{"id":643,"date":"2008-08-19T22:19:22","date_gmt":"2008-08-19T21:19:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=643"},"modified":"2008-08-19T22:51:27","modified_gmt":"2008-08-19T21:51:27","slug":"pedologische-sprachverwirrung-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=643","title":{"rendered":"Pedologische Sprachverwirrung (4)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die K\u00f6rnchengr\u00f6\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Der Hauptbestandteil jedes Bodens sind Mineralk\u00f6rnchen verschiedener Gr\u00f6\u00dfenordnung. Unter 0,002 mm spricht man dabei von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tonminerale\">Ton<\/a>, zwischen 0,002 und 0,063 mm von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schluff\">Schluff<\/a> und zwischen 0,063 und 2 mm von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sand\">Sand<\/a>. (Dar\u00fcber spricht man von Kies, Steinen, Ger\u00f6ll etc.)<\/p>\n<p>Je nach Anteil der einzelnen Fraktionen bezeichnet man B\u00f6den nach ihrer K\u00f6rnchengr\u00f6\u00dfe z.B. als sandigen Ton, als tonigen Sand, etc. aber auch als Lehm bzw. lehmigen Sand etc., wobei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lehm\">Lehm<\/a> an sich eine Art Mittelstellung zwischen Sand, Ton und Schluff einnimmt.<\/p>\n<p>In manchen F\u00e4llen gibt es einen relativ engen Zusammenhang zwischen <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=637\">Ausgangsmaterial<\/a>, <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=582\">Entstehungsgeschichte<\/a> und K\u00f6rnchengr\u00f6\u00dfe (der schluffreiche <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L%C3%B6ss\">L\u00f6ss<\/a> ergibt nat\u00fcrlich schluffige B\u00f6den). Meist ist die Gr\u00f6\u00dfenverteilung der Mineralpartikel aber relativ unabh\u00e4ngig von den beiden anderen Bodencharakteristika und es gibt daher z.B. sehr sandige <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwarzerde\">Schwarzerden<\/a> ebenso wie stark lehmige oder gar tonhaltige.<\/p>\n<p>Die Anteile der einzelnen Partikelgr\u00f6\u00dfen und deren besondere Eigenarten (z.B. der Aufbau der Tonminerale) haben einen wesentlichen Einflu\u00df auf die Wasser- und N\u00e4hrstoffspeicherf\u00e4higkeit des Bodens und damit auf dessen Bearbeitbarkeit und auf Weinqualit\u00e4t -stil. Dar\u00fcber hinaus ist die K\u00f6rnchenverteilung f\u00fcr die Durchl\u00fcftung des Bodens enorm wichtig und damit indirekt auch f\u00fcr dessen Temperatur. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Leichte B\u00f6den haben Vor- und Nachteile<\/strong><\/p>\n<p>Ein sandiger Boden weist zwischen den relativ groben Sandk\u00f6rnern verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Poren auf (weshalb er auch &#8222;leichter&#8220; Boden genannt wird). Die leiten Wasser zwar gut ab, k\u00f6nnen es aber nur schlecht speichern. Niederschl\u00e4ge dringen also relativ schnell zu den Wurzeln (was manchmal ein Vorteil ist, und manchmal ein Nachteil), ohne Wassernachschub trocknet der Boden aber auch schnell aus.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Poren bewirken eine sehr gute Durchl\u00fcftung des Bodens. Das f\u00fchrt z.B. dazu, dass die von der Fr\u00fchlingssonne erw\u00e4rmte Luft besser in den Boden eindringen kann und mithilft, ihn zu erw\u00e4rmen. Die h\u00f6here Bodentemperatur f\u00fchrt zu einem fr\u00fcheren Austrieb der Reben (mit allen Vor- und Nachteilen) und zu einer fr\u00fcheren Reife, wenn sie nicht durch Wassermangel gebremst wird.<\/p>\n<p>Aufgrund der h\u00f6heren Temperatur und der schlechteren Wasserversorgung haben Weine von sehr sandigen B\u00f6den oft einen deutlich niedrigeren S\u00e4ure- und manchmal auch einen niedrigeren Extraktgehalt.<\/p>\n<p>Die gute Durchl\u00fcftung von sandigen B\u00f6den bewirkt auch einen rascheren Abbau von organischer Substanz. Leichtere B\u00f6den haben daher auch einen niedrigeren Humusgehalt (\u00fcber den ich ein eigenes Kapitel schreiben werde).<\/p>\n<p><strong> Schwere B\u00f6den ebenso<\/strong><\/p>\n<p>B\u00f6den mit hohem Tonanteil sind aufgrund der kleinen Einzelbestandteile sehr dicht gepackt. Deshalb hei\u00dfen sie auch &#8222;schwere&#8220; B\u00f6den und weisen wesentlich kleinere Poren auf, als sandige B\u00f6den. Diese Poren k\u00f6nnen dank der Kapillarwirkung gut Wasser speichern und auch noch nach l\u00e4ngeren Trockenperioden den Rebwurzeln zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Schwere B\u00f6den sind aber schlechter durchl\u00fcftet und weisen eine schlechte Wasserableitung auf, was besonders in regenreichen Jahren zum Problem werden kann. Der geringere Luftaustausch zwischen Boden und Luft und der h\u00f6here Wasseranteil f\u00fchren auch dazu, dass sich ein sehr toniger Boden im Fr\u00fchjahr langsamer erw\u00e4rmt und damit die Vegetation verz\u00f6gert.<\/p>\n<p>Tonminerale k\u00f6nnen sehr viel mehr N\u00e4hrstoffe in ihre Struktur einlagern und bei Bedarf an die Wurzeln abgeben, als Sandk\u00f6rner. Dieses Plus an Mineralstoffen und die gute Wasserversorgung machen Weine von schwereren B\u00f6den meist extrakt-, s\u00e4ure- und tanninreicher.<\/p>\n<p>In manchen F\u00e4llen kann das aber auch zu Lasten von Eleganz und Feinheit gehen. Au\u00dferdem f\u00f6rdern schwere B\u00f6den das Rebwachstum, was zu \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Triebwachstum, \u00dcberertr\u00e4gen und in Folge zu Reifeproblemen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Unter besonderen Umst\u00e4nden k\u00f6nnen die Tonminerale manche N\u00e4hrstoffe aber auch so fest an sich binden, dass sie nicht von den Wurzeln aufgenommen werden k\u00f6nnen. Die Reben zeigen dann Mangelerscheinungen, obwohl die Bodenuntersuchung einen ausreichend hohen Gehalt an z.B. Kalium ausweist.<\/p>\n<p>Schwere B\u00f6den sind schwieriger zu bearbeiten, als sandige. In manchen F\u00e4llen spricht man sogar von &#8222;Minutenb\u00f6den&#8220;, weil die Zeitspanne, in der sie weder zu na\u00df noch zu trocken f\u00fcr eine Lockerung sind sehr kurz ist. <\/p>\n<p>Sind tonreiche B\u00f6den zu feucht, f\u00fchrt ein Befahren zu Verdichtungen im Unterboden, die das Wurzelwachstum und damit die Reben behindern. Au\u00dferdem verklumpen sie bei der Bearbeitung und einmal getrocknet, sind die groben Schollen nur durch den (Winter)Frost oder durch zus\u00e4tzliche (und nicht immer bodenschonende) Bearbeitungsg\u00e4nge wieder aufzubrechen.<\/p>\n<p>Ist ein Tonboden aber hingegen (oberfl\u00e4chlich) gr\u00fcndlich ausgetrocknet, wird er so hart, dass er nicht mehr mit vertretbarem Aufwand zu lockern ist. Das erschwert eine jahrgangsangepa\u00dfte Bodenbearbeitung, weil man schon vorher (solange der Boden noch bearbeitbar ist) wissen m\u00fc\u00dfte, ob es nachher trocken wird, oder ob es ohnehin ausreichend regnet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=626\">Hier<\/a> geht\u00b4s zu Teil 1 mit den Links zu allen Beitr\u00e4gen dieser Serie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00f6rnchengr\u00f6\u00dfe Der Hauptbestandteil jedes Bodens sind Mineralk\u00f6rnchen verschiedener Gr\u00f6\u00dfenordnung. Unter 0,002 mm spricht man dabei von Ton, zwischen 0,002 und 0,063 mm von Schluff und zwischen 0,063 und 2 mm von Sand. (Dar\u00fcber spricht man von Kies, Steinen, Ger\u00f6ll etc.) Je nach Anteil der einzelnen Fraktionen bezeichnet man B\u00f6den nach ihrer K\u00f6rnchengr\u00f6\u00dfe z.B. als &#8230; <a title=\"Pedologische Sprachverwirrung (4)\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=643\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Pedologische Sprachverwirrung (4)\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-643","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=643"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/643\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}