{"id":8109,"date":"2023-01-09T09:06:16","date_gmt":"2023-01-09T08:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8109"},"modified":"2023-01-09T09:06:16","modified_gmt":"2023-01-09T08:06:16","slug":"harmonie-und-reife","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8109","title":{"rendered":"Harmonie und Reife"},"content":{"rendered":"\n<p>Nicht nur aber vor allem auch in \u00d6sterreich werden die meisten Weine jung getrunken. Das ist bei sehr vielen von ihnen auch gut so, denn der jugendliche Fruchtcharme und ihre erfrischende Art sind das Beste, was sie bieten k\u00f6nnen. Und manchmal auch das Einzige.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem sind die meisten Konsumenten an die Aromenwelt junger Weine gew\u00f6hnt. Einerseits, weil wir eher darauf programmiert sind, frische Fr\u00fcchte spontan attraktiv zu finden als gereifte. Und andererseits, weil es f\u00fcr Normalweintrinker kaum eine Gelegenheit gibt, sich mit der Aromenwelt reifer Weine vertraut zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist schade, denn es gibt gar nicht so wenige Weine, die von der Lagerung in der Flasche profitieren k\u00f6nnen. Und dann &#8211; ein wenig Interesse und Offenheit des Verkosters vorausgesetzt &#8211; eine unglaublich spannende Geschmacksvielfalt bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Ideen, woran es liegen soll, ob sich ein Wein gut entwickelt. Nicht wenige davon widersprechen sich gegenseitig oder der eindeutigen Praxiserfahrung. Hoher Alkohol sei gut, hei\u00dft es oft. Aber warum gibt es dann sensationell gereifte Rieslinge von der Mosel mit 10 Prozent oder noch weniger? Viel S\u00e4ure w\u00e4re gut, meinen manche. Die haben aber wohl noch nie einen schon nach wenigen Jahren v\u00f6llig ausgezehrten, daf\u00fcr aber unharmonisch blitzsauren Wein im Glas gehabt. Oder einen grandiosen jahrzehntealten Traminer, eine der s\u00e4ure\u00e4rmsten Sorten \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine hohe SO2-Dosage bei der Abf\u00fcllung sei hilfreich, Aromen und Frische gegen den Zahn der Zeit zu sch\u00fctzen, h\u00f6rt man manchmal. Gleichzeitig gelten aber auch einige ohne oder mit sehr wenig &#8222;Schwefel&#8220; oxidativ ausgebaute Weine als extrem langlebig. Bei den Roten sei viel Tannin wichtig, ist die Meinung mancher Rotweinfreaks. Die anscheinend noch nie das zweifelhafte Vergn\u00fcgen eines nach wenigen Jahren aromatisch toten, aber immer noch untrinkbar bitteren Rotweines hatten. Und auch nicht das grandiose Geschmackserlebnis eines sortenbedingt tanninarmen Pinot Noir nach Jahren in der Flasche.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran es wirklich liegt, dass manche Weine besser altern als andere, l\u00e4sst sich wohl nie mit Sicherheit sagen. Ich habe das gro\u00dfe Gl\u00fcck, schon viele Altweine im Glas gehabt zu haben und bin mittlerweile auch lange genug als Weinbauer aktiv, um mich an zahlreiche eigene Weine in ihrer Jugend erinnern zu k\u00f6nnen wenn ich sie Jahre und Jahrzehnte sp\u00e4ter verkoste. Eine klare Regel zum Reifepotential von Wein wage ich daraus trotzdem nicht abzuleiten. Eine vage Tendenz allerdings schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Erfahrung nach hat das Reifepotential sehr viel mit etwas zu tun, was ich als innere Harmonie bezeichnen w\u00fcrde. Damit meine ich allerdings nicht konturenlos glattgeschliffene Weine, die von der Werbung als besonders harmonisch verkauft werden. Sondern solche, die in sich stimmig sind mit ihren Ecken und Kanten, die f\u00fcr einen spannenden Wein unabdingbar sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese innere Harmonie hat f\u00fcr mich wenig mit den oben genannten Regeln zu tun. Ich habe sie auch schon bei recht unkomplizierten Weinen gefunden, deren Idee es nie gewesen ist, nach 20 Jahren getrunken zu werden. Sie basiert stattdessen auf guten (aber nicht notwendigerweise besonders zuckerreichen) Trauben, einem sorgsamen Umgang mit diesen im Keller nach dem Motto &#8222;so wenig wie m\u00f6glich, aber so viel wie n\u00f6tig&#8220; und dem Willen des Kellermeisters, dem Wein vor der Abf\u00fcllung die Ruhe und Zeit zu geben, die er braucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Weine, die auf diese Weise entstehen, sind selten besonders spektakul\u00e4r und werden gerne untersch\u00e4tzt. Kommt es heutzutage bei Wettbewerben aber auch beim fl\u00fcchtigen Konsum nebenbei doch sehr oft darauf an, den Verkoster schon beim ersten Schluck zu beeindrucken.<\/p>\n\n\n\n<p>In sich ruhende Weine werden daf\u00fcr aber nicht so schnell langweilig wie solche, deren Geschmacksbild zu gewollt ist, sie sind die besseren Speisenbegleiter und \u00fcber Jahre (und manchmal auch Jahrzehnte) ein faszinierender Genuss. Eigenschaften die ich erst vor ein paar Tagen wiedereinmal bei unserem Pinot blanc 2015 zum Steinpilzrisotto erleben durfte.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur aber vor allem auch in \u00d6sterreich werden die meisten Weine jung getrunken. Das ist bei sehr vielen von ihnen auch gut so, denn der jugendliche Fruchtcharme und ihre erfrischende Art sind das Beste, was sie bieten k\u00f6nnen. Und manchmal auch das Einzige. Zudem sind die meisten Konsumenten an die Aromenwelt junger Weine gew\u00f6hnt. &#8230; <a title=\"Harmonie und Reife\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8109\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Harmonie und Reife\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8110,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-8109","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-im-glas"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8109"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8109\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8123,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8109\/revisions\/8123"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}