{"id":549,"date":"2008-04-07T21:27:10","date_gmt":"2008-04-07T20:27:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=549"},"modified":"2008-04-07T21:34:54","modified_gmt":"2008-04-07T20:34:54","slug":"agrarburokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=549","title":{"rendered":"Agrarb\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"<p>Heute habe ich unseren <em>Mehrfachantrag<\/em> abgegeben, mit dem wir seit 1995 j\u00e4hrlich die <em><a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=26\">\u00d6PUL<\/a><\/em>-F\u00f6rderung f\u00fcr die <em>KIP<\/em>, d.h. den kontrolliert naturnahen Weinbau beantragen. Und wie es sich f\u00fcr eine hochentwickelte <del datetime=\"2008-04-07T19:03:45+00:00\">B\u00fcrokratie<\/del> Verwaltungsstruktur geh\u00f6rt, hat dabei alles seinen (nicht immer verst\u00e4ndlichen) Namen und seine (oft nicht nachvollziehbare) Ordnung.<\/p>\n<p>Jedes Grundst\u00fcck und jede (F\u00f6rder)Ma\u00dfnahme wird von der f\u00fcr die Abwicklung zust\u00e4ndigen <a href=\"http:\/\/www.ama.at\/Portal.Node\/ama\/public?gentics.am=PCP&#038;p.contentid=10007.27113\">Agrarmarkt Austria<\/a> fein s\u00e4uberlich in einen vielseitigen Antrag vorgedruckt, der jedem Bauern in \u00d6sterreich per Post zugesandt wird.<\/p>\n<p>Dabei unterlaufen der AMA immer wieder Fehler, weshalb es ratsam ist, all die unz\u00e4hligen Grundst\u00fccks- und Gemeindenummern, Eigentumsverh\u00e4ltnisse, Fl\u00e4chen, Nutzungsarten und F\u00f6rdercodes zu \u00fcberpr\u00fcfen, auch wenn es (wie im Weinbau h\u00e4ufig) keinerlei \u00c4nderungen zum Vorjahr gibt.<\/p>\n<p>Auf den verschiedenen Papieren wimmelt es nur so von <em>WI<\/em>\u00b4s, von <em>AN<\/em>\u00b4s, <em>Rot-, Blau- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen<\/em>, von <em>WF<\/em>\u00b4s und <em>EW1<\/em>. Und die <em>GLP<\/em> ist nat\u00fcrlich ebenso zu beachten wie <em>GL\u00d6Z<\/em>, <em>INVEKOS<\/em>, <em>GIS<\/em> und jede Menge anderer T\u00fccken im Detail.<\/p>\n<p>Eigentlich bin ich in Sachen Agrarb\u00fcrokratie schon ein alter Hase. Seit der Basiserhebung aller landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen 1995 nach dem EU-Beitritt habe ich bis vor zwei Jahren die F\u00f6rderantr\u00e4ge von sechs oder sieben Betrieben abgewickelt, weil mich einige Bekannte um Hilfe gebeten haben.<\/p>\n<p>Trotzdem ist es mir bisher noch nie gelungen, unseren eigenen Antrag so auszuf\u00fcllen, dass der Angestellte der Landwirtschaftskammer, die als Abgabestelle fungiert, nichts daran auszusetzen hat. Kaum meint man, das System endlich durchschaut zu haben, taucht wieder eine bislang unbekannte oder neu eingef\u00fchrte Regel auf. So auch heute: <!--more--><\/p>\n<p>Durch Zufall wurde der Mann von der Landwirtschaftskammer n\u00e4mlich darauf aufmerksam, dass wir mehr als 0,5 ha Weingartenfl\u00e4che und zugleich auch mehr als 3 ha Gr\u00fcnland bewirtschaften. <\/p>\n<p>Dabei handelt es sich vor allem um ehemalige Weing\u00e4rten in Seen\u00e4he, die wir in den letzten Jahren gerodet haben und nicht mehr auspflanzen, weil wir uns auf die hochwertigeren Hanglagen konzentrieren wollen. Diese Fl\u00e4chen werden von uns nicht gen\u00fctzt, aber j\u00e4hrlich gemulcht, um sie als Feuchtwiesen (und Nahrungsquelle f\u00fcr Storch und Co.) zu bewahren und ein Verschilfen zu verhindern.<\/p>\n<p>Wie ich heute lernen durfte, f\u00e4llt man als Weinbaubetrieb \u00fcber 0,5 ha Weingartenfl\u00e4che aus einer Sonderregel f\u00fcr Gr\u00fcnland, wenn man mehr als 3 ha Wiesen bewirtschaftet. Unter 3 ha darf man die gesamte Gr\u00fcnlandfl\u00e4che mulchen, dar\u00fcber mu\u00df ein Teil der Wiesen tats\u00e4chlich gen\u00fctzt, d.h. entweder beweidet oder die Gr\u00fcnmasse gem\u00e4ht und abtransportiert werden. Warum das so ist, konnte mir leider niemand wirklich sagen.<\/p>\n<p>Da wir selbst keine Tiere besitzen, der Aufwand f\u00fcr das Wegbringen des Grases wirtschaftlich v\u00f6llig unsinnig und das M\u00e4hen \u00f6kologisch auch nicht zwingend besser ist, als das Mulchen stand ich also v\u00f6llig unverhofft vor einem Problem.<\/p>\n<p>Auch der Kammerbedienstete war mit seinem Latein am Ende und zog telefonisch seinen Vorgesetzten zu Rate, um den Sachverhalt ausf\u00fchrlich mit ihm zu diskutieren. Dabei kam mir gottseidank die rettende Idee.<\/p>\n<p>Zwei der Gr\u00fcnland-Parzellen sind eigentlich Teilst\u00fccke unseres Anteils am Neusiedlersee und zwar als Streuwiesen eingetragen, in Wirklichkeit aber Teil des Schilfg\u00fcrtels. Weil es 1995 f\u00e4lschlicherweise hie\u00df, es g\u00e4be auch daf\u00fcr F\u00f6rderma\u00dfnahmen, haben wir sie damals in den Antrag aufgenommen und seither als Karteileichen von Jahr zu Jahr mitgeschleppt.<\/p>\n<p>Was lag also n\u00e4her, als diese beiden Parzellen aus dem Antrag zu streichen und damit die Gr\u00fcnlandfl\u00e4che unter 3 ha zu dr\u00fccken um wieder in die Ausnahmeregelung zu fallen?<\/p>\n<p>Nachdem der Kammerbedienstete erneut telefonischen Rat eingeholt hatte, um festzustellen, ob eine L\u00f6schung \u00fcberhaupt zul\u00e4ssig ist, strichen wir die beiden Grundst\u00fccke aus allen Formularen und ich war der Meinung, damit alles erledigt zu haben. Aber weit gefehlt!<\/p>\n<p>Mit der Streichung waren die beiden Parzellen zwar aus unserem Antrag verschwunden, nicht jedoch aus unserer <em>digitalen Katastermappe<\/em>. Dieses Hilfsmittel dient dazu, die landwirtschaftlichen Grundst\u00fccke nicht nur nach den Angaben des Grundbuches und des Katasterplanes zu verwalten, sondern nach dem Ist-Zustand in freier Natur.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr werden die Grundst\u00fcckspl\u00e4ne mit speziell bearbeiteten Luftbildern abgeglichen, die jeden Weg, jede B\u00f6schung und jegliche Nutzung von fremdem Grund und Boden entlang der Grundst\u00fccksgrenze aufzeigen. So wird sichergestellt, dass nur exakt jene Fl\u00e4chen f\u00fcr F\u00f6rderma\u00dfnahmen beantragt werden, die auch tats\u00e4chlich bearbeitet bzw. bepflanzt werden.<\/p>\n<p>Also durfte ich nach Abschlu\u00df unseres <em>Mehrfachantrages<\/em> noch gemeinsam mit einer Sekret\u00e4rin zwei der Grundst\u00fccke im Computer zu l\u00f6schen, die wir erst vor drei Jahren in mehrst\u00fcndiger Arbeit gemeinsam bis auf den letzten Millimeter online vermessen und markiert haben.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass diese Daten nicht vom Weinbaukataster \u00fcbernommen werden, der die Auspflanzrechte verwaltet. Den erstellt ja schlie\u00dflich die Bezirkshauptmannschaft und nicht die AMA oder die Landwirtschaftskammer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute habe ich unseren Mehrfachantrag abgegeben, mit dem wir seit 1995 j\u00e4hrlich die \u00d6PUL-F\u00f6rderung f\u00fcr die KIP, d.h. den kontrolliert naturnahen Weinbau beantragen. Und wie es sich f\u00fcr eine hochentwickelte B\u00fcrokratie Verwaltungsstruktur geh\u00f6rt, hat dabei alles seinen (nicht immer verst\u00e4ndlichen) Namen und seine (oft nicht nachvollziehbare) Ordnung. Jedes Grundst\u00fcck und jede (F\u00f6rder)Ma\u00dfnahme wird von der &#8230; <a title=\"Agrarb\u00fcrokratie\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=549\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Agrarb\u00fcrokratie\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-549","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstige-weinberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=549"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/549\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}