{"id":51,"date":"2006-09-01T22:10:42","date_gmt":"2006-09-01T20:10:42","guid":{"rendered":"http:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=51"},"modified":"2007-08-12T20:45:21","modified_gmt":"2007-08-12T19:45:21","slug":"eine-sehr-erfreuliche-uberraschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=51","title":{"rendered":"Eine sehr erfreuliche \u00dcberraschung"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des feucht-k\u00fchlen Wetters der letzten Wochen war kaum ein Winzer besonders euphorisch. Die Trauben haben den Regen zwar weitgehend unbeschadet \u00fcberstanden, aber wie sehr die K\u00e4lte die Reife verz\u00f6gern w\u00fcrde, war schwer einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Vergleiche mit anderen Jahrg\u00e4ngen sind nur zu bestimmten Terminen seri\u00f6s zu treffen und das Auf und Ab des Jahres 2006 macht solche Einsch\u00e4tzungen besonders schwer. Die Bl\u00fcte im Juni war nach dem kalten Mai etwas versp\u00e4tet, der Beginn des Umf\u00e4rbens der Rotweinsorten war nach dem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Juli allerdings schon wieder etwas fr\u00fcher als in Normaljahren.<!--more--><\/p>\n<p>Nachdem ich in den letzten Wochen wenig in den Weing\u00e4rten war, war ich umso neugieriger, als ich gestern einige Lagen ausf\u00fchrlich begutachtet habe. Nicht nur, da\u00df die Trauben noch ges\u00fcnder sind, als erhofft, sie wirken sowohl optisch als auch geschmacklich relativ reif oder zumindest auf einem guten Weg dorthin.<\/p>\n<p>Heute gab es kein Halten mehr. Der (das?) Refraktometer wurde ausgepackt, um die ersten Zuckermessungen durchzuf\u00fchren. Dabei wird ein Safttropfen auf die Vorderseite des fernrohr\u00e4hnlichen Ger\u00e4tes aufgebracht, der beim Blick gegen die Sonne je nach Zuckergehalt die Lichtstrahlen unterschiedlich ablenkt. Im Inneren des Refraktometers kann man auf einer Skala den Zuckergehalt ablesen, in Grad <strong>K<\/strong>losterneuburger <strong>M<\/strong>ost<strong>w<\/strong>aage oder in Grad <strong>Oe<\/strong>chsle (in Deutschland gebr\u00e4uchlich, 5 \u00b0Oe entsprechen etwa 1 \u00b0KMW).<\/p>\n<p>F\u00fcr seri\u00f6se Messungen entnimmt man 200 Beeren aus einem Weingarten, bunt gemischt von Trauben auf der Sonnen- und solchen auf der Schattenseite, von St\u00f6cken mit mehr und solchen mit weniger Ertrag sowie vom Hang und vom Hangfu\u00df. Meine heutigen Blitzmessungen beruhen zwar nur auf etwa 50 Beeren pro Parzelle und auch der noch uneinheitliche Reifezustand der Trauben beeintr\u00e4chtigt die Me\u00dfgenauigkeit. Aber selbst, wenn ich um ein  Grad KMW zu viel gemessen h\u00e4tte (was sehr viel und eher unwahrscheinlich ist), w\u00e4ren meine Werte mehr als erfreulich.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend waren sie f\u00fcr uns allemal:<\/p>\n<ul>\n<li>Blauer Zweigelt, Riede Wieser: 16,5 &#8211; 17 \u00b0KMW<br \/>\n(sehr gute Lage, Traubenbehang ausged\u00fcnnt, ca. 8 Jahre alt)<\/li>\n<li>Pinot blanc, Riede Wieser: 16,5 &#8211; 17 \u00b0KMW<br \/>\n(sehr gute Lage, Traubenbehang ausged\u00fcnnt, ca. 28 Jahre alt)<\/li>\n<li>Pinot blanc, Riede Haderwald: 14,5 \u00b0KMW<br \/>\n(k\u00fchlere, sp\u00e4tere Lage, h\u00f6herer Ertrag, ca. 9 Jahre alt)<\/li>\n<li>Muskat Ottonel, Riede Satzwies\u00f6rter: 15 \u00b0KMW<br \/>\n(mittelfr\u00fche Lage in der Ebene, h\u00f6herer Ertrag, ca. 30 Jahre alt)<\/li>\n<li>Gr\u00fcner Veltliner, Riede Birnheide: 13,5 \u00b0KMW<br \/>\n(k\u00fchlere, sp\u00e4tere Lage, hoher Ertrag, ca. 5 Jahre alt)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dem Laien sagen diese Zahlen wahrscheinlich wenig. Zur Erkl\u00e4rung bedarf es daher folgender Angaben: Bei 15 \u00b0KMW beginnt nach dem Weingesetz der Bereich des Qualit\u00e4tsweines und ab etwa 16\u00b0KMW lassen sich in unseren Breiten tats\u00e4chlich bereits leichte (11%vol Alkohol), erfrischende Wei\u00dfweine keltern. In guten Jahrg\u00e4ngen ernten wir Zweigelt und Pinot blanc im Bereich zwischen 18 und 20 \u00b0KMW, Muskat zwischen 16,5 und knapp 18 \u00b0KMW und den Veltliner mit 16 bis 17 \u00b0KMW. Bedenkt man, da\u00df eine Septemberwoche mit trockenem, warmem (nicht hei\u00dfem!) Wetter eine Zuckerzunahme von 1 bis 2 \u00b0KMW bedeuten kann (je nach Lage, Ausgangswert und vor allem Traubenbehang), ist heuer trotz des schlechten Augustwetters qualitativ noch alles m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist der Zuckergehalt der Trauben nicht der einzige Faktor f\u00fcr die k\u00fcnftige Weinqualit\u00e4t. Daher st\u00fctzen wir uns bei der Bestimmung des Erntezeitpunktes nicht nur auf die Zuckermessung sondern auch auf die Messung des S\u00e4uregehaltes, den pH-Wert (eine andere Me\u00dfmethode f\u00fcr die S\u00e4ure) und nat\u00fcrlich den Geschmack und Gesundheitszustand der Trauben. Ab sofort beobachten wir diese Parameter zumindest w\u00f6chentlich, so wie es auch die Weinbauschule Klosterneuburg <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/bundesamt.weinobstklosterneuburg.at\/seiten\/index.php\/view.186\/service.true\/\">hier<\/a> und das Bundesamt f\u00fcr Weinbau in Eisenstadt <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.bawb.bmlfuw.gv.at\/\">hier<\/a> (unter Reifefortschritt 2006) in verschiedenen Weing\u00e4rten in allen Weinbaugebieten tun.<\/p>\n<p>Da der Reifeverlauf ganz wesentlich von der Sorgfalt der Weingartenbearbeitung und dem Ertragsniveau abh\u00e4ngt, hinken die Werte der &#8222;offiziellen&#8220; Reifeanalysen Jahr f\u00fcr Jahr mehr oder weniger deutlich hinter den Beobachtungen der qualit\u00e4tsorientierten Winzer hinterher. Auch ich habe in einer benachbarten Zweigeltparzelle mit hohem Ertrag und schlechter Laubarbeit weit niedrigere Zuckergehalte als in unserem Weingarten gemessen. Da dort noch nichteinmal alle Beeren vollst\u00e4ndig durchgef\u00e4rbt sind, schwankten meine Werte zwischen 10 und 14 \u00b0KMW.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Weing\u00e4rten sind wir nach den heutigen Stichproben auf jeden Fall guter Dinge. Wir rechnen mit einem &#8222;normalen&#8220; Erntebeginn rund um den 20. September. Hoffentlich stabilisert sich das Wetter und beschert uns Sonnenschein, Wind und Trockenheit bis zum 20. Oktober (oder l\u00e4nger \ud83d\ude09 ).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des feucht-k\u00fchlen Wetters der letzten Wochen war kaum ein Winzer besonders euphorisch. Die Trauben haben den Regen zwar weitgehend unbeschadet \u00fcberstanden, aber wie sehr die K\u00e4lte die Reife verz\u00f6gern w\u00fcrde, war schwer einzusch\u00e4tzen. 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