Umdenken

Pflanzreben

Die trotz zahlreicher, aber wenig ergiebiger Regenfälle anhaltende Trockenheit erfordert von uns Weinbauern einige Flexibilität und ein Überdenken mancher Entscheidungen der letzten Jahre.

So ist es zum Beispiel im Moment nicht sehr ratsam, üppig wachsende Begrünungspflanzen relativ ungestört gedeihen zu lassen, obwohl sie normalerweise zweifellos einen sehr guten Einfluß auf den Boden haben. Vollflächig und dauerhaft begrünte Weingärten leiden (nicht immer sichtbar) nämlich jetzt schon, und haben es im kommenden Sommer sicherlich sehr sehr schwer.

Noch gravierender, da nicht kurzfristig durch eine Bodenlockerung korrigierbar, ist die Frage der Unterlagsreben unserer Weinstöcke, die ebenfalls einen enormen Einfluß auf deren Wasserhaushalt hat.

Nach Jahrzehnten weitgehender Ahnungslosigkeit, in denen fast ausschließlich auf die Unterlage Kober 5 BB veredelt wurde, begann dieses Thema vor rund 20 Jahren das Interesse der Weinbauern zu erregen. Mitten im Rotweinboom versprach man sich von schwächerwüchsigen Unterlagsreben ein geringeres Wachstum und eine frühere (und damit am Ende höhere) Reife der Trauben.

Seither sind SO4, T5C, aber auch den französischen Züchtungen 3309C, 161-49 und andere in aller Winzermunde und dementsprechend viele Weingärten wurden auch mit ihnen gepflanzt.

Obwohl man angesichts überreifer Trauben und hoher Alkoholwerte auch schon früher darüber nachdenken hätte können, ob eine Reifeverfrühung in unseren Breiten tatsächlich (noch) notwendig und sinnvoll ist, wird erst das Trockenjahr 2012 möglicherweise zu einem Umdenken in diesem Bereich führen:

Reifeverfrühende Unterlagsreben funktionieren nämlich häufig nach dem Prinzip, dass ein geringeres Triebwachstum mehr Energie für die Trauben übrig läßt. Dabei ist das schwächere Wachstum meistens die Folge eines weniger ausgeprägten und damit wesentlich trockenheitsanfälligeren Wurzelsystems…

Wer keine Ahnung hat, was Unterlagsreben sind, und warum man sie braucht, kann sich übrigens hier schlau machen.

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