschen Gäste mit eigenem Wein im Gepäck anreisen 😉

Heute Mittag mußte der erste (und ältere) der beiden Weine daran glauben:

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Cabernet Sauvignon 1998

Vorgestern ergab sich die Gelegenheit, unsere Privatvinothek zu plündern:

Cabernet Sauvignon 1998, Weingut Grenzhof-Fiedler

noch immer sehr dunkles Rubinrot mit leichten Reifeanklängen, sehr deutliche Schlieren und ein leichtes Depot

sehr intensiv in der Nase, die schwarzen Johannisbeeren sind wirklich zu riechen (und nicht nur eine Standard-Cabernet-Floskel), daneben auch etwas Bitterschokolade, Röstaromen und leichte Reifeanklänge; der Wein ist offen und zugänglich, zeigt aber trotzdem ein fast noch jugendliches Duftspiel; im Hintergrund sehr dezent und angenehm auch gereifte Paprika-Aromen und etwas Leder

kraftvoll, vielschichtig und harmonisch am Gaumen; die Tannine sind noch spürbar, aber durchaus eingebunden und der Wein deshalb meiner Meinung nach in bester Trinkreife; leicht süßliche Anklänge, aber trotzdem eher ein eleganter und strukturierter Wein; nicht zu üppig im Abgang

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