{"id":7280,"date":"2021-01-16T16:43:16","date_gmt":"2021-01-16T15:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=7280"},"modified":"2021-01-16T16:43:16","modified_gmt":"2021-01-16T15:43:16","slug":"entscheidungsfindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=7280","title":{"rendered":"Entscheidungsfindung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"508\" height=\"337\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Haider-41-komprimiert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3695\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Haider-41-komprimiert.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Haider-41-komprimiert-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Den ruhigen J\u00e4nner n\u00fctze ich meistens, um die genaue Zusammensetzung unserer Roten Trilogie festzulegen. Einerseits sind Zweigelt, Blaufr\u00e4nkisch und Cabernet 2019 nach gut einem Jahr als reinsortige Weine in den F\u00e4ssern jetzt reif genug f\u00fcr eine fundierte Entscheidung. Andererseits ist noch ausreichend Zeit f\u00fcr die Cuv\u00e9e, sich vor der Abf\u00fcllung im Sommer gemeinsam im Fass zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jetzige Entscheidung kommt freilich nicht aus dem Nichts. Schon \u00f6fter habe ich im Keller beim laufenden Verkosten zur Qualit\u00e4tskontrolle auf die Schnelle ein, zwei Cuvee-Varianten im Glas gemischt und probiert. Und es gibt nat\u00fcrlich eine Grundidee, die seit vielen Jahren hinter unserer Roten Trilogie steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne beschreibe ich sie als kr\u00e4ftigen, gehaltvollen Wein mit Potential, der aber weicher und zug\u00e4nglicher ist, als unsere anderen beiden roten Flaggschiffe (Cabernet Sauvignon und Blaufr\u00e4nkisch Leithaberg DAC) und dadurch auch fr\u00fcher trinkreif. Oder auch als besonderes Erlebnis f\u00fcr jene, die zwar gerne Rotwein trinken, im Alltag aber unseren klassischen Zweigelt oder Blaufr\u00e4nkisch bevorzugen. Die sollen, wenn sie sich etwas besonderes g\u00f6nnen m\u00f6chten, bei der Trilogie sofort sp\u00fcren, dass es sich um einen deutlich gehaltvolleren Wein handelt, sich aber nicht von all zu markantem Tannin oder vorlauten Barrique-Aromen vor den Kopf gesto\u00dfen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zweigelt ist deshalb naheliegenderweise das Kernst\u00fcck unserer Cuv\u00e9e. Meistens bauen wir den Verschnitt sozusagen um diese Sorte herum. Fr\u00fcher vor allem, weil wir nur wenige \u00e4ltere Zweigelt-Weing\u00e4rten mit entsprechender Traubenqualit\u00e4t hatten und die Menge sehr begrenzt war. Und heute weil sich bei allen Cuv\u00e9e-Entscheidungen nat\u00fcrlich immer auch die Frage stellt, was mit dem Rest passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend wir den Zweigelt au\u00dferhalb der Trilogie &#8222;nur&#8220; als klassisch-fruchtigen Wein vermarkten, haben wir beim Blaufr\u00e4nkisch und beim Cabernet Sauvignon auch reinsortige Weine in \u00e4hnlicher Qualit\u00e4t wie die Trilogie im Sortiment. Anders als beim Zweigelt gibt es also eine aus qualitativer, stilistischer aber auch kommerzieller Sicht ad\u00e4quate Verwendung f\u00fcr die nicht verschnittenen F\u00e4sser.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Jahrgang 2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>2019 ist bei uns ein ganz gro\u00dfer Rotweinjahrgang. Der Ertrag war von Natur aus sehr niedrig, das Wetter gut und die Trauben dementsprechend gehaltvoll und ausgereift. Besonders f\u00fcr die Tanninstruktur ist das eine spannende Kombination, versprechen viele und reife Gerbstoffe doch ein herausragendes Lagerpotential. Das Komponieren von fr\u00fcher zug\u00e4nglichen Weinen wird dadurch allerdings zu einer Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Zweigelt h\u00e4lt sich diese Eigenschaft des Jahrgangs zwar in Grenzen und sein Tannin w\u00e4re &#8222;pur&#8220; genau richtig f\u00fcr die Trilogie. Wie fast immer fehlt es der Sorte aber selbst 2019 f\u00fcr die Oberliga ein wenig an Tiefe und Komplexit\u00e4t. Ein de facto sortenreiner Wein mit Spurenelementen von Blaufr\u00e4nkisch und Cabernet, um dem Namen &#8222;Trilogie&#8220; wenigstens ansatzweise gerecht zu werden, kommt also nicht in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere beiden Komplement\u00e4rsorten bringen F\u00fclle und Vielschichtigkeit in die Trilogie, aber auch Tannin. Vom Cabernet sind wir das gewohnt, neben seinen Fruchtaromen und der Holznote (beim Cabernet verwenden wir auch neue Barriques) sind die Gerbstoffe immer sein Beitrag zum Gesamtbild des Verschnittes.  Der Blaufr\u00e4nkisch hingegen hat normalerweise kein so markantes Tannin wie der herausragende 2019er und bringt in der Regel vorwiegend Tiefgang und W\u00fcrzigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erste Versuche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein erster Ansatz war angelehnt an die Zusammensetzung der Vorg\u00e4ngerjahre. Dem Jahrgang entsprechend sind die 50% Zweigelt mit je 25% Blaufr\u00e4nkisch und Cabernet zwar aromatisch und vom K\u00f6rper her perfekt f\u00fcr unser Idealbild der Trilogie, die &#8211; zweifellos sehr gute &#8211; Tanninstruktur ist aber doch deutlich markanter als gewohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund genug f\u00fcr einen zweiten Versuch mit 60% Zweigelt und je 20% der anderen beiden Sorten. Der war zwar etwas weicher, leider aber auch unerwarteterweise deutlich schlanker und weniger komplex. Also keine L\u00f6sung f\u00fcr mein Luxus-Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht also doch eine der beiden &#8222;harten&#8220; Sorten mehr oder weniger weglassen? 70% Zweigelt mit 30% Cabernet w\u00fcrden einen spannenden Wein ergeben, etwas runder als die erste Variante und vielschichtig genug, allerdings sehr geradlinig am Gaumen und recht gestylt und cabernet-gepr\u00e4gt wirkend. Dagegen schmecken 70% Zweigelt mit 30% Blaufr\u00e4nkisch rund und bodenst\u00e4ndig, leider aber auch ziemlich unspektakul\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ann\u00e4herung in kleinen Schritten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt also doch die erste Variante als bester Ausgangspunkt f\u00fcr eine weitere Verfeinerung. Cuv\u00e9e-Entscheidungen sind bei uns ein wochen-, ja monatelanger Prozess. Ich koste die Muster alleine, mit meiner Familie, in verschiedenen Reihenfolgen, solo und zum Essen, frisch vom Fass und auch nach mehreren Tagen der Entwicklung in den Musterflaschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn dann die Sortenzusammensetzung steht, geht es an die Auswahl der einzelnen F\u00e4sser jeder Sorte. Da gibt es ja auch nocheinmal Unterschiede, \u00e4ltere und neue Barriques, unterschiedliche Eichen und verschiedene Toasting-Varianten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diesem Weg findet sich sicher auch die richtige Variante f\u00fcr das 2019er-Tannin. Den Rest macht dann die Zeit, denn bis die Rote Trilogie 2019 in Verkauf kommt wird es sowieso noch mindestens ein Jahr dauern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ruhigen J\u00e4nner n\u00fctze ich meistens, um die genaue Zusammensetzung unserer Roten Trilogie festzulegen. 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