Das Land der Jungweinwinzer

Österreich ist ein Land von Jungweintrinkern und -winzern. Das ist zwar nicht neu, zeigt sich aber selten so schön wie in folgenden verräterischen Zeilen aus einem Artikel der Print-Ausgabe der „Presse„:

Allmählich werden die Weinfreunde ungeduldig. Das weiß auch Johann Donabaum aus Spitz. Aber der 27-jährige Winzer läßt sich nicht aus der Ruhe bringen. Guter Wein braucht eben seine Zeit. „Ich halte nichts davon, wenn man den Wein hin trimmt.“ sagt Donabaum. Und deshalb müssen sich seine Kunden bis Ende Jänner gedulden. (Heraushebung von mir!)

Da habe ich seit Wochen ein schlechtes Gewissen, weil ich für zwei große Handelspartner und deren möglichst kontinuierliches Sortiment nächste Woche eine kleine Teilmenge vom Muskat und vom Chardonnay abfüllen werde.

Und dabei versteht man unter „sich nicht aus der Ruhe bringen lassen“, „seine Zeit brauchen“ und „nicht hintrimmen“ ohnehin nur eine Reifezeit von drei Monaten zwischen Ernte (Wachau: Ende Oktober und November) und Abfüllung. Die schaffen wir locker, schließlich haben wir schon Ende September gelesen.

Aber vielleicht sollte ich mich aus der Ruhe bringen lassen, weil wir (von seltenen Sonderfällen wie heuer abgesehen) fast alle unsere Weißweine nicht im Jänner, sondern später abfüllen. Und dann auch noch zum Teil einige Wochen oder Monate in der Flasche reifen lassen, ehe sie in Verkauf kommen.

2 Gedanken zu „Das Land der Jungweinwinzer“

  1. Sehr geehrter Herr Fiedler!

    Zu Beginn möchte ich mich recht herzlich bedanken, dass Sie mich auf den Seiten Ihres Weinblogs namentlich erwähnen. Je öfter der Name eines Winzers in das Bewusstsein eines Weinfreundes dringt umso mehr wird ja bekanntlich die Marke bzw. der Name des Winzers gestärkt und somit hoffe ich, dass ihr Webblog von möglichst vielen Leuten gelesen wird.
    Ich nehme an, dass Sie den Artikel aus der Presse zur Gänze gelesen haben wenn Sie daraus zitieren.

    In dem Artikel steht, dass wir Ende Jänner ein Federspiel vom Grünen Veltliner auf den Markt bringen und Mitte Februar ein Federspiel vom Riesling. Die Menge dieser „Erstfüllung“ entspricht 10% unserer gesamten Produktion. 70 % unserer Weine lagern noch auf der Feinhefe und werden nicht vor Anfang Mai abgefüllt.

    Wenn Sie schon das Wort Jungweinwinzer als headline verwenden dann würde ich Sie darum bitten, in diesem Fall andere Winzer als Beispiel anzuführen.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Weinblog und verbleibe
    mit freundlichen Grüßen

    Johann Donabaum

  2. Sehr geehrter Herr Donabaum!

    Ich danke Ihnen für Ihren sehr fairen und aufklärenden Kommentar auf meinen zugegeben polemischen Beitrag.

    Meine Ausführungen zielen nicht auf Sie als Person ab, sondern nehmen nur die Formulierung des Presse-Artikels zum Anlaß für ein paar Gedanken über den Jungwein-Wahn mancher österreichischer Winzer, Journalisten und Konsumenten.

    Wie Ihr Kommentar zeigt, sind Sie tatsächlich als Beispiel dafür denkbar ungeeignet. Schließlich stammt der an Ihr Zitat angehängte und von mir besonders kritisierte Satz vom „gedulden müssen“ nicht von Ihnen, sondern vom Verfasser des Artikels.

    Wenn es aber für Journalisten eine Frage der Geduld ist, daß man bis Ende Jänner auf einen Wein des neuen Jahrgangs warten muß, dann ist das ein gutes Beispiel für das, worüber ich mir Gedanken gemacht habe.

    Ich hoffe, ich habe einmal die Gelegenheit, Ihre Weine zu verkosten. Nachdem wir durchaus ähnliche Ansichten über die Reife auf der Feinhefe haben, bin ich sicher, daß es sich dabei um sehr spannende Tropfen handelt, die nicht nur mir schmecken werden.

    Ein gutes Weinjahr 2007 wünscht Ihnen

    Bernhard Fiedler

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