{"id":5901,"date":"2014-09-13T22:51:38","date_gmt":"2014-09-13T21:51:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5901"},"modified":"2014-09-14T13:37:28","modified_gmt":"2014-09-14T12:37:28","slug":"schoenfaerberei-und-panikmache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5901","title":{"rendered":"Sch\u00f6nf\u00e4rberei und Panikmache"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/welschrieslingtraube-mit-botrytis-2007-1.jpg\" alt=\"Welschriesling-Traube mit massivem Botrytisbefall\" width=\"203\" height=\"271\" \/><\/p>\n<p>2014 stellt uns Weinbauern nicht nur in Weingarten und Keller vor gro\u00dfe Herausforderungen, sondern auch in der Kommunikation. Wie kann man die derzeitige Lage und ihre m\u00f6glichen Auswirkungen auf das sp\u00e4tere Endprodukt erkl\u00e4ren, ohne auf dem schmalen Grat zwischen Sch\u00f6nf\u00e4rberei und Panikmache auszurutschen?<\/p>\n<p>Auf der einen Seite droht der Verlust jeglicher Glaubw\u00fcrdigkeit angesichts des auch f\u00fcr Laien nachvollziehbar miserablen (Sp\u00e4t-)Sommerwetters. Und auf der anderen ein ungerechtfertigt pauschales Negativimage der eigenen Produkte, von deren Verkauf man ja schlie\u00dflich lebt, und von denen es auch 2014 ganz sicher solche geben wird, die man mit Genuss und Freude trinken kann.<\/p>\n<p>Umso bemerkenswerter sind daher die folgenden Aussagen:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Viele Winzer haben bereits mit Noternten begonnen. Damit die Trauben nicht verfaulen, werden sie jetzt geerntet, auch wenn sie noch nicht ganz reif sind&#8230;Bei den Fr\u00fchsorten wie M\u00fcller-Thurgau, Roter Veltliner und Muskat-Ottonell erwarten sich die Winzer nicht mehr viel. Auch f\u00fcr die Roten St. Laurent, Zweigelt und Blaufr\u00e4nkisch d\u00fcrfte es kein guter Jahrgang mehr werden&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Willi Klinger, Chef der <a href=\"http:\/\/www.oesterreichwein.at\/\">\u00f6sterreichischen Weinwerbung<\/a>\u00a0(\u00d6WM) <a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/387178\">im Radio \u00d61<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es bietet sich ein schreckliches Bild und es gibt nur noch die Hoffnung, die restlichen guten Beeren so schnell wie m\u00f6glich in den Keller zu holen um zumindest einfache Trinkweine keltern zu k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weinbauernkollege Josef Umathum <a href=\"http:\/\/www.umathum.at\/weintagebuch\">auf seiner Website<\/a><\/p>\n<p>Auch ich habe <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5887\">hier<\/a> in den Kommentaren schon relativ deutliche Worte gefunden und doch m\u00f6chte ich nicht, dass der Eindruck entsteht, der Jahrgang 2014 w\u00fcrde ungenie\u00dfbar werden.<\/p>\n<p>Ja, wir sind nicht mit dem Wetter und den Trauben zufrieden. Es stimmt, dass sie (zum Teil deutlich) nicht so reif sind, wie wir das seit vielen Jahren gewohnt sind und wie wir das gerne h\u00e4tten. Und dass das viele Wasser die Inhaltsstoffe der Trauben wohl verd\u00fcnnt hat. Es ist auch davon auszugehen,\u00a0dass die praktisch nicht mehr komplett vermeidbare F\u00e4ulnis Auswirkungen auf Aroma, Geschmack und Lagerf\u00e4higkeit der Weine haben wird. Und ja, <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=558\">Aufbesserung<\/a> und <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=716\">Ents\u00e4uerung<\/a> sowie die eine oder andere sonstige weingesetzlich genau definierte Behandlung (z.B. Enzyme, um die Farbextraktion bei den Rotweinsorten zu verbessern) wird heuer ein deutlich gr\u00f6\u00dferes Thema sein, als sonst.<\/p>\n<p>Es stimmt aber auch, dass wir mit einer rechtzeitigen und sorgf\u00e4ltigen Ernte von Hand wesentlich besseres Ausgangsmaterial in den Keller bekommen als an den Rebst\u00f6cken h\u00e4ngt. Dass bei solider Weingartenbewirtschaftung das ganze Jahr hindurch Sorten wie Gr\u00fcner Veltliner und Muskat Ottonel mit ihrer Reife beinahe dort sind, wo sie sein sollten. Dass wir eine spannende Ausgangssituation f\u00fcr qualitativ hochwertige Pr\u00e4dikatsweine haben. Und dass der Blaufr\u00e4nkisch noch stabil genug sein d\u00fcrfte, um vielleicht auf eine gute geschmackliche Reife warten zu k\u00f6nnen (wiewohl die Substanz f\u00fcr h\u00f6here Weihen wohl fehlt).<\/p>\n<p>Die Ernte 2014 ist f\u00fcr uns Weinbauern anstrengend und m\u00fchsam. Es tut weh zu sehen, dass die Arbeit eines ganzen Jahres nicht den Abschlu\u00df findet, den man glaubt, sich daf\u00fcr verdient zu haben. Trotzdem, da bin ich mir sicher, wird es auch Weine geben, auf die wir stolz sein k\u00f6nnen. Nicht weil sie sich mit Spitzenjahrg\u00e4ngen messen k\u00f6nnen, aber weil ihre solide Mittelklassequalit\u00e4t 2014 eine wahre Spitzenleistung darstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2014 stellt uns Weinbauern nicht nur in Weingarten und Keller vor gro\u00dfe Herausforderungen, sondern auch in der Kommunikation. Wie kann man die derzeitige Lage und ihre m\u00f6glichen Auswirkungen auf das sp\u00e4tere Endprodukt erkl\u00e4ren, ohne auf dem schmalen Grat zwischen Sch\u00f6nf\u00e4rberei und Panikmache auszurutschen? 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