Leere Fässer, lange Gesichter

Leere Fässer

Dass 2010 keine große Ernte wird, war angesichts des schwachen Traubenansatzes bereits im Mai zu erahnen. Spätestens nach dem Wettersturz während der Blütezeit Mitte Juni stand dann fest, dass die Menge heuer wohl nicht einmal durchschnittlich ausfallen wird.

Wie klein die Ernte aber tatsächlich ist, wird erst jetzt langsam offenbar. Nachdem schon die Augustschätzung (pdf) mit 2,2 Mio. hl unter der (bereits unterdurchschnittlichen) Menge des Vorjahres lag, hat die Statistik Austria im September (pdf) ihre Progose auf 2,0 Mio. hl nach unten korrigiert.

Behalten die Statistiker recht, läge 2010 damit um 15 Prozent unter 2009 und um 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Besonders schlecht sind die Prognosen für die beiden größten Weinbaugebiete Weinviertel und Neusiedlersee, während unserem Gebiet nur ein kleines Minus vorhergesagt wird.

Diese Einschätzung habe ich während unserer Weingartenbegehungen vor der Lese durchaus geteilt. Umso ernüchternder ist ein Blick auf die Zahlen einiger Weingärten, die wir bereits geerntet haben:

Beim Zweigelt beträgt das Minus gegenüber 2009 in den verschiedenen Rieden 15 bis 30 Prozent, beim Chardonnay sogar gut 40 Prozent! Da hilft das Plus von knapp 15 Prozent beim Muskat Ottonel ebenso wenig weiter, wie die Tatsache, dass es in anderen Kellern ähnlich aussieht. Zumal einige Sorten, bei denen der Ertragsausfall offensichtlicher ist, als beim Zweigelt erst an die Reihe kommen.

Gut, dass unser Flaschenlager insbesondere von Zweigelt, Chardonnay und Blaufränkisch dank des Jahrgangs 2008 (und teilweise auch 2009) ausreichend bestückt ist.

4 Gedanken zu „Leere Fässer, lange Gesichter“

  1. Bei den Burgundersorten, sowie Welschriesling sieht es sogar noch düsterer aus – bis zu 50% weniger Ertrag. Wir haben hier die trockene Weißweinlese zum Glück schon rechtzeitig abgeschlossen. Für das Wochenende sind so ca. 28mm Niederschlag prognostiziert – bei der relativen Feuchte zur Zeit von +80% ist es aber eh egal ob es regnet oder nicht, die Botrytis explodiert zur Zeit.

    Wir haben aber genug von Botrytis befallene Trauben hängen lassen und hoffen dass wir in ca. 2-3 Wochen eine kleine Menge Ausbruch Ernten können.
    Denn bis auf die von Botrytis befallenen Trauben weisen unsere Weingärten keine weiteren Krankheiten auf – besonders die Laubwand konnten wir dank intensiver Laubarbeit und des rechtzeitigen Ausbringens der Pflanzenschutzmittel gesund erhalten. Ansonnsten siehts am Ruster Hutter in Sachen Peronospora sehr übel aus: zwischen 70% – 75% Peronospora Befall – fast schon wie im Herbst.

    Sicher kein Jahr für Bio Winzer vom Pilzdruck her.

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