{"id":5046,"date":"2012-12-05T23:43:11","date_gmt":"2012-12-05T22:43:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5046"},"modified":"2012-12-05T23:50:20","modified_gmt":"2012-12-05T22:50:20","slug":"rauf-mit-den-ertragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5046","title":{"rendered":"Rauf mit den Ertr\u00e4gen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5047\" style=\"border: 0px;\" title=\"Vor dem Ausd\u00fcnnen\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Vor-dem-Ausd\u00fcnnen-bearbeitet.jpg\" alt=\"Vor dem Ausd\u00fcnnen\" width=\"508\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Vor-dem-Ausd\u00fcnnen-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Vor-dem-Ausd\u00fcnnen-bearbeitet-300x171.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Obwohl die gesetzliche Begrenzung der Erntemenge f\u00fcr Land- und Qualit\u00e4tswein bei ihrer Einf\u00fchrung vor vielen Jahren nicht unumstritten war, haben sie die\u00a0allermeisten Akteure der \u00f6sterreichischen Weinwirtschaft irgendwann akzeptiert und mit ihr leben gelernt. Vielleicht auch deshalb, weil die in allen Bereichen negativen Auswirkungen der Massenernten der\u00a0fr\u00fchen 1980er-Jahre noch in den K\u00f6pfen pr\u00e4sent waren.<\/p>\n<p>In letzter Zeit mehren sich allerdings wieder jene Stimmen, die ein \u00dcberdenken der aktuellen Regelung fordern. In Jahren mit gro\u00dfer Erntemenge, weil gute Qualit\u00e4ten zu (Tafel-)Wein abgewertet m\u00fcssen und nicht als Qualit\u00e4tswein vermarktet werden d\u00fcrfen. Und in kleinen Jahren, weil der Wein fehlt und man durch Ertragsreduktion vergebenen \u00dcberschussmengen der Ernte davor nachtrauert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Insider sind die diesbez\u00fcglichen \u00c4u\u00dferungen des renommierten Wachauer Winzer Emmerich Knoll in der aktuellen Print-Ausgabe der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.vinaria.at\/\">Vinaria<\/a> also nicht wirklich neu. Auffallend ist allerdings, dass sie derart \u00f6ffentlich und offensiv gemacht werden, denn\u00a0schlie\u00dflich ist das\u00a0Thema ziemlich heikel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Masse statt Klasse<\/strong><\/p>\n<p>Redet man h\u00f6heren Ertr\u00e4gen das Wort, landet man als Winzer schnell in der Schublade &#8222;Massenproduzent&#8220;. Lernt man doch auf dem Weg vom Gelegenheitstrinker zum ambitionierten Weinfreund schon ganz am Anfang, dass Menge und G\u00fcte einander ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Theoretisch ist es ja auch ziemlich simpel: Wenn ein Weinstock seine Energie &#8211;\u00a0in den Bl\u00e4ttern produzierter Zucker sowie Wasser und N\u00e4hrstoffe, die die Wurzeln aus dem Boden aufnehmen &#8211;\u00a0auf mehr Trauben verteilt, erh\u00e4lt jede einzelne von ihnen weniger davon. Die Trauben reifen sp\u00e4ter, enthalten weniger Zucker, weniger Aroma, weniger Farbe, weniger Tannin.<\/p>\n<p>Die Praxis allerdings ist selten so eindeutig, sondern meistens etwas komplizierter. So gibt es zum Beispiel hin und wieder Jahrg\u00e4nge, die uns Weinbauern hohe Qualit\u00e4t und \u00fcberdurchschnittliche Mengen bescheren. Und Ernten, die wenig und trotzdem nur bescheidenen Wein ergeben.<\/p>\n<p>Sind Rebkrankheiten, eine geringe Pflanzdichte (z.B. bei alten Weing\u00e4rten mit vielen Fehlstellen) oder Trockenstress die Ursache niedriger Hektarertr\u00e4ge, ist nicht mit einer guten Qualit\u00e4t zu rechnen. Pflegt der Winzer seine St\u00f6cke hingegen mit Liebe und Sorgfalt, sind Boden und Pflanzen gesund und die Reben nicht zu weit voneinander entfernt, nimmt die Qualit\u00e4t wegen ein paar Trauben mehr nicht gleich ab.<\/p>\n<p>Wei\u00dfwein verzeiht h\u00f6here Ertr\u00e4ge eher als Rotwein, und generell spielen auch die eigenen stilistischen Vorlieben eine gro\u00dfe Rolle, ob man h\u00f6here Ertr\u00e4ge als qualit\u00e4tsmindernd wahrnimmt. H\u00e4ngt man einem volumin\u00f6s-\u00fcppige Weinideal an, wird man auch den kleinsten Verlust an Kraft und Dichte durch h\u00f6here Ertr\u00e4ge bedauern. Mag man es hingegen lieber elegant und feingliedrig, kann man eine gr\u00f6\u00dfere Erntemenge sogar als positiv empfinden (wenn die Aroma- und Geschmacksreife der Trauben nicht daran gescheitert ist).<\/p>\n<p>Nicht wenige Winzer und Weininteressierte sehen h\u00f6here Ertr\u00e4ge sogar als probates Mittel gegen die klimawandelbedingte Reifeverfr\u00fchung und gegen (zu) hohe Alkoholwerte im Wein. Der st\u00e4rkere Behang k\u00f6nnte die Reife wieder nach hinten in den k\u00fchleren Herbst verschieben, wo man zuerst einen Teil der Trauben f\u00fcr\u00a0&#8222;normale&#8220; Qualit\u00e4ten und sp\u00e4ter aus dem gleichen Weingarten auch noch Spitzenweine ernten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Klasse und Masse?<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn man die Forderung nach einer Erh\u00f6hung der gesetzlichen H\u00f6chstertr\u00e4ge deshalb durchaus nachvollziehen kann, ist\u00a0trotzdem Vorsicht angebracht. Allen geschilderten Ausnahmen zum Trotz gilt n\u00e4mlich in der Mehrzahl der F\u00e4lle (und wenn man eine gewisse Ertragsschwelle \u00fcberschreitet immer) das Prinzip von Menge und G\u00fcte. Und da eine Aufweichung der H\u00f6chstertr\u00e4ge nicht auf seri\u00f6se Qualit\u00e4tsproduzenten zu beschr\u00e4nken w\u00e4re, w\u00fcrde sie insgesamt wohl zu einer Verringerung der Durchschnittsqualit\u00e4t f\u00fchren.<\/p>\n<p>Dazu kommt noch, dass h\u00f6here Ertragsm\u00f6glichkeiten auch st\u00e4rkere Jahrgangsschwankungen in Menge und Qualit\u00e4t mit sich bringen. Und Wein\u00fcbersch\u00fcsse, deren Folgen (Preisverfall am Trauben- und Fa\u00dfweinmarkt, \u00f6sterreichische Qualit\u00e4tsweine zu Dumpingpreisen, &#8222;kreative&#8220; Vermarktungsideen,&#8230;) niemandem in der heimischen Weinwirtschaft n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Angesichts der im oberen heimischen Qualit\u00e4tsniveau durchaus kostendeckenden Preise besteht au\u00dferdem die Gefahr mit der Forderung nach h\u00f6heren Ertr\u00e4gen auf wenig Verst\u00e4ndnis bei den Konsumenten zu sto\u00dfen und den Bogen zu \u00fcberspannen. Der Spagat zwischen der Vermarktung als Terroirprodukt mit hohem Qualit\u00e4tsimage und entsprechendem Preis,\u00a0der mancherort praktizierten k\u00fcnstlichen Bew\u00e4sserung und der Forderung nach h\u00f6heren Ertr\u00e4gen k\u00f6nnte irgendwann zu gro\u00df werden&#8230;<\/p>\n<p>Besser w\u00e4re es wohl (gewesen)\u00a0eine Schw\u00e4chung des Begriffes &#8222;Qualit\u00e4tswein&#8220; zu vermeiden und trotzdem h\u00f6here Ertr\u00e4ge zuzulassen indem man\u00a0den Intentionen der EU-Weinmarktordnung 2008\/2009 (ge)folgt (w\u00e4re). Mit der Zulassung von Sorten- und Jahrgangsangaben auf (Tafel-)Wein ohne n\u00e4here Herkunftsbezeichnung schafft sie ein Marktfenster f\u00fcr solide, typische Weine aus h\u00f6heren Ertr\u00e4gen. Bei der nationalen Umsetzung hat die heimische Weinbaupolitik jedoch juristisch geschickt auch hier\u00a0de facto die allgemein g\u00fcltige\u00a0\u00a0Ertragsgrenze eingezogen. (Mehr dazu <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1598\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrokratie en masse<\/strong><\/p>\n<p>Die in \u00d6sterreich derzeit g\u00fcltige H\u00f6chstertragsregelung sieht eine maximale Erntemenge von 9000 kg Trauben bzw. 6750 l Wein pro Hektar vor und gilt f\u00fcr alle Pr\u00e4dikatsweinstufen, f\u00fcr den Kabinett, f\u00fcr Qualit\u00e4tswein, Landwein und wie eben erw\u00e4hnt auch f\u00fcr (Tafel-)Wein mit Rebsortenbezeichnung.<\/p>\n<p>Dabei wird allerdings nicht Weingarten f\u00fcr Weingarten abgerechnet, sondern pauschal der gesamte Betrieb inklusive nicht ertragsf\u00e4higer Junganlagen. Ein Betrieb mit 10 Hektar Rebfl\u00e4che darf also bei der derzeit anstehenden Erntemeldung h\u00f6chstens 67500 Liter der oben genannten Qualit\u00e4tskategorien im Keller haben, sonst wird die gesamte Ernte zu (Tafe-)Wein ohne Sortenbezeichnung deklassiert.<\/p>\n<p>Diese Berechnungsweise weicht den im internationalen Vergleich relativ niedrigen H\u00f6chstertrag ein wenig auf, da es in vielen Betrieben Weing\u00e4rten gibt, die weniger Menge bringen und man daf\u00fcr andernorts mehr als 6750l\/ha ernten kann. Gerecht ist das aber nat\u00fcrlich nicht, denn Betriebe, die Junganlagen haben, und die auch Spitzenweine aus niedrigen Ertr\u00e4gen produzieren k\u00f6nnen auf diese Weise f\u00fcr ihre preisg\u00fcnstigen Weine die Ertr\u00e4ge deutlich h\u00f6her schrauben, als solche, die nur ertragsf\u00e4hige Fl\u00e4chen haben und ausschlie\u00dflich einfachere Qualit\u00e4ten produzieren.<\/p>\n<p>Alle anderen Modelle zur Ertragsbeschr\u00e4nkung bedeuten freilich einen wesentlich h\u00f6heren Verwaltungsaufwand f\u00fcr den Weinbauern wie auch f\u00fcr die Beh\u00f6rden. Gebiets- und\/oder jahrgangsweise unterschiedliche H\u00f6chstmengen mu\u00df man (vor allem in Betrieben, die Weine aus mehreren Regionen vermarkten) erst einmal nachvollziehen, um sie zu kontrollieren.<\/p>\n<p>\u00dcbermengen, die man\u00a0zwei, drei Jahre sp\u00e4ter bei kleineren Ernten doch noch als Qualit\u00e4tswein auf den Markt bringen darf, machen die Sache auch nicht einfacher (und sind vor allem bei rasch alternden Wei\u00dfweinen auch nicht unbedingt ein Qualit\u00e4tsgewinn). Von einer parzellengenauen Mengenbestimmung und -kontrolle vielleicht auch noch nach Pflanzdichte und Rebsorte gestaffelt ganz abgesehen&#8230;<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deshalb halte ich die derzeitige Regelung und ihre H\u00f6he f\u00fcr einen brauchbaren Kompromiss, mit dem es sich als Winzer ohne gro\u00dfen Aufwand\u00a0und halbwegs flexibel auf einem wirtschaftlich akzeptablen Niveau arbeiten l\u00e4\u00dft, und der gleichzeitig Wein\u00fcbersch\u00fcssen und deren negativen Folgen f\u00fcr die Qualit\u00e4t und das Image des \u00f6sterreichischen Qualit\u00e4tsweines ausreichend entgegenwirkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die gesetzliche Begrenzung der Erntemenge f\u00fcr Land- und Qualit\u00e4tswein bei ihrer Einf\u00fchrung vor vielen Jahren nicht unumstritten war, haben sie die\u00a0allermeisten Akteure der \u00f6sterreichischen Weinwirtschaft irgendwann akzeptiert und mit ihr leben gelernt. Vielleicht auch deshalb, weil die in allen Bereichen negativen Auswirkungen der Massenernten der\u00a0fr\u00fchen 1980er-Jahre noch in den K\u00f6pfen pr\u00e4sent waren. In letzter &#8230; <a title=\"Rauf mit den Ertr\u00e4gen?\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=5046\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Rauf mit den Ertr\u00e4gen?\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5046","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5046","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5046"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5046\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5056,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5046\/revisions\/5056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5046"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}