{"id":687,"date":"2008-10-13T06:57:15","date_gmt":"2008-10-13T05:57:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=687"},"modified":"2008-10-13T06:58:40","modified_gmt":"2008-10-13T05:58:40","slug":"goldener-oktober","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=687","title":{"rendered":"Goldener Oktober?"},"content":{"rendered":"<p>Ein stabiles Hoch \u00fcber ganz Mitteleuropa, Sonne und Temperaturen um die 20\u00b0C: Beim Blick auf die aktuelle Gro\u00dfwetterlage k\u00f6nnte man leicht zur Ansicht gelangen, dass wir im Burgenland unsere Trauben heuer viel zu fr\u00fch geerntet haben.<\/p>\n<p>Bevor man aber voreilige Schl\u00fcsse zieht, sollte man Folgendes bedenken:<\/p>\n<li>Der Tag (und mit ihm die Sonnenstundenanzahl) ist im Oktober deutlich k\u00fcrzer, als im August oder September.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend in weiten Teilen \u00d6sterreichs die Sonne scheint, h\u00e4lt sich bei uns um diese Jahreszeit gerne hartn\u00e4ckiger Nebel. An manchen Tagen geht er gar nicht hoch, und an manchen nur f\u00fcr ein oder zwei Stunden.<\/li>\n<p><img src='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/herbststimmung-wein-burgenland-lukan-komprimiert.jpg' alt='Herbststimmung am Neusiedlersee' \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<li>Der Nebel mindert nicht nur die Photosyntheseleistung der Reben (und damit die Traubenreife) gewaltig, sondern erh\u00f6ht durch die Benetzung der Trauben auch das Botrytisrisiko.<\/li>\n<li>Dieser Grauschimmelpilz hat aber nicht nur wegen des Nebels im Burgenland leichteres Spiel als anderswo, sondern auch, weil die Trauben hier um diese Jahreszeit bereits wesentlich reifer und damit anf\u00e4lliger sind.<\/li>\n<li>Wenn die Botrytis reife Trauben bef\u00e4llt, bewirkt sie die sogenannte Edelf\u00e4ule und bildet damit die Grundlage f\u00fcr h\u00f6here Pr\u00e4dikatsweine wie Beerenauslese, Ausbruch und Trockenbeerenauslese. F\u00fcr &#8222;normale&#8220; Weine ist sie aber heutzutage aus qualitativen Gr\u00fcnden unerw\u00fcnscht.<\/li>\n<li>Wurde noch vor 20 Jahren bei mehr oder weniger trockenen Wei\u00dfweinen ein gro\u00dfer Anteil an Edelf\u00e4ule toleriert oder gar angestrebt (um h\u00f6here Zuckergrade und damit h\u00f6here Alkoholwerte zu erzielen), so steht zumindest im Burgenland heute die Frucht und Feinheit der Weine im Vordergrund. Und die vertr\u00e4gt nur geringe Anteile an Edelf\u00e4ule.<\/li>\n<li>Bei Rotweinen schadet die Botrytis schon in kleinsten Mengen der Qualit\u00e4t. Schlie\u00dflich zerst\u00f6rt sie die Traubenschale, in der die f\u00fcr die Roten &#8222;lebenswichtigen&#8220; Farbstoffe und Tannine sitzen.<\/li>\n<li>Davon abgesehen sind die riesigen Schw\u00e4rme von Staren, die sich im Oktober rund um den Neusiedlersee sammeln auch mit intensiven Schutzma\u00dfnahmen kaum (mehr) unter Kontrolle zu halten und das <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=302\">Schadensrisiko<\/a> daher enorm gro\u00df.<\/li>\n<p>Ein sch\u00f6ner Oktober kann also bei burgenl\u00e4ndischen Verh\u00e4ltnissen den Trauben nur ganz, ganz selten beim Erreichen der allerletzten Reife helfen. Das einzige Beispiel, das ich kenne, ist der Jahrgang 2004, als wir den Cabernet (mit dem wir sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=130\">Falstaff-Sortensieger<\/a> geworden sind) erst rund um den 26. Oktober gelesen haben.<\/p>\n<p>In der Regel ist es daher besser, durch entsprechend sorgf\u00e4ltige Weingartenarbeit und vern\u00fcnftige Ertr\u00e4ge alles daf\u00fcr zu tun, dass der Gro\u00dfteil der Trauben schon im September gelesen werden kann.<\/p>\n<p><em>Foto: <a href=\"http:\/\/www.weinburgenland.at\">Wein Burgenland<\/a>\/<a href=\"http:\/\/www.lichtmale.at\">Lukan<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein stabiles Hoch \u00fcber ganz Mitteleuropa, Sonne und Temperaturen um die 20\u00b0C: Beim Blick auf die aktuelle Gro\u00dfwetterlage k\u00f6nnte man leicht zur Ansicht gelangen, dass wir im Burgenland unsere Trauben heuer viel zu fr\u00fch geerntet haben. 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