{"id":7703,"date":"2021-11-15T08:36:32","date_gmt":"2021-11-15T07:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=7703"},"modified":"2021-11-15T08:36:32","modified_gmt":"2021-11-15T07:36:32","slug":"sterne-punkte-und-ein-laecheln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=7703","title":{"rendered":"Sterne, Punkte und ein L\u00e4cheln"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2XVOf3qTGrg?start=2184\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"508\" height=\"310\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n\n\n<p>Wettbewerbe und Bewertungen sind ein wichtiger Teil des Weinzirkus. Sie sind gut f\u00fcrs Image der Branche, weil sie den \u00f6ffentlichen Fokus auf die Qualit\u00e4t richten, halten das Thema Wein im Gespr\u00e4ch und f\u00f6rdern durch permanente Vergleiche das Niveau. Au\u00dferdem sind sie nat\u00fcrlich gut f\u00fcrs Ego der Produzenten und wirken damit (nicht nur) auf junge Weinbauern motivierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Betriebe bauen sogar ihre gesamte Vermarktungsstrategie auf der Werbewirkung hoher Bewertungen auf.  Und passen ihren Weinstil an die Vorlieben der Meinungsbildner an, um von diesen regelm\u00e4\u00dfig ganz vorne platziert zu werden. Mit einem Au\u00dfenseitersieg alle paar Jahre w\u00e4re ihr Gesch\u00e4ftsmodell schlie\u00dflich nicht aufrecht zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Daran ist absolut nichts Verwerfliches, und ich sch\u00e4tze manche dieser Kollegen und Weine sehr. Allerdings ist meine Vorstellung unseres Berufs eine ganz andere und unsere Betriebsstruktur erlaubt mir, diese auch auszuleben. Wir keltern unsere Weine in erster Linie so, wie wir sie selber gerne trinken und suchen danach Kunden mit \u00e4hnlichen Vorlieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem sind mir Bewertungen nat\u00fcrlich nicht egal. Wir n\u00fctzen sie einerseits, um uns selbst auf die Probe zu stellen und andererseits nat\u00fcrlich auch auch, um auf uns und unsere Weine aufmerksam zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr beide Zwecke sollte man Pr\u00e4mierungen aber nicht zu ernst nehmen, denn auch die besten Verkoster sind keine objektiven Degustationsmaschinen. So sehr ich mich zum Beispiel \u00fcber den Platz unseres Leithaberg wei\u00df 2019 mit dreieinhalb Sternen im Spitzenfeld der Vinaria-Verkostung &#8222;Franz\u00f6sisch im Burgenland&#8220; gefreut habe, so wenig haben mich die eineinhalb Sterne samt m\u00e4\u00dfiger Beschreibung (&#8222;schon sehr gereift, limohaft, ziemlich schlank, eher kurz&#8220;) f\u00fcr den Chardonnay Reserve 2019 bei der selben Verkostung zum Verzweifeln gebracht. Nicht zuletzt, weil der gleiche Wein im Weinguide des gleichen Magazins vier Sterne bekommen hatte, von Falstaff 92 und von A la Carte 93 Punkte.<\/p>\n\n\n\n<p>In die Versuchung, Spitzenpl\u00e4tze \u00fcberzubewerten komme ich ohnehin relativ selten, denn bei den meisten Verkostungen liegen unsere Weine punktem\u00e4\u00dfig im soliden oberen Mittelfeld. Das liegt wohl daran, dass mein eher auf Feinheit und Eleganz als auf aufdringliche Aromen und Power abzielender Weinstil in der Verkostungssituation nicht genug heraussticht. Dass unsere Weine aber trotzdem (oder wahrscheinlich sogar genau deshalb) sehr viel Trinkvergn\u00fcgen bereiten, kann man an den Notizen neben den Punkten ablesen. Die Weinbeschreibungen sind n\u00e4mlich bei jenen Kostern, die sich die M\u00fche machen, nicht nur Textbausteine aneinander zu reihen, fast immer deutlich freundlicher als die nackten, aber halt viel plakativeren Punkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist auch Marcus Hofschuster von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.wein.plus\/de\" target=\"_blank\">wein.plus<\/a>, der im obigen Video einen Einblick in das Entstehen seiner Verkostungsnotiz unseres Leithaberg Rot 2019 bietet. Seine 91 Punkte sind zwar viel h\u00f6her einzusch\u00e4tzen, als die 92 von Falstaff, die Wortwahl &#8222;das gef\u00e4llt mir&#8220;, &#8222;sch\u00f6ne Tiefe&#8220;, &#8222;das ist schon sehr, sehr gut&#8220;, &#8222;das ist sauguter Wein&#8220;, &#8222;das macht richtig Laune&#8220;, &#8222;da will ich sofort etwas dazu essen&#8220; und &#8222;sehr, sehr sch\u00f6n&#8220; klingt aber zumindest f\u00fcr mich eigentlich nach noch mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher hat mich diese Diskrepanz oft ge\u00e4rgert, und ich w\u00e4re gerne auch bzw. \u00f6fter ganz oben auf dem Podest gestanden. Mittlerweile wei\u00df ich aber, dass mir diese Rolle im st\u00e4ndigen Rampenlicht und alles was damit verbunden ist gar nicht liegt. Und dass ein Kompliment von einem privaten Weinliebhaber oder auch das ehrliche, zufriedene L\u00e4cheln von Otto-Normalwein-Trinker mindestens genauso wertvoll ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wettbewerbe und Bewertungen sind ein wichtiger Teil des Weinzirkus. Sie sind gut f\u00fcrs Image der Branche, weil sie den \u00f6ffentlichen Fokus auf die Qualit\u00e4t richten, halten das Thema Wein im Gespr\u00e4ch und f\u00f6rdern durch permanente Vergleiche das Niveau. 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