{"id":561,"date":"2008-04-20T23:32:45","date_gmt":"2008-04-20T22:32:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=561"},"modified":"2008-04-21T00:09:23","modified_gmt":"2008-04-20T23:09:23","slug":"prognosen-sind-immer-schwierig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=561","title":{"rendered":"Prognosen sind immer schwierig."},"content":{"rendered":"<p><strong>Besonders wenn sie die Zukunft betreffen!<\/strong><\/p>\n<p>Als vor zehn Jahren die Diskussionen rund um die Einf\u00fchrung einer herkunfts- statt sortenorientierten Weinbezeichnung in Form von DAC-Weinen (<a href=\"http:\/\/www.weinausoesterreich.at\/archiv\/2003\/fr_archiv.html\">hier<\/a> Presseaussendung 2\/2003 anclicken) in \u00d6sterreich ihren ersten H\u00f6hepunkt erreichten, wurde von den Bef\u00fcrwortern der Herkunftstypenweine ein ganz konkretes Weinbeispiel immer und immer wieder in die Schlacht geworfen:<\/p>\n<p>Die Billig-Weinmarke &#8222;Winzersteig&#8220; war damals aufgrund steigender Fa\u00dfweinpreise nach mehreren kleineren Ernten von \u00f6sterreichischen auf ungarische Weine umgestellt worden. So standen f\u00fcr (glaube ich) 19,90 Schilling (ca. 1,45 \u20ac) pl\u00f6tzlich Gr\u00fcner Veltliner und Blaufr\u00e4nkisch aus Ungarn im Supermarktregal, ohne das es den Konsumenten aufgefallen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nicht, dass die Weine falsch deklariert worden w\u00e4ren (Ungarn stand so klein wie legal m\u00f6glich auf dem (R\u00fcck)Etikett), aber die meisten Leute, die in dieser Preisklasse Wein einkaufen, gehen wohl davon aus, dass es Veltliner und Blaufr\u00e4nkisch nur in \u00d6sterreich gibt und setz(t)en daher durchaus nachvollziehbar Sorte mit Herkunftsland gleich.<\/p>\n<p>Dieses Ereignis kam den DAC-Bef\u00fcrworten gerade recht. Massen von billigem Gr\u00fcnen Veltliner und Blaufr\u00e4nkisch w\u00fcrden uns \u00fcberfluten, sobald Ungarn, Tschechien und die Slowakei Mitglieder der Europ\u00e4ischen Union w\u00e4ren. Von der Billigkonkurrenz aus dem Osten, die uns mit unseren eigenen <del datetime=\"2008-04-20T21:03:04+00:00\">Waffen<\/del> Sorten schlagen w\u00fcrde, war die Rede. In einem offiziellen Diskussionspapier hie\u00df es:<\/p>\n<blockquote><p>\u00d6sterreichische Weine, die in erster Linie unter den Rebsortenbezeichnungen Gr\u00fcner Veltliner, Welschriesling, Zweigelt oder Blaufr\u00e4nkisch vermarktet werden, geraten in Konkurrenz zu Weinen aus den \u00f6stlichen Reforml\u00e4ndern, welche diese Rebsortenweine sehr preisg\u00fcnstig produzieren und vermarkten k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die einzige M\u00f6glichkeit zur Gegenwehr l\u00e4ge in der Einf\u00fchrung von DAC-Weinen, die den nicht &#8222;kopierbaren&#8220; Herkunftsnamen vor den Sortennamen stellen. Punkt! <!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war dieses Argument schon damals falsch (was aber keinen der Bef\u00fcrworter von der Verwendung desselben abgehalten hat). Herkunftsbezeichnungen beim Wein sind nur glaubw\u00fcrdig, wenn sie hochwertig und kontrolliert sind. Und da sowohl Qualit\u00e4t wie auch Kontrolle Geld kostet, spielen seri\u00f6se Herkunftsweine niemals in der Billigschiene. <\/p>\n<p>Nicht umsonst haben die seither etablierten DAC-Weine Mindestpreise von f\u00fcnf Euro oder mehr und sprechen daher eine ganz andere Zielgruppe an, als &#8222;Winzersteig&#8220; und Konsorten. Jemand, der gewohnt ist um 1,50 Euro Wein zu kaufen, l\u00e4\u00dft sich auch durch die sch\u00f6nste Herkunftsangabe nicht dazu verleiten, ab sofort nur noch mindestens f\u00fcnf Euro auszugeben. Und er l\u00e4\u00dft sich ebensowenig davon abhalten, ungarischen Blaufr\u00e4nkisch oder tschechischen Veltliner zu kaufen, wenn es in seiner Preiskategorie keine \u00f6sterreichischen Pendants gibt.<\/p>\n<p><strong>10 Jahre sp\u00e4ter<\/strong><\/p>\n<p>Seit damals ist viel passiert. Schon ein paar Jahre nach diesen Krisenszenarien folgten einige gr\u00f6\u00dfere Ernten aufeinander und die heimische Weinwirtschaft hatte nicht mit Weinmangel sondern mit \u00dcbersch\u00fcssen zu k\u00e4mpfen. Der Fa\u00dfweinpreis f\u00fcr einfache Qualit\u00e4ten sank, der &#8222;Winzersteig&#8220; kam wieder aus \u00d6sterreich (was nicht unbedingt ein Renommee darstellt) und der Billig-Tankwein-Export wurde angekurbelt.<\/p>\n<p>Wohin? Ausgerechnet nach Tschechien, weil es daf\u00fcr Exportst\u00fctzungen der EU gab (solange Tschechien nicht selbst Mitglied war). Mit bis zu 21 Millionen Litern pro Jahr war unser n\u00f6rdlicher Nachbar damals unser zweitgr\u00f6\u00dfter Exportmarkt und diese Mengen trieben die heimische Weinexportmenge auf Rekordniveau.<\/p>\n<p>Einige kleinere Ernten und einen Wei\u00dfweinboom sp\u00e4ter exisitert dieser Billig-Export heute kaum noch. Im Moment sind wir mengenm\u00e4\u00dfig eher wieder in der Situation von 1998, aber obwohl der Export f\u00fcr unsere Nachbarstaaten nach ihrem EU-Beitritt heute viel einfacher w\u00e4re als vor zehn Jahren, ist weit und breit keine Ostwein-Schwemme zu sehen.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: Heute Nachmittag habe ich von einem ungarischen Winzerkollegen erfahren, dass er regelm\u00e4\u00dfig gar nicht so kleine Mengen Fa\u00dfwein im Burgenland einkauft, um ihn in Ungarn abzuf\u00fcllen und zu verkaufen. Auch die in Ungarn t\u00e4tigen heimischen Winzer berichten davon, dass sie ihren ungarischen Wein nicht oder kaum nach \u00d6sterreich exportieren, weil sie ihn in Ungarn (oder auch in anderen L\u00e4ndern) gut und zum Teil sogar teurer vermarkten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der slowakischen Hauptstadt Bratislava etabliert sich das n\u00f6rdliche Burgenland und das angrenzende nieder\u00f6sterreichische Gebiet Carnuntum als Ziel f\u00fcr Weineinkaufstouren. Anstatt uns billigen Blaufr\u00e4nkisch zu liefern kaufen die Slowaken offenbar mittlerweile gerne Wein in \u00d6sterreich. Und in Tschechien ist es kaum anders, wie die regen Aktivit\u00e4ten heimischer Winzer auf den Prager Weinmessen belegen.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise liegt das aber ja nur daran, dass Tschechen, Ungarn und Slowaken den \u00f6sterreichischen Veltliner irrt\u00fcmlich a la &#8222;Winzersteig&#8220; f\u00fcr tschechischen bzw. ungarischen bzw. slowakischen halten. In diesem Fall w\u00e4re eine Betonung der \u00f6sterreichischen Herkunft (z.B. durch die Einf\u00fchrung von DAC-Weinen) nat\u00fcrlich v\u00f6llig kontraproduktiv&#8230;<\/p>\n<p><em>Anmerkung:<br \/>\nDieser Kommentar dr\u00fcckt meine private Meinung als burgenl\u00e4ndischer Winzer aus. Sollten gewisse Pers\u00f6nlichkeiten aus der Weinbaupolitik wieder einmal von Informanten \u00fcber meine kritischen Ansichten informiert werden, sei ihnen versichert, da\u00df ich sehrwohl in der Lage bin, zwischen sachlicher, objektiver Information in Weinseminaren und privater Meinung in meinem eigenen Weblog und wo auch immer zu trennen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besonders wenn sie die Zukunft betreffen! 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