Grund zur Sorge

Das anhaltend warme Wetter bereitet uns langsam Sorgen. Auch wenn es im ersten Moment paradox klingen mag, steigt mit den derzeitigen frühlingshaften Temperaturen die Gefahr von Winterfrostschäden.

Normalerweise sind die Reben um diese Jahreszeit in tiefster Winterruhe. Der Weinstock hat Wasser und Reservestoffe aus den Trieben zurück in den Stamm und die Wurzeln verlagert und der geringe Wassergehalt macht das Holz unempfindlicher gegen Frost. Je weniger Wasser in den Pflanzenzellen steckt, umso weniger Wasser kann sich beim Gefrieren ausdehnen und dadurch das Pflanzengewebe zum Platzen bringen.

Wie man beim Schneiden der Reben beobachten kann, sind die Reben heuer (noch) nicht in völliger Winterruhe. Weinstöcke sind zwar Spätstarter und deshalb anders als manche Obstbäume noch weit vom Aufbrechen der Knospen entfernt. Aber die einjährigen Triebe sind „im Saft“, was bei Temperaturen deutlich über 10°C nicht verwunderlich ist.

In diesem Zustand kann schon ein kurzfristiger Wetterumschwung mit Temperaturen von -5 bis -10°C ernste Frostschäden hervorrufen, während die Reben in vollständiger Winterruhe etwa -15 bis -20°C aushalten können. Es wäre nicht das erste Mal, daß es solcher Art zu einer dramatischen Schädigung der Reben kommt. Vor etwa 10 Jahren (das genaue Jahr ist mir leider entfallen) kam es vor allem die Gegend rund um Gols zu massiven Schäden nach einem relativ milden Jänner. Und damals war es bei weitem nicht so warm wie heuer.

Winterfrostschäden führen je nach Schwere zum Erfrieren einzelner Knospen, der oberirdischen Rebstämme oder der gesamten Pflanze. Während der erste Fall zum Teil über einen großzügigeren Rebschnitt noch ausgeglichen werden kann, bedingt der zweite Fall einen neuen Stockaufbau vom Boden weg, wie bei einer Junganlage. Ein Jahr viel Arbeit ohne Ertrag. Ein Totalschaden, das Absterben des ganzen Stockes, tritt eher selten ein. Mit Erde zugedeckt überlebt der unterste Teil des Stammes mit der Veredlungsstelle und das Wurzelsystem in den meisten Fällen.

Die letzten schlimmen Frostschäden, von denen wir betroffen waren, sind 20 Jahre her. 1987 sank die Quecksilbersäule auf unter -20°C. Damals waren auch die Hanglagen, von denen die kälteste Luft normalerweise in die Ebene am Neusiedlersee abfließt stark betroffen. Insgesamt hatten wir damals von fast zwe Drittel unserer Weinstöcke keinerlei Ertrag (aber jede Menge Arbeit) und von den anderen meist nur einen geringen.

Obwohl ich damals erst knapp 13 Jahre alt war, habe ich doch vieles mitbekommen. Den halbstündigen Gang meiner Eltern zum Außenthermometer, das Gefühl der Ohnmacht und eine auf mich damals sehr bedrohlich wirkende Krisenstimmung.

Auch wenn Frostschäden bei uns eher selten auftreten, sind sie doch sehr gefürchtet. Schließlich sind sie für die quantitativ kleinsten Ernten verantwortlich. Und heuer ist die Zeit bis zu den „Eismännern“ Anfang Mai, den letzten „theoretischen“ Frosttagen besonders lang…

 

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