{"id":6583,"date":"2016-12-17T20:29:31","date_gmt":"2016-12-17T19:29:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=6583"},"modified":"2016-12-17T20:29:31","modified_gmt":"2016-12-17T19:29:31","slug":"zwischen-den-stuehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=6583","title":{"rendered":"Zwischen den St\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6598\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Haider-45-komprimiert.jpg\" alt=\"haider-45-komprimiert\" width=\"508\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Haider-45-komprimiert.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Haider-45-komprimiert-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in (fast) allen Lebensbereichen gibt es auch im Weingeschmack Trends und Moden. In \u00d6sterreich z\u00e4hlte zum Beispiel bis in die 1980er-Jahre \u00fcberwiegend die Menge, und wenn es auf den Geschmack ankam, dann war auch dabei Masse gefragt. Intensives Aroma von Muskat, M\u00fcller-Thurgau und Traminer, kr\u00e4ftiger Alkohol und deutliche Rests\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erste Ver\u00e4nderungen waren schon ab Anfang der 80er vereinzelt wahrnehmbar, aber erst der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glykolwein-Skandal\">Weinskandal 1985<\/a> brachte eine regelrechte Z\u00e4sur im \u00f6sterreichischen Weinstil. S\u00fc\u00dfe und \u00fcberm\u00e4chtiger Alkohol war pl\u00f6tzlich weitgehend verp\u00f6nt und quasi als \u00dcberreaktion auf den Skandal waren d\u00fcnne W\u00e4sserchen mit unreifer S\u00e4ure en vogue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz solcher Irrwege war diese Zeit extrem spannend und lehrreich. Alles war in Bewegung, vieles m\u00f6glich, und ich gerade dabei das Weinverkosten zu erlernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens Anfang der 1990er &#8222;normalisierte&#8220; sich der Stil der Wei\u00dfen, und trockene,\u00a0ausgewogen-elegante Weine aus reifem, aber nicht \u00fcberreifem Traubenmaterial beherrschten das Bild. Bei den Roten waren die gravierendsten Meilensteine zur Qualit\u00e4tsverbesserung (Ertrag, G\u00e4rmethoden, S\u00e4ureabbau) gemeistert und die Feinabstimmung voll in Gang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Zeit haben wir &#8211; meine Eltern und ich &#8211; in Sachen Wein zu uns gefunden,\u00a0erst bei den Wei\u00dfweinen und mit etwas Zeitverz\u00f6gerung auch auch bei den Roten. Wir lieben elegante, &#8222;leise&#8220; Weine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Seither versuchen wir im wesentlichen diesem, unserem stilistischen Ideal so nahe wie m\u00f6glich zu kommen, ganz egal welche Herausforderungen der Jahrgang auch mit sich bringt. Dabei sind wir nat\u00fcrlich nicht stehen geblieben. Um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, aber auch weil es ein spannender Teil des Berufes ist, muss man als Weinbauer mit Ver\u00e4nderungen umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ge\u00e4ndert hat sich viel in den letzten Jahren, sehr viel. Immer kr\u00e4ftiger wurde die Weinmode, intensiver, alkoholischer und gerne auch ein paar Gramm rests\u00fc\u00df (was das moderne Bezeichnungsrecht als &#8222;trocken&#8220; durchgehen l\u00e4\u00dft). Weine mit 14, ja 15 Prozent Alkohol sind seit ein paar Jahren im Premiumbereich keine Seltenheit, <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2211\">und daran ist nicht (nur) der Klimawandel schuld<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re ich polemisch, w\u00fcrde ich sagen, der medial \u00fcberwiegend transportierte Weinstil ist dem der fr\u00fchen 80er-Jahre nicht un\u00e4hnlich, wenngleich nat\u00fcrlich auf wesentlich h\u00f6herem Qualit\u00e4tsniveau. Und als ob sich die Geschichte tats\u00e4chlich als Farce wiederholen w\u00fcrde, gibt es auch schon eine Gegenreaktion: Hellfarbig, karg und s\u00e4uregepr\u00e4gt kommt die neue Rotweinavantgarde ins Glas, von Terti\u00e4r- statt Traubenaromen dominiert und anstrengend der \u00a0maischevergoren-gerbstoffige Wei\u00dfweinzeitgeist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Sache ist weder der neue Mainstream noch die elit\u00e4re Nische. Also habe ich zwar manches ausprobiert (und werde das nat\u00fcrlich auch weiterhin tun), nutze es aber &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur um meinen Stil, mein Verst\u00e4ndnis von Eleganz noch pointierter in die Flasche zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Weine sind nicht von \u00fcberreif-kitschiger Frucht und massivem Holzeinsatz gepr\u00e4gt, nicht von \u00fcppig-alkoholischer S\u00fc\u00dfe und anstrengender Imposanz. Sie sind aber auch nicht minimalistisch-rauh, voller (pseudo-)intellektueller Ecken und Kanten, die mir den Trinkgenuss letztlich genauso verleiden wie 15 Prozent Alkohol. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Potential und Trinkvergn\u00fcgen, Tiefgang und Eleganz, Herkunftstypizit\u00e4t und Harmonie keine Gegens\u00e4tze sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spektakul\u00e4r ist dieser balancierte Mittelweg nat\u00fcrlich nicht, und dementsprechend f\u00e4llt auch oft die Beurteilung in den Weinmedien und unter Weinfreaks aus: Meist sehr gute Beschreibungen von Weingut und\/oder Weinen, als Fazit aber fast immer nur brave Punkte im soliden Mittelfeld. Aktuell zum Beispiel im (von mir durchaus gesch\u00e4tzten) Guide <a href=\"https:\/\/at.gaultmillau.com\/\">Gault Millau<\/a>:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Bernhard Fiedler&#8230;f\u00fchrt das&#8230;Weingut&#8230;in M\u00f6rbisch in einer stimmigen Kombination aus moderner Technik und traditionellen Verfahren. Seine ausgewogenen, klar strukturierten Weine haben stets gro\u00dfe Eleganz. Sie geh\u00f6ren nie zu den lauten in der Region, sondern vereinen vielmehr Finesse mit Charakter.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Treffender und besser geht kaum. Und dann folgen mehrmals solide 16,5 und 16 Punkte f\u00fcr die Weine, w\u00e4hrend Vertreter beider oben erw\u00e4hnter Extreme 18 und mehr einheimsen&#8230;<\/p>\n<p>Fr\u00fcher hat mich so etwas ge\u00e4rgert. Rein pers\u00f6nlich, nicht weil es den Verkauf unsere Weine betrifft, der spielt sich ohnehin weitgehend au\u00dferhalb der Weinfreaks im engeren Sinne ab. Mittlerweile bin ich aber lange genug Teil des Weinzirkus um die Show und ihre Mechanismen zu verstehen. Und mich zwischen\u00a0den St\u00fchlen\u00a0eigentlich recht wohlzuf\u00fchlen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie in (fast) allen Lebensbereichen gibt es auch im Weingeschmack Trends und Moden. 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