{"id":715,"date":"2008-11-10T22:53:10","date_gmt":"2008-11-10T21:53:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=715"},"modified":"2008-11-10T22:57:30","modified_gmt":"2008-11-10T21:57:30","slug":"damit-man-sie-hat-wenn-man-sie-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=715","title":{"rendered":"Damit man sie hat, wenn man sie braucht"},"content":{"rendered":"<p>Vorausschauende Weinbauern k\u00fcmmern sich fr\u00fch genug um das Pflanzmaterial f\u00fcr einen neuen Weingarten. Nur wenn man die gew\u00fcnschte Kombination von Sorte (und deren Klon bzw. Herkunft) mit Unterlagsrebe gut ein Jahr vor der eigentlichen Pflanzung in der Rebschule bestellt, ist man nicht auf die vorproduzierte Standardware oder das, was \u00fcberhaupt noch erh\u00e4ltlich ist angewiesen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Qual der Wahl<\/strong><\/p>\n<p>Anders als in vielen Gebieten Frankreichs und Italiens l\u00e4\u00dft uns das Weingesetz bei der Wahl der Rebsorte relativ freie Hand. Mehr als 30 Sorten sind als Qualit\u00e4tsrebsorten zugelassen und d\u00fcrfen ohne weitere Beschr\u00e4nkungen ausgepflanzt werden. <\/p>\n<p>Die Wahl will aber gut \u00fcberlegt sein, denn die Sortenfrage entscheidet wesentlich \u00fcber den (auch kommerziellen) Erfolg oder Mi\u00dferfolg eines Weingartens w\u00e4hrend seiner jahrzehntelangen Lebensdauer.<\/p>\n<p>Wenn die Sorte nicht zum Standort pa\u00dft, leidet darunter die Qualit\u00e4t und damit letztlich auch der Preis und\/oder der Verkauf. Aber auch wenn die Kombination von Sorte und Lage gute Weine erm\u00f6glicht, kann es wirtschaftliche Probleme geben, wenn der Weinbauer bei der Entscheidung den Markt au\u00dfer Acht l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>So ist es in den vergangenen Jahrzehnten nicht selten passiert, dass die vielversprechende Modesorte schon wenige Jahre nach der Pflanzung v\u00f6llig &#8222;out&#8220; wurde und sich trotz guter Qualit\u00e4t nur sehr schwer an den Mann bringen l\u00e4\u00dft. M\u00fcller Thurgau und Neuburger sind daf\u00fcr gute Beispiele.<\/p>\n<p>Unser Grundst\u00fcck am Goldberg ist f\u00fcr mehrere Traubensorten geeignet. In anderen Parzellen in der gleichen Lage haben wir gute Ergebnisse mit Zweigelt, Blaufr\u00e4nkisch, aber auch Cabernet Sauvignon und einem <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=203\">revitalisierten Gr\u00fcnen-Veltliner-Weingarten<\/a>. <\/p>\n<p>Da wir aber mit diesen Sorten im Moment ohnehin recht gut versorgt sind, und der neue Weingarten von einem n\u00e4chtlichen Kaltluftstrom beeinflu\u00dft wird, weil er am Rand der Riede Goldberg liegt, haben wir uns entschieden, Wei\u00dfweinsorten zu pflanzen. In Anbetracht der Gr\u00f6\u00dfe des Weingartens von immerhin 10 Prozent unserer Gesamtfl\u00e4che erscheint uns eine Teilung sinnvoll, und so planen wir rund 0,3 ha Chardonnay und etwa 0,7 ha Muskat Ottonel.<\/p>\n<p><strong>Reben nach Ma\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Das Pflanzmaterial f\u00fcr unseren bestehenden Chardonnay-Weingarten stammte von \u00e4lteren Rebst\u00f6cken eines Kollegen, die sich schon zumindest seit einigen Jahrzehnten im Burgenland bew\u00e4hrt haben. Da wir mit der Qualit\u00e4t und dem Ertrag bislang immer zufrieden waren, haben wir uns entschlossen, auch den Goldberg mit diesem, &#8222;unserem&#8220; Chardonnay zu bestocken.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck haben wir den bestehenden Weingarten vor der Ernte 2007 begutachtet und eine Auswahl von Rebst\u00f6cken markiert, die eindeutig gesund waren und besonders sch\u00f6ne Trauben hatten. Die Triebe dieser St\u00f6cke brachten wir nach dem Schnitt in die Rebschule unseres Vertrauens, wo sie auf die Unterlagsrebe veredelt wurden, die uns f\u00fcr Sorte und Boden am passendsten scheint.<\/p>\n<p>Beim Muskat Ottonel k\u00f6nnen wir auf keine eigenen Rebst\u00f6cke zur Vermehrung zur\u00fcckgreifen, da unsere Weing\u00e4rten auf Grund ihres Alters sehr schwachw\u00fcchsig sind und kaum f\u00fcr die Vermehrung geeignete kr\u00e4ftige Triebe erbringen. Au\u00dferdem sind viele St\u00f6cke mit mehr oder weniger auff\u00e4lligen Viruserkrankungen infiziert, was f\u00fcr eine Junganlage ein denkbar schlechter Start w\u00e4re.<\/p>\n<p>Damit wir uns trotzdem nicht nach drei Jahren Pflege beim ersten Ertrag von der Qualit\u00e4t der Trauben \u00fcberraschen lassen m\u00fcssen, haben wir jene verschiedenen Weing\u00e4rten besichtigt, die von &#8222;unserer&#8220; Rebschule zur Vermehrung herangezogen werden.<\/p>\n<p>Entschieden haben wir uns dann f\u00fcr eine gemischte Auswahl von alten Rebst\u00f6cken (mit entsprechender genetischer Vielfalt) und gegen einen oder mehrere Klone (die von Weinbauversuchsanstalten aus einer Mutterpflanze herangezogen werden und daher alle genetisch ident sind).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorausschauende Weinbauern k\u00fcmmern sich fr\u00fch genug um das Pflanzmaterial f\u00fcr einen neuen Weingarten. Nur wenn man die gew\u00fcnschte Kombination von Sorte (und deren Klon bzw. 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