{"id":7239,"date":"2020-09-12T07:57:45","date_gmt":"2020-09-12T05:57:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=7239"},"modified":"2020-09-12T08:12:52","modified_gmt":"2020-09-12T06:12:52","slug":"einen-anderen-herrgott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=7239","title":{"rendered":"Einen anderen Herrgott"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"508\" height=\"350\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Pinot-Trauben-bearbeitet.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3145\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Pinot-Trauben-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Pinot-Trauben-bearbeitet-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die letzten Wochen waren gepr\u00e4gt von den Lesevorbereitungen in Presshaus und Keller und von der genauen Beobachtung des Reifeverlaufes unserer Trauben. Letztere bildet die Grundlage f\u00fcr den Lesebeginn und die Reihenfolge der Ernte und ist heuer auf ganz andere Art wichtig als in den letzten Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Hitzejahren ging es vor allem darum, nicht zu sp\u00e4t mit \u00dcberreife, zu hohem potentiellen Alkoholgehalt und zu wenig S\u00e4urestruktur zu ernten. 2020 hingegen sind die Reifemessungen wichtig, um nicht ungeduldig zu werden, sondern lange genug auf den richtigen Zeitpunkt zu warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontrollen dieser Art sind noch gar nicht so lange \u00fcblich. Noch in den 1980ern ernteten die meisten Weinbauern, wenn alle anderen auch ernteten, denn die Bedeutung der Reife auf Weinqualit\u00e4t und -stil war kaum bekannt oder egal. Au\u00dferdem wurden fast alle Weing\u00e4rten ident so wie immer bewirtschaftet, weshalb es kaum Reifeunterschieden zwischen den Betrieben gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Seither hat sich die Weingartenbearbeitung jedoch sehr individualisiert. Unterschiede in Ertragsniveau, Blattfl\u00e4che pro Stock, Bodenbearbeitung, Laubarbeit und viele anderen Faktoren f\u00fchren zu deutlich voneinander abweichenden Reifekurven. Zusammen mit st\u00e4rker differierenden Vorstellungen der Weinbauern vom angestrebten eigenen Weinstil f\u00fchrt das zu einem deutlich weniger einheitlichen Lesebeginn als noch vor 20 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl das mittlerweile allen Kollegen bekannt sein sollte, werden deutlich von den eigenen Messungen abweichende Zuckergrade als Reifeindiz auch heute noch genauso angezweifelt wie fr\u00fcher. Gibt jemand an, seine Trauben h\u00e4tten um ein, zwei Grad KMW mehr hei\u00dft es schnell ver\u00e4chtlich zweifelnd, er m\u00fcsse wohl einen anderen Herrgott haben (sprich: sein Wert ist gelogen, weil er ja das gleiche Wetter hat wie alle anderen).<\/p>\n\n\n\n<p>1993 durften mein Vater und ich uns das von sehr vielen Seiten anh\u00f6ren, als wir unsere ausgiebigen Messungen im Schaukasten des Weinbauvereines dem ganzen Ort &#8211; als Orientierungshilfe f\u00fcr den Lesebeginn gedacht &#8211; zug\u00e4nglich machten. Deshalb diskutieren wir unsere Ergebnisse seither nur mehr mit wenigen gleichgesinnten Kollegen und halten uns sonst eher zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende muss ohnehin jeder selbst wissen, was er tut. Und heuer f\u00fchrt das ungewohnter Weise dazu, dass wir, die wir fast immer fr\u00fcher dran waren als die meisten anderen im Ort ein paar Tage sp\u00e4ter mit der Weinlese beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Wochen waren gepr\u00e4gt von den Lesevorbereitungen in Presshaus und Keller und von der genauen Beobachtung des Reifeverlaufes unserer Trauben. Letztere bildet die Grundlage f\u00fcr den Lesebeginn und die Reihenfolge der Ernte und ist heuer auf ganz andere Art wichtig als in den letzten Jahren. 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