{"id":739,"date":"2008-12-03T21:48:08","date_gmt":"2008-12-03T20:48:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=739"},"modified":"2008-12-03T21:53:49","modified_gmt":"2008-12-03T20:53:49","slug":"2008-der-versuch-einer-ersten-einschatzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=739","title":{"rendered":"2008: Der Versuch einer ersten Einsch\u00e4tzung"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/cabernet-hader-2008.jpg' alt='Cabernet in der Riede Hader mit hoher Laubwand und stark entbl\u00e4tterter Traubenzone' \/><\/p>\n<p>In den letzten Tagen habe ich versucht, f\u00fcr unseren Print-Newsletter &#8222;Die Weinpresse&#8220; <a href=\"http:\/\/grenzhof-fiedler.at\/home\/?p=496\">diese<\/a> erste Einsch\u00e4tzung des Jahrgangs 2008 zu formulieren. Da es aber ohnehin noch ein bi\u00dfchen dauern wird, bis es bei uns die ersten 2008er zu kaufen gibt, liegt der Schwerpunkt dabei eher auf dem R\u00fcckblick als auf einer konkreten Beschreibung von Stil und Qualit\u00e4t der (Jung-)Weine.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4\u00dft sich mit etwas Fantasie auch schon ein bi\u00dfchen mehr \u00fcber die Weine sagen, und eine erste Jahrgangseinsch\u00e4tung w\u00e4re auch eine gute Gelegenheit um die Blog-Kategorie &#8222;<a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?cat=21\">Lese 2008<\/a>&#8220; nach mehr als einem Vierteljahr endlich abzuschlie\u00dfen. Immerhin hat auch die \u00f6sterreichische Weinwerbung ihren &#8222;offiziellen&#8220; <a href=\"http:\/\/www.weinausoesterreich.at\/aktuell\/info_ernte2008.html\">Jahrgangsbericht<\/a> schon seit einigen Tagen online.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Wei\u00dfweine<\/strong><\/p>\n<p>Das herausragende Wettermerkmal des Jahres 2008 war die mehr als gute Wasserversorgung von Anfang Juni bis zur Ernte. Der regelm\u00e4\u00dfige und reichliche Regen f\u00fchrte zu einem kr\u00e4ftigen Wachstum der Reben mit hohem Ertrag und zu deutlich h\u00f6heren S\u00e4urewerten als gewohnt.<\/p>\n<p>Dieser S\u00e4uregehalt blieb vor allem bei den sp\u00e4ter reifenden Sorten bis zur Lese erhalten, da sich deren Endreife erst nach dem abrupten Ende des Altweibersommers Mitte September unter sehr k\u00fchlen Witterungsbedingungen einstellte. Dort wo die Ertr\u00e4ge besonders hoch waren, sind zudem noch die Zuckergradationen eher niedrig geblieben. Trotzdem wirken auch diese (Land-)Weine mit rassiger S\u00e4ure und niedrigem Alkoholgehalt aromatisch nicht unreif.<\/p>\n<p>Wenn ich unser Qualit\u00e4tsweinsortiment hernehme, so wird der <strong>Gr\u00fcne Veltliner<\/strong> 2008 wohl als einer der leichteren und s\u00e4urebetonteren in unsere Betriebsgeschichte eingehen. In einem Trockengebiet, dass eher (zu) milde als (zu) rassige Weine hervorbringt ist das nicht unbedingt ein Nachteil. Anspruch auf Gr\u00f6\u00dfe erhebt dieser Weinstil mit dezent w\u00fcrzigem Bukett und schlankem K\u00f6rper ohnehin nie, und als solider unkomplizierter Alltagswein geht auch der heurige Jahrgang problemlos durch.<\/p>\n<p>Auch der <strong>Muskat Ottonel<\/strong> z\u00e4hlt zu den leichteren Weinen, unterscheidet sich aber vom Veltliner durch ein wesentlich ausgepr\u00e4gteres Aroma. Als fr\u00fchreife Sorte l\u00e4\u00dft sich der Muskat am wenigsten von den Jahrgangsschwankungen beeindrucken und kommt auch heuer mit einer sehr abgerundeten S\u00e4ure daher. Was das Aroma betrifft, so pr\u00e4sentieren sich die drei Chargen im Moment recht unterschiedlich, es k\u00f6nnte aber gut sein, dass der fertige Wein am Ende etwas intensiver riecht, als sein(e) Vorg\u00e4nger.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu Muskat und Veltliner wirkt der <strong>Pinot blanc<\/strong> noch ziemlich unterentwickelt. Noch scheint nicht alles an seinem Platz zu sein, aber die Qualit\u00e4t der Trauben, das Alter der Reben, der vergleichsweise niedrige Ertrag, S\u00e4ure- und Alkoholgehalt lassen mich auf Gro\u00dfes hoffen. Ich m\u00fc\u00dfte mich schon sehr t\u00e4uschen, wenn das nicht einer der besten drei Pinots der letzten 20 Jahre wird. Zumindest f\u00fcr meinen Geschmack.<\/p>\n<p>Den <strong>Chardonnay (Duett)<\/strong> habe ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=675\">hier<\/a> schon angesichts der Traubenqualit\u00e4t (mit Fragezeichen) als Highlight des Jahrgangs bezeichnet, und der Wein d\u00fcrfte in der Tat sehr gut werden. Mit der Verbindung von Kraft und lebendiger S\u00e4ure erinnert er an den hervorragenden 2006er, aber darauf, ob er seinen Vorvorg\u00e4nger einholen und dem Pinot blanc die heurige Pole Position streitig machen kann, w\u00fcrde ich nicht wetten.<\/p>\n<p><strong>Die Roten<\/strong><\/p>\n<p>Nicht viel zu sagen gibt es \u00fcber den <strong>Zweigelt Ros\u00e9<\/strong>. Er ist sauber und fruchtbetont, aber die S\u00e4ure ist etwas (zu) hoch. Gut m\u00f6glich, dass wir ihn etwas ents\u00e4uern, d.h. mit <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=716\">Kalium(bicarbonat)<\/a> einen verst\u00e4rkten Weinsteinausfall bewirken werden.<\/p>\n<p>Beim Rotwein aus dem <strong>Blauen Zweigelt<\/strong> sieht die Sache ganz anders aus. Erstens handelt es sich um anderes Traubenmaterial, und zweitens durchl\u00e4uft der Rote den <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=131\">biologischen S\u00e4ureabbau<\/a>. Trotz der milden S\u00e4ure ist der Zweigelt aber naturgem\u00e4\u00df noch recht unfertig. Er zeigt f\u00fcr die Sorte ungew\u00f6hnlich deutliche, aber angenehm schmeckende Tannine. Da er &#8211; Ertragskontrolle sei Dank &#8211; \u00fcber einen sch\u00f6nen K\u00f6rper verf\u00fcgt und bis zur Abf\u00fcllung auch gen\u00fcgend Zeit haben wird, gibt es im Moment keinen Grund an diesem Wein zu zweifeln.<\/p>\n<p>Noch unfertiger als der fr\u00fchreife Zweigelt ist der sp\u00e4te <strong>Blaufr\u00e4nkisch<\/strong>. Von unserer Hauptsorte gibt es viele verschiedene Chargen im Keller, von denen die meisten in Relation zu Ertrag, Alter der Rebst\u00f6cke und Qualit\u00e4t der Lage durchaus zufriedenstellend sind. F\u00fcr die \u00dcberlegung, welche F\u00e4sser zum &#8222;normalen&#8220; Blaufr\u00e4nkischen werden und welche zum <strong>Blaufr\u00e4nkisch Reserve<\/strong> haben wir alle Optionen und auch noch mehr als genug Zeit.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die <strong>Rote Trilogie<\/strong> 2008 fallen sicher ein paar Barriques voll sehr gutem Blaufr\u00e4nkisch ab. R\u00fcckgrat dieser Cuv\u00e9e wird aber (wie immer, aber heuer ganz besonders) der Zweigelt sein. Von dem gibt es n\u00e4mlich eine Charge, die wie geschaffen f\u00fcr den Verschnitt erscheint: Beinahe jahrgangsuntypisch \u00fcppig und ohne die Struktur von Blaufr\u00e4nkisch und Cabernet fast zu viel des Guten.<\/p>\n<p>Bleibt am Ende noch der <strong>Cabernet Sauvignon<\/strong>, der nicht unbedingt f\u00fcr Jahrg\u00e4nge wie 2008 geschaffen wurde. Dank niedrigem Ertrag und aufw\u00e4ndiger Laubarbeit l\u00e4\u00dft er uns das aber zum Gl\u00fcck nicht in der Nase in Form von gr\u00fcnen Paprikaaromen sp\u00fcren. Auch die Tannine sind in Anbetracht seiner Jugend durchaus vertretbar, aber etwas mehr Fleisch an den Knochen h\u00e4tte ich mir schon gew\u00fcnscht. Wobei wir mit solchen Jahrg\u00e4ngen eigentlich auch recht gute Erfahrungen haben, wenn ich an 1998, 2001 und 2005 denke. Also warten wir\u00b4s mal geduldig ab, es geht schlie\u00dflich um Cabernet.<\/p>\n<p><strong>Der S\u00fc\u00dfwein<\/strong><\/p>\n<p>Die Beerenauslese vom Neuburger, die wir am 17. November gelesen haben, g\u00e4rt noch munter vor sich hin. Was die Trauben und die Qualit\u00e4t der Botrytis betrifft, so gibt es keinen Grund, an einer guten Qualit\u00e4t zu zweifeln. Wie gut <em>gut<\/em> dann aber tats\u00e4chlich ist, l\u00e4\u00dft sich fr\u00fchestens Anfang 2009 absch\u00e4tzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen habe ich versucht, f\u00fcr unseren Print-Newsletter &#8222;Die Weinpresse&#8220; diese erste Einsch\u00e4tzung des Jahrgangs 2008 zu formulieren. 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