{"id":8086,"date":"2022-10-22T18:28:45","date_gmt":"2022-10-22T16:28:45","guid":{"rendered":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8086"},"modified":"2022-10-22T18:28:45","modified_gmt":"2022-10-22T16:28:45","slug":"unverhofft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=8086","title":{"rendered":"Unverhofft"},"content":{"rendered":"\n<p>Vergangenen Donnerstag konnten wir die Weinlese 2022 nach einer mehrw\u00f6chigen Pause mit dem Traminer abschlie\u00dfen. Geplant war eine Auslese mit etwa 23\u00b0KMW und da ist Geduld gefragt, denn vollreife Trauben reichen daf\u00fcr nicht aus. Bei etwa 21 bis 22\u00b0KMW (d.h. etwa Prozent Zucker im Most) stellt die Rebe n\u00e4mlich die Zuckereinlagerung in die Trauben ein und f\u00fcllt mit ihrer Photosyntheseleistung stattdessen ihre Reservedepots f\u00fcr den Winter.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die gew\u00fcnschte Gradation braucht es zumindest ein bisschen \u00dcberreife, also eingeschrumpfte Beeren, deren Wasserverlust den prozentualen Zuckergehalt steigen l\u00e4sst. Das geht zwar theoretisch auch durch ewig langes Warten von alleine, schneller und besser aber mittels Botrytis cinerea, dem Edelf\u00e4ule-Pilz, der die Beerenschalen weich und durchl\u00e4ssig macht und so die Wasserverdunstung f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Edelf\u00e4ule tritt nur an wenigen Orten der Welt regelm\u00e4\u00dfig und in nennenswerter Menge auf, und wir haben das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass die Region um den Neusiedlersee zu diesen Weinbaugebieten z\u00e4hlt. Feuchtes Herbstwetter und Morgennebel beg\u00fcnstigen die Pilzinfektion und milde, windige Herbsttage f\u00f6rdern das Einschrumpfen der infizierten Beeren.<\/p>\n\n\n\n<p>In manchen Jahrg\u00e4ngen klappt das auch bei uns nicht, und oft <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5608\">dauert es recht lange<\/a>, bis es soweit ist. Manchmal geht es aber recht schnell, so <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=6335\">wie zuletzt 2015<\/a> oder auch heuer wieder. Bei der letzten Messung vor vielleicht 14 Tagen waren wir uns (unter Einberechnung der Messungenauigkeit, die wegen der schwierigen Stichprobenauswahl bei teilweise gesunden, teilweise geschrumpften Beeren sehr hoch ist) relativ sicher, dass wir h\u00f6chstens bei 21\u00b0KMW liegen, bei der Kontrolle am Montag dieser Woche war aber ebenso klar, dass sich viel bewegt hat und die Zeit jetzt dr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen anderer Termine war die Lese aber erst am Donnerstag m\u00f6glich und damit Plan B notwendig: Ohne all zu gro\u00dfen Sortieraufwand haben wir die am st\u00e4rksten botrytisbefallenen Trauben separat geerntet, damit unsere Auslese nicht zu s\u00fc\u00df wird. Und so ganz nebenbei unverhofft neben einer Auslese mit Punktlandung bei 23\u00b0KMW auch eine ansehnliche Menge Beerenauslese mit 27\u00b0KMW ernten k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangenen Donnerstag konnten wir die Weinlese 2022 nach einer mehrw\u00f6chigen Pause mit dem Traminer abschlie\u00dfen. Geplant war eine Auslese mit etwa 23\u00b0KMW und da ist Geduld gefragt, denn vollreife Trauben reichen daf\u00fcr nicht aus. 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