{"id":6491,"date":"2016-09-04T11:12:44","date_gmt":"2016-09-04T09:12:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=6491"},"modified":"2016-09-04T11:12:44","modified_gmt":"2016-09-04T09:12:44","slug":"zuckerwettstreit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=6491","title":{"rendered":"Zuckerwettstreit"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-6511 size-full\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Jerzy-Bin_B011970-bearbeitet.jpg\" alt=\"Foto: Jerzy Bin\" width=\"508\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Jerzy-Bin_B011970-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Jerzy-Bin_B011970-bearbeitet-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl,<br \/>\n<\/em><em>w\u00e4hrend des Krieges und nach der Jagd.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_von_Bismarck\">Bismarck<\/a> nicht Politiker (und J\u00e4ger?) gewesen, sondern Weinbauer in der heutigen Zeit, w\u00fcrde dieser Spruch (<a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Otto_von_Bismarck#F.C3.A4lschlich_zugeschrieben\">der wahrscheinlich gar nicht von ihm selbst stammt<\/a>) wohl anders lauten. Die Zeit der Traubenreife und der Weinlese pa\u00dft n\u00e4mlich auch wunderbar in diese Aufz\u00e4hlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis in die 1980er-Jahre unterschied sich die Reife der Trauben der verschiedenen Weinbauern in unserer Region kaum. Alle Weing\u00e4rten wurden nach dem gleichen System bewirtschaftet, die Ertr\u00e4ge waren \u00fcberall \u00e4hnlich hoch und die Lese wurde bis zur \u00dcberreife und beginnendem Botrytisbefall hinausgeschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Traubenreife, sprich die Zuckergrade, hochzul\u00fcgen war damals kein gro\u00dfes Thema. Den Kunden w\u00e4re es egal gewesen, und den Weinbauernkollegen gegen\u00fcber ziemlich sinnlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit zunehmender Qualit\u00e4tsorientierung \u00e4nderte sich jedoch die Bewirtschaftung und damit der Reifeverlauf. Niedrigere Ertr\u00e4ge, intensivere und\/oder bewu\u00dftere Laubarbeiten, h\u00f6here Laubw\u00e4nde, Begr\u00fcnungssysteme, reifef\u00f6rdernde Unterlagsreben und ertragsschw\u00e4chere Klone lassen die Trauben fr\u00fcher reifen und bringen h\u00f6here Zuckergrade. Und weil diese Ma\u00dfnahmen nicht \u00fcberall oder zumindest nicht \u00fcberall gleichzeitig und gleich konsequent umgesetzt werden, kann heute zwischen zwei benachbarten Weing\u00e4rten mit der gleichen Sorte ein Reifeunterschied von mehreren Wochen liegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Zusammenhang ist offenbar selbst Weinbauernkollegen nicht immer bewu\u00dft. Deshalb wird man von manchen f\u00fcr einen L\u00fcgner gehalten oder sogar ein solcher genannt, wenn man von den vergleichsweise hohen Zuckergraden seiner Trauben spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir wurde das zum ersten Mal bewu\u00dft, als wir Anfang September 1993 sehr ausgiebig unsere Weing\u00e4rten beprobt (was bei vielen bis heute nicht \u00fcblich ist), und die gemessenen Zuckergrade im Ort ver\u00f6ffentlicht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was als Orientierungshilfe f\u00fcr die Kollegen gedacht war, brachte uns (nicht nur, aber doch in gro\u00dfem Ausma\u00df) den Vorwurf der Sch\u00f6nf\u00e4rberei ein. Ohne das ich genau wei\u00df warum f\u00fchrt unsere Bewirtschaftungsweise n\u00e4mlich offensichtlich dazu, dass unsere Trauben\u00a0vergleichsweise fr\u00fch mit der Zuckereinlagerung beginnen. Dementsprechend hoch und f\u00fcr manche unglaubw\u00fcrdig sind die Werte dann zwei Wochen vor der Lese im Vergleich zu anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seither hat sich einiges ver\u00e4ndert. L\u00e4ngst stehen wir mit unseren Zahlen nicht mehr alleine da, und manche von denen mit weniger bzw. sp\u00e4ter reifen Trauben (was \u00fcbrigens bei entsprechend angepa\u00dftem Lesetermin kein Nachteil sein mu\u00df) legen im Gespr\u00e4ch unter Kollegen wohl lieber selbst ein oder zwei Grade zu ihren Me\u00dfwerten dazu, als die anderen der L\u00fcge zu bezichtigen.\u00a0So hat sich geradezu eine Art Wettlauf um die h\u00f6chsten Zuckerwerte und den fr\u00fchesten Lesebeginn entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem versuche ich mich mittlerweile so\u00a0gut wie m\u00f6glich zu entziehen und runde deshalb im Gespr\u00e4ch mit Weinbauern jenseits des engsten Freundeskreises lieber ein wenig ab, statt wie andere gro\u00dfz\u00fcgig auf. Schlie\u00dflich sind die Unterschiede bei der Lese selbst\u00a0dann oft gar nicht so gro\u00df, denn unsere Trauben stellen nach meiner langj\u00e4hrigen Beobachtung die Zuckereinlagerung relativ fr\u00fch ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gradationen von 21 oder mehr KMW (bei gesunden, nicht \u00fcberreifen Trauben), von denen auch glaubw\u00fcrdige Kollegen manchmal berichten, w\u00fcrden meine Reben selbst dann nicht bringen, wenn ich mit der Lese bei perfektem Herbstwetter bis in den November warten w\u00fcrde. Dementsprechend schwer f\u00e4llt es mir, an das jahrgangsunabh\u00e4ngige und fl\u00e4chendeckende Auftreten solch hoher Werte zu glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in der vierteiligen Serie &#8222;<a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2211\">Alkoholzunahmi<\/a>&#8220; vor ein paar Jahren bin ich nach wie vor der Meinung, dass die heute weit verbreiteten hohen Alkoholwerte nicht immer\u00a0\u00a0mit den Zuckergraden der entsprechenden Trauben bei der Lese korrelieren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, w\u00e4hrend des Krieges und nach der Jagd. W\u00e4re Bismarck nicht Politiker (und J\u00e4ger?) gewesen, sondern Weinbauer in der heutigen Zeit, w\u00fcrde dieser Spruch (der wahrscheinlich gar nicht von ihm selbst stammt) wohl anders lauten. Die Zeit der Traubenreife und der Weinlese pa\u00dft n\u00e4mlich auch wunderbar &#8230; <a title=\"Zuckerwettstreit\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=6491\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Zuckerwettstreit\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-6491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6491"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6515,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6491\/revisions\/6515"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}