Lächerlich

Eben sollte ein Kandidat bei „Wetten dass…?“ vier von 100 Weinen durch das Riechen am feuchten Korken erkennen. Wie wahrscheinlich jedem, der vom Weinverkosten auch nur ein bißchen Ahnung hat, fiel es auch mir schwer, mir das nach der Ankündigung der Wette vorzustellen.

Und prompt geriet die Sache dann auch zur Farce. Bereits beim ersten Wein lag der Wettkandidat daneben (Riesling statt Veltliner), ein Fehlversuch, der gemäß den Regeln (vier von fünf Stichproben aus 100 Weinen sind zu erkennen) toleriert wurde.

Bei den weiteren Weinen kam es dann zu einem heiteren Sortenraten mit tatkräftiger und regelwidriger Mithilfe von Moderator Thomas Gottschalk:

Kandidat: „Ein Weißwein!?“

Gottschalk: „Nein.“

Kandidat: „Portugieser?!“

Gottschalk: „Nein. Zumindest auf dem Etikett steht etwas anderes.“

Kandidat: „St. Laurent?“

Gottschalk (einen kräftigen Schluck trinkend): „Nein, aber gut ist er.“

Schließlich wurde sogar ein weiterer definitiv falsch benannter Wein toleriert und dafür eine zusätzliche Probe verkostet. Die hat der Kandidat sogar erkannt, worauf die Wette für gewonnen erklärt wurde.

Bleibt die Frage, warum der Kandidat beim Riechen so auffällig am Korken gerieben und diesen ausgiebig betastet hat. Möglicherweise war ja die Oberfläche des Korken für seine Raterei genauso wichtig wie das Weinaroma am Korken selbst.

2 Gedanken zu „Lächerlich“

  1. Werbung für sein Lokal hat der Mann keine gemacht. Und die Korken wurden immer wieder „benetzt“, sodass er gleich aus dem Glas hätte riechen können. Außerdem hab‘ ich nur Weine aus dem Großraum Hadersdorf gesehen, Weine also, die der Profi, und so einer war er in seinem Job, zumindest souveräner hätte erkennen müssen. Wie Gottschalk schon sagte, „aber guat isser“, besser also als die Auswahl der Vinum-Weinkenner-Raterei.

  2. Sicherlich sind vernünftige Wetter mit Wein sehr schwer zu konzipieren. Aber irgendwas mit Korken und riechen zu machen, ist nun wirklich unterirdisch. Es gibt sehr unterschiedliche Naturkorken, bei denen man schon beim Anfassen merkt woher der ist. Ein anderer Aspekt ist jedem aus der Gastronomie bekannt: Wenn man viele gleiche Weine entkorkt, so kann man feststellen, dass diese in sehr unterschiedlicher Verfassung sind (das gilt auch schon bei jungen Weinen). Zudem ist die Aussagekraft eines Korkens über den Wein bei nahezu null. Wenn man ihn natürlich in den Wein taucht, erhöht sich die Aussagekraft. Für so etwas braucht man dann aber auch keinen Korken.

    Fragt sich nur wieso so blöde Wetten angenommen werden. Gibt es keine guten Ideen? Oder denken die Programmverantwortlichen des ZDF, dass Publikum inzwischen schon so veraltet ist, dass man jeden Unsinn senden kann? Ich würde das durchschnittliche Samstag-Abend-Unterhaltungsprogramm-Publikum für itelligenter und auch in merklichen Anteilen mit den Grundzügen des Weinverschlusses vertraut einschätzen.

    Ein anderer Aspekt ist sicherlich die Fragestellung, wieso eine derzeit in Ablösung (oder zumindest in starken Einbußen) befindliche Verschlussart eine so starke Rolle spielt.

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