{"id":655,"date":"2008-09-08T20:51:20","date_gmt":"2008-09-08T19:51:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=655"},"modified":"2008-09-09T09:27:53","modified_gmt":"2008-09-09T08:27:53","slug":"es-wird-nie-soviel-gelogen-wie-vor-der-weinlese-wahrend-des-krieges-und-nach-der-jagd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=655","title":{"rendered":"Es wird nie soviel gelogen wie vor der Weinlese, w\u00e4hrend des Krieges und nach der Jagd"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4tte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_von_Bismarck\">Otto von Bismarck<\/a> mehr mit Winzern zu tun gehabt, h\u00e4tte er es bestimmt so formuliert (und nicht vor der Wahl statt vor der Weinlese gesagt, was aber angesichts des <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/neuwahlen\/index.do\">derzeitigen Wahlkampfes<\/a> wohl auch stimmt).<\/p>\n<p>Die &#8222;Zuckergrade&#8220; der Trauben haben vor und w\u00e4hrend der Lese Hochsaison, aber auch sp\u00e4ter kommen keine Winzer-Weinbeschreibung, kaum ein Steckbrief und nur wenige Jahrgangsbeschreibungen ohne die Angabe der &#8222;Klosterneuburger Grade&#8220; aus.<\/p>\n<p>An sich ist das zwar durchaus nachvollziehbar, wenn man wei\u00df (oder <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=56\">hier<\/a> nachliest), dass der Zuckergehalt einer der wichtigsten Parameter f\u00fcr die Feststellung der Traubenreife (und noch dazu der am leichtesten me\u00dfbare) ist. <\/p>\n<p>Aber es birgt auch T\u00fccken im Detail und l\u00e4dt zur <del datetime=\"2008-09-08T18:45:38+00:00\">schamlosen \u00dcbertreibung<\/del> gro\u00dfz\u00fcgigen Aufrundung der Zahlen und damit der Traubenreife im Dienste des Marketings ein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Manche Winzer nehmen daher frei nach dem Motto &#8222;Traue nur jener Statistik, die du selbst <del datetime=\"2008-09-08T18:45:38+00:00\">gef\u00e4lscht<\/del> interpretiert hast&#8220; die Angaben von Kollegen grunds\u00e4tzlich nicht ernst, manche trauen zumindest den Angaben von einigen wenigen, meist eng befreundeten Weinbauern und einige wenige scheinen mittlerweile ihre eigenen Fantasieangaben in Sachen Zuckergehalt selbst f\u00fcr wahr zu halten.<\/p>\n<p><strong>Winzer-Fetisch &#8222;20 Grad&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Besonders beliebt sind 20\u00b0KMW als Angabe des Zuckergehaltes bei der Ernte, einer sch\u00f6nen runden Zahl und, zumindest Insidern bekannt, dem bei vielen Sorten mehr oder weniger h\u00f6chsten m\u00f6glichen Wert ohne Einschrumpfung mit oder ohne Edelf\u00e4ule. <\/p>\n<p>Mi\u00dft man aber selbst solche Parzellen nach, vergleicht den Wert mit eigenen Erfahrungen (bei gleich niedrigem Ertrag, gleich hoher Laubwand etc.) oder wei\u00df \u00fcber die Verwendung von Zucker oder Mostkonzentration zur <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=558\">Aufbesserung<\/a> in diesen Betrieben Bescheid, scheinen Werte zwischen 17 und 19\u00b0KMW weit realistischer.<\/p>\n<p>Aber nicht alle auffallend hohen Werte sind automatisch falsch. Gar nicht so selten werden Winzer (vor allem von Kollegen) auch zu Unrecht der \u00dcbertreibung beschuldigt:<\/p>\n<p><strong>Unglaublich, aber wahr<\/strong><\/p>\n<p>An sich sollte allen Weinbauern bekannt sein, dass Erziehungsform, Rebschnitt, Laubarbeit, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und nat\u00fcrlich das Ertragsniveau einen enormen Einflu\u00df auf den Reifeverlauf der Trauben haben. Deswegen arbeiten sie ja von J\u00e4nner bis zur Ernte im Weingarten.<\/p>\n<p>Trotzdem wollen viele konservative Vertreter unserer Zunft nicht immer einsehen, dass eine Ver\u00e4nderung des einen oder anderen Faktors eine deutliche Verbesserung bringen k\u00f6nnte und arbeiten stattdessen nach dem gewohnten Schema F.<\/p>\n<p>Das kann dazu f\u00fchren, dass ihre Trauben am Ende (wenn \u00fcberhaupt) deutlich sp\u00e4ter reif werden, als die von Winzern mit h\u00f6herer Laubwand, einer besseren Wasserversorgung, mehr jungem Blattwerk von Geiztrieben, etc.<\/p>\n<p>Konfrontiert man solche Winzer mit Reifeanalysen, die zum selben Zeitpunkt bei der gleichen Sorte ein oder zwei Zuckergrade mehr diagnostizieren, steht man schnell als L\u00fcgner da. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf kommt es in Folge oft zu einem weiteren Trugschlu\u00df:<\/p>\n<p><strong>V\u00f6lliges Unverst\u00e4ndnis<\/strong><\/p>\n<p>Da ein Reifevorsprung in der Regel auch zu einer fr\u00fcheren Weinlese f\u00fchrt (f\u00fchren mu\u00df), ernten Betriebe mit reifef\u00f6rdernder Bewirtschaftung zum Teil deutlich fr\u00fcher als andere. Dazu kommt noch, dass sie meist ein besseres (und &#8222;moderneres&#8220;) Verst\u00e4ndnis von Wein haben und auch die Zusammenh\u00e4nge zwischen Trauben(reife) und Wein(qualit\u00e4t) besser verstehen.<\/p>\n<p>Aus der Sicht des qualit\u00e4tsorientierten Winzers ergibt sich also oft folgendes Bild: Seine Trauben sind deutlich fr\u00fcher reif, und um f\u00fcr manche Weintypen unn\u00f6tig hohe (und altmodische) Alkohol- bzw. Restzuckerwerte zu vermeiden und\/oder keine bei Rotweinen und trockenen Wei\u00dfen qualit\u00e4tsmindernde Botrytis zu riskieren erntet er sie mehr oder weniger fr\u00fch und trotzdem reif.<\/p>\n<p>F\u00fcr den verst\u00e4ndnislosen Berufskollegen sieht es aber mitunter so aus: Gerade die Betriebe, die immer wieder von Qualit\u00e4t reden ernten ihre Trauben &#8211; wenn er seine eigenen Reifemessungen als Anhaltspunkt nimmt &#8211; viel zu fr\u00fch. Er hingegen wartet lange genug zu und kann am Ende tats\u00e4chlich Trauben mit 20\u00b0 oder mehr einfahren.<\/p>\n<p>Das diese nur durch eine botrytisbedingte Schrumpfung samt entsprechendem Mengenverlust so s\u00fc\u00df geworden sind, k\u00fcmmert ihn nicht. Und das sich f\u00fcr seinen fruchtaromalosen \u00fcppigen Wei\u00dfwein und seinen braunen Roten kaum jemand interessiert liegt sicher nur am Marketing der anderen. Und nicht an den eigenen Trauben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4tte Otto von Bismarck mehr mit Winzern zu tun gehabt, h\u00e4tte er es bestimmt so formuliert (und nicht vor der Wahl statt vor der Weinlese gesagt, was aber angesichts des derzeitigen Wahlkampfes wohl auch stimmt). Die &#8222;Zuckergrade&#8220; der Trauben haben vor und w\u00e4hrend der Lese Hochsaison, aber auch sp\u00e4ter kommen keine Winzer-Weinbeschreibung, kaum ein Steckbrief &#8230; <a title=\"Es wird nie soviel gelogen wie vor der Weinlese, w\u00e4hrend des Krieges und nach der Jagd\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=655\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Es wird nie soviel gelogen wie vor der Weinlese, w\u00e4hrend des Krieges und nach der Jagd\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-655","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/655","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=655"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/655\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}