Rigolen oder nicht rigolen,

das ist hier die Frage

Die Zeit vor der Auspflanzung von Junganlagen sollte man nicht nur zur Beseitigung von Erosionsschäden, sondern auch für eine möglichst tiefe Bodenlockerung nützen. Solange auf einem Grundstück keine Reben stehen, kann man noch mit stärkeren Traktoren arbeiten und muß auch keine Verletzung der Rebwurzeln befürchten.

Die Tiefenlockerung beseitigt Bodenverdichtungen, die im Lauf eines Weingartenlebens durch das jahrzehntelange Befahren der beinahe immer gleichen Spur kaum zu vermeiden sind. Und wenn man diese Arbeiten im Herbst durchführt, hilft auch noch der Winterfrost mit, den grobscholligen Boden locker und fein zu machen. Die im kommenden Frühling neu gepflanzten Reben haben damit alle Möglichkeiten, ein gutes Wurzelsystem zu entwickeln.

Die einfachste, weil weniger Kraftaufwand benötigende Möglichkeit für diese Pflanzvorbereitung ist das Rigolen. Darunter versteht man ein besonders tiefes Pfügen, je nach Bodenvoraussetzungen bis zu einem halben Meter und mehr.

Dabei wird der Boden nicht nur gelockert, sondern wie bei jeder Arbeit mit dem Pflug (und beim händischen Umgraben) auch gewendet. Der nährstoff- und humusreiche Oberboden kommt nach unten und eine relativ unbelebte Unterbodenschicht nach oben.

Wie (fast) alles, hat auch das Rigolen Vor- und Nachteile. Nährstoffe wie Phosphor und Kalium, die im Boden sehr unbeweglich sind können mit dem Rigolen in den Hauptwurzelbereich der Reben gebracht werden. Das ist besonders wichtig, wenn bei einer Bodenuntersuchung gravierende Mängel festgestellt und diese vor der Auspflanzung mit einer sogenannten Vorratsdüngung behoben werden.

Mehr oder weniger abgestorbene Rebwurzeln der vorangegangenen Rebengeneration kommen dafür an die Oberfläche und können entfernt werden, damit bei ihrem Verrottungsprozeß keine Substanzen entstehen, die das Wachstum der jungen Rebwurzeln hemmen.

Andererseits wird beim Rigolen sehr viel Bodenleben in Tiefen verfrachtet, in denen es u.a. wegen Luftmangel wenig Nutzen bringen kann. Und bis die oberste Bodenschicht wieder ähnlich gut von Beikräutern durchwurzelt und von Würmern, Käfern, Pilzen und Bakterien belebt ist, vergehen ein paar Jahre.

Außerdem wird beim Rigolen sehr viel Erdmasse bewegt, was bei schmalen Parzellen und unfähigen oder unwilligen Lohnunternehmern dazu führen kann, dass ein vormals ebenes Grundstück nach dem Rigolen eine Seitenneigung aufweist. Oder einen Erdaufwölbung in der Mitte. Die zu beheben erfordert einigen Zusatzaufwand, und wenn sie nicht beseitigt wird, kann sie ein Weingartenleben lang Schwierigkeiten bei der maschinellen Bearbeitung bereiten.

Aus diesen (und anderen) Gründen bevorzugen wir seit Jahren meistens eine Tiefenlockerung mittels Grubber, bei der der Boden nur angehoben, nicht aber gewendet wird. Meist kommt man auf diese Weise nicht ganz so tief hinunter, wie beim Rigolen, unsere Junganlagen haben sich aber trotzdem fast immer schön entwickelt.

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