{"id":8446,"date":"2024-09-14T22:42:36","date_gmt":"2024-09-14T20:42:36","guid":{"rendered":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8446"},"modified":"2024-09-14T22:42:36","modified_gmt":"2024-09-14T20:42:36","slug":"deja-vu-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8446","title":{"rendered":"D\u00e9j\u00e0-vu"},"content":{"rendered":"\n<p>Noch ist die Weinlese 2024 nicht abgeschlossen und f\u00fcr ein Fazit ist es viel zu fr\u00fch. Weil aber nur noch Cabernet Sauvignon und Traminer an den Reben h\u00e4ngen und das extreme Erntewetter den Jahrgang unvergesslich machen wird, ist ein Zwischenbericht durchaus angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8431\">der Lese unseres &#8222;Springinkerl&#8220;<\/a> am 9. August und einer Vorab-Ernte eines Gr\u00fcnen Veltliner am 22. August haben wir am 26. des Monats guten Mutes <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8439\">die Weinlese 2024 begonnen<\/a>. Am zweiten Tag hat uns dann die letzte gro\u00dfe Hitzewelle des Sommers eingeholt und uns jeden Tag w\u00e4hrend der zweiw\u00f6chigen Hauptlese Temperaturen \u00fcber 30 und h\u00e4ufig 33 oder sogar 34 Grad Celsius beschert.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Temperaturen sind aus mehreren Gr\u00fcnden eine enorme Herausforderung. Einerseits, weil es f\u00fcr unsere Lesehelfer und uns selbst nat\u00fcrlich extrem anstrengend ist, in der Hitze &#8211; und je nach Orientierung der Rebzeilen auch in der prallen Sonne &#8211; stundenlang sorgf\u00e4ltig Trauben von den Reben zu schneiden. Und andererseits, weil die damit verbundenen Trauben- und Mosttemperaturen die Entwicklung von unerw\u00fcnschten Mikroorganismen w\u00e4hrend Verarbeitung und Pressung enorm beg\u00fcnstigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um beidem zumindest etwas entgegenzuwirken, haben wir heuer erstmals nur am &#8211; nach vorne und hinten etwas verl\u00e4ngerten &#8211; Vormittag geerntet und die Arbeit drau\u00dfen um 13 Uhr eingestellt. Dadurch waren zwar einige Lesetage mehr notwendig, aber wir hatten ja zum Gl\u00fcck rechtzeitig begonnen und das Wetter hat auch lange genug gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem solcher Hitze ist n\u00e4mlich, dass die Traubenreife ja enorm schnell voranschreitet. Und weil man nicht alle Weing\u00e4rten gleichzeitig ernten kann, ist das Risiko zu reifer Trauben f\u00fcr bestimmte Weinstile gro\u00df. So berichten Kollegen bereits davon, dass auch einige ihrer Alltagsweine, die normalerweise bei 11,5 oder vielleicht 12 Prozent Alkohol liegen heuer eher 13 Prozent haben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das konnten wir gottseidank vermeiden und wir haben nicht nur unser Springinkerl mit knapp 9 Prozent im Keller, sondern auch mehrere Gr\u00fcne Veltliner, den Muskat Ottonel und unseren Ros\u00e9 im Bereich zwischen 11,5 und 12 Prozent. Ein klein wenig geholfen hat uns dabei auch der Ertrag, der bei uns nicht ganz so gering ausgefallen sein d\u00fcrfte, wie ansonsten landauf landab. Weniger oder kleinere Trauben reifen nat\u00fcrlich noch schneller, ein anscheinend sehr lokal begrenzter ergiebiger Gewitterregen Mitte August hat aber in den meisten unserer Weing\u00e4rten f\u00fcr eine durchaus normale Erntemenge gesorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einbu\u00dfen hatten wir nur dort, wo Ende April der Sp\u00e4tfrost zugeschlagen hat. Der hat doch etwas mehr Schaden verursacht, als <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8406\">hier optimistisch berichtet<\/a>. Ein Hektar am Hangfu\u00df zum Neusiedlersee mit Muskat Ottonel, Muskateller und Chardonnay hat es ziemlich schlimm erwischt und den empfindlichen Muskat auch in den Hanglagen, in denen die anderen Sorten direkt daneben nicht betroffen waren. In Summe liegen wir deshalb bei vielleicht 15 Prozent unter einer Durchschnittsernte, also immer noch in der normalen Schwankungsbreite, die das Weinbauernleben mit sich bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Qualitativ ist der 2024er bei uns sehr vielversprechend, allerdings nicht wegen der vielen Sonne im August, sondern eher trotzdem. Die Vorgeschichte des Jahrgangs und unsere Laubarbeit im Weingarten, bei der wir insbesondere bei den Wei\u00dfweinsorten auf eine gewisse Beschattung der Trauben achten, d\u00fcrften allem Anschein nach daf\u00fcr gesorgt haben, dass die Weine nicht die typischen Merkmale eines Hitzejahrgangs aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4gender als die Temperatur ist in solchen Jahren n\u00e4mlich die Trockenheit. Sie sorgt f\u00fcr niedrige S\u00e4urewerte und breite, unelegante Weine mit wenig aromatischer Tiefe. Richtig trocken war es bei uns heuer allerdings nur f\u00fcr vielleicht zwei, drei Wochen in der zweiten Julih\u00e4lfte. Davor konnten die Reben vom ausgiebigen Niederschlag im April und Mai zehren, dann kam ein kleinerer, aber sehr wirksamer Regen am 8. August und schlie\u00dflich wie bereits erw\u00e4hnt &#8222;unser&#8220; Gewitter am 17. August mit ansehnlichen 35 Liter Regen pro Quadratmeter.<\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten zwei Lesewochen wanderten nach und nach alle Wei\u00dfweinsorten und der Zweigelt in den Keller, durchwegs wohlschmeckend, praktisch ohne F\u00e4ulnis und alle in der richtigen Reife f\u00fcr den jeweiligen Weinstil. Auch die <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1790\">Traubenwelke beim Zweigelt<\/a>, die uns im Vorjahr \u00e4hnlich viele Probleme bereitet hat <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=660\">wie 2008<\/a> hielt sich in vertr\u00e4glichen Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Montag der dritten Woche, an dem wir aus logistischen Gr\u00fcnden ohnehin vor hatten zu pausieren, brachte dann den gro\u00dfen, unerwarteten Wetterumschwung. Die Abk\u00fchlung auf normale Septembertemperaturen und der ausgiebige Regen am Montag waren allerdings lediglich das Vorspiel, denn die Prognosen f\u00fcrs Wochenende sagten ungeahnte Rekordniederschl\u00e4ge bei 10 Grad Celsius voraus. Angesichts dieser Meldungen hatte ich ein recht eigenartiges D\u00e9j\u00e0-vu, erinnerte die Wettervorhersage doch frappierend an das Jahr 2007, in dem es <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=333\">mitten in der sehr fr\u00fchen Lese 110mm geregnet<\/a> hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals war es wie heuer recht kalt, was die F\u00e4ulnisgefahr bei solchen Extremereignissen deutlich mindert. Wohl deshalb sind wir vor 17 Jahren <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=340\">mit einem blauen Auge<\/a> davongekommen, wenn auch der Regen beim Blaufr\u00e4nkisch da und dort seine Spuren hinterlassen hat. Um das heuer zu vermeiden, galt es, das kurze trockene Zeitfenster am Dienstag und Mittwoch der vergangenen Woche bestm\u00f6glich zu n\u00fctzen, um den Blaufr\u00e4nkisch nach Hause zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit gro\u00dfem Einsatz ist uns das auch gelungen und jetzt haben wir &#8222;nur&#8220; noch den Cabernet Sauvignon und den Traminer drau\u00dfen. Ersterer ist sehr dickschalig und lockerbeerig und deshalb eine der f\u00e4ulniswiderstandsf\u00e4higsten Sorte \u00fcberhaupt. Wenn der Cabernet nach dem Regen einige Tage abtrocknen und fertig reifen kann, sehe ich dem Resultat sehr optimistisch entgegen, nicht zuletzt, weil der 2007er damals auch sehr gut geworden ist und immer noch gro\u00dfe Freude bereitet. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Traminer ist ohnehin f\u00fcr unsere s\u00fc\u00dfe Auslese vorgesehen, soll also sogar von (Edel-)F\u00e4ule befallen werden. Dementsprechend gelassen nehmen wir das aktuelle Sauwetter hin und dr\u00fccken den Kollegen (v.a. in anderen Weinbaugebieten) die noch nicht soweit sind mit der Ernte und allen in den Hochwassergebieten die Daumen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ist die Weinlese 2024 nicht abgeschlossen und f\u00fcr ein Fazit ist es viel zu fr\u00fch. Weil aber nur noch Cabernet Sauvignon und Traminer an den Reben h\u00e4ngen und das extreme Erntewetter den Jahrgang unvergesslich machen wird, ist ein Zwischenbericht durchaus angebracht. Nach der Lese unseres &#8222;Springinkerl&#8220; am 9. August und einer Vorab-Ernte eines Gr\u00fcnen &#8230; <a title=\"D\u00e9j\u00e0-vu\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8446\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber D\u00e9j\u00e0-vu\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8447,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[51],"tags":[],"class_list":["post-8446","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lese-2024"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8446"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8456,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8446\/revisions\/8456"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}