{"id":4694,"date":"2012-03-28T21:40:39","date_gmt":"2012-03-28T20:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4694"},"modified":"2012-03-28T21:53:09","modified_gmt":"2012-03-28T20:53:09","slug":"weinbezeichnungsgedons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4694","title":{"rendered":"Weinbezeichnungsged\u00f6ns"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4608 alignleft\" style=\"margin-left: 10px; margin-right: 10px; border: 0px;\" title=\"Vinocamp Deutschland\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Vinocamp-Deutschland.gif\" alt=\"Vinocamp Deutschland\" width=\"183\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Vinocamp-Deutschland.gif 440w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Vinocamp-Deutschland-300x157.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><br \/>\nWie <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4647\">hier<\/a> bereits ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt, haben Deutschland und \u00d6sterreich bei allen Unterschieden auch sehr viele Gemeinsamkeiten in Sachen Wein. Grund Genug f\u00fcr eine Session beim Vinocamp 2012.<\/p>\n<p>Angesichts des straffen Zeitplanes habe ich mich dabei auf die Weinbezeichnungssysteme beider L\u00e4nder konzentriert, und daf\u00fcr prompt den Session-Titel &#8222;Weinbezeichnungsged\u00f6ns&#8220; verliehen bekommen. Hier nun der Versuch einer kurzen Zusammenfassung:<\/p>\n<p><strong>Germanisches Weinrecht,&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Im Unterschied zu Frankreich, Italien und Spanien wird in Deutschland und \u00d6sterreich die Weinqualit\u00e4t weniger \u00fcber die Herkunft der Trauben, als \u00fcber ihre\u00a0Reife definiert. Wenn der Most einen gewissen Zuckergehalt erreicht (und einige andere Dinge erf\u00fcllt sind), gilt der daraus gewonnene Wein als Qualit\u00e4tswein, Kabinett, Sp\u00e4tlese, etc. &#8211; (beinahe) egal, wo die Trauben gewachsen sind.<\/p>\n<p>Anders als im romanischen Weinrecht gibt es dabei auch kaum Einschr\u00e4nkungen hinsichtlich des Weinstils, was eine bunte Vielfalt an Rebsorten und Geschmacksrichtungen zur Folge hat. S\u00fc\u00dfe Qualit\u00e4tsweine ebenso, wie trockene Sp\u00e4tlesen und umgekehrt. Leichte Kabinette mit vergleichsweise wenig Alkohol und solche mit 13,5 Prozent.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das f\u00fcr die einen gewachsene Weinkultur und eine gro\u00dfe Auswahlm\u00f6glichkeit f\u00fcr den Konsumenten darstellt, ist dieses System f\u00fcr die anderen l\u00e4ngst nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df und macht den\u00a0Weineinkauf f\u00fcr Otto Normalweintrinker unn\u00f6tig kompliziert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Obwohl auch die &#8222;Bewahrer&#8220; gute Argumente haben (wie bei der\u00a0Diskussion unter den Session-Teilnehmern zu h\u00f6ren war),\u00a0gibt es\u00a0sowohl in \u00d6sterreich als auch in Deutschland deutliche Bestrebungen, das die traditionelle Form der Weinbezeichnung zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>&#8230;die unterschiedlichen \u00c4nderungsversuche&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Die Mehrzahl der \u00f6sterreichischen Weinbauern verzichtet z.B. schon seit l\u00e4ngerer Zeit auf die Bezeichnung &#8222;Sp\u00e4tlese&#8220;, wenn es sich nicht um einen s\u00fc\u00dfen Wein handelt (was \u00fcbrigens wie auch die Geschmacksrichtungen &#8222;trocken&#8220;, &#8222;halbtrocken&#8220; und &#8222;lieblich&#8220; im Unterschied zu Deutschland verpflichtend auf den Etiketten anzugeben ist).<\/p>\n<p>Und weil die Qualit\u00e4tsbezeichnung &#8222;Kabinett&#8220; in der Praxis kaum noch verwendet wird, firmieren fast alle trockenen heimischen Weine unter dem Label &#8222;Qualit\u00e4tswein&#8220; (nat\u00fcrlich nur sofern sie die daf\u00fcr notwendige Mindestqualit\u00e4t aufweisen).<\/p>\n<p>Auf gesetzlicher Ebene wurden bereits vor 10 Jahren die Weichen f\u00fcr die Einf\u00fchrung von &#8222;Herkunftsweinen&#8220; im &#8222;romanischen&#8220; Sinn parallel zum ansonsten auch weiterhin &#8222;germanischen&#8220; Weinbezeichnungssystem gestellt. So kann jedes Weinbaugebiet seinen Namen mit einigen wenigen relativ klar definierten DAC-Weintypen verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rest der dort produzierten Weine bleibt dann nur noch eine gr\u00f6\u00dfer gefa\u00dfte Herkunft, also z.b. Leithaberg DAC f\u00fcr besonders gebietstypische Weine, Weinbaugebiet Burgenland f\u00fcr die Sortenvielfalt. (Die ganze unendliche DAC-Geschichte gibt es ab <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1013\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>In Deutschland gab und gibt es auch gesetzliche Ans\u00e4tze, das Bezeichnungsrecht zu \u00e4ndern und zu vereinfachen. So wurden z.B. vor ein paar Jahren <a href=\"http:\/\/www.deutsche-wein-strasse.de\/Weinkunde\/html\/classic___selection.html\">die Weintypen &#8222;Classic&#8220; und &#8222;Selection&#8220;<\/a> definiert, die sich jedoch nicht auf dem Markt durchsetzen konnten.<\/p>\n<p>Parallel dazu arbeitet der <a href=\"http:\/\/www.vdp.de\/de\/vdp-die-praedikatsweingueter\/\">Verband der Pr\u00e4dikatsweing\u00fcter<\/a> an <a href=\"http:\/\/wuertz-wein.de\/wordpress\/2012\/01\/26\/vdp-klassifikation\/\">einer eigenen, privaten Vereinfachung<\/a>, deren vier Qualit\u00e4tsstufen nicht (nur) \u00fcber den Zuckergehalt der Trauben definiert werden. Durch den Verzicht auf Lagenangaben (die in Deutschland anders als in \u00d6sterreich auf den Weinetiketten fast allgegenw\u00e4rtig sind) bei einfacheren Weinen soll die Herkunft in Form der Weingartennamen wieder zu einem glaubw\u00fcrdigen Merkmal f\u00fcr h\u00f6here Weinqualit\u00e4t werden.<\/p>\n<p>Weil solche \u00c4nderungen (wie \u00fcbrigens auch die Einf\u00fchrung des DAC in \u00d6sterreich) allerdings nur im bestehenden System und mit zahlreichen Ausnahmen m\u00f6glich sind, und dieses nicht ersetzen, f\u00fchren sie zwangsl\u00e4ufig zu komplizierteren Verh\u00e4ltnissen in Sachen Weinbezeichnung.<\/p>\n<p>Nur in der Anfangszeit, sag(t)en die einen nicht\u00a0nur bei der Vinocamp-Session. Dauerhaft mein(t)en die anderen in Geisenheim und auch anderswo.<\/p>\n<p><strong>&#8230;und die Frage nach dem Sinn<\/strong><\/p>\n<p>Nicht zuletzt, weil es in Frankreich und Italien gegenl\u00e4ufige Entwicklungen gibt (die z.B. auf eine gr\u00f6\u00dfere Rebsortenvielfalt und die Erlaubnis zur Angabe der Rebsorte auf dem Etikett dr\u00e4ngen) war auch schon vor dem Vinocamp klar, dass es kein ideales Weinbezeichnungssystem gibt und \u00c4nderungen langj\u00e4hriger Systeme immer schwierig sind.<\/p>\n<p>Der Sinn der Session lag daher auch nicht in er Suche nach einer L\u00f6sung, sondern im Kennenlernen fremder und im Hinterfragen der eigenen Argumente in dieser Diskussion. Dass das trotz spannendem Alternativprogramm im letzten Zeitfenster vor der Heimfahrt so gut funktioniert hat, freut mich ganz besonders.<\/p>\n<p>Herzlichen Dank an alle Teilnehmer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Wie hier bereits ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt, haben Deutschland und \u00d6sterreich bei allen Unterschieden auch sehr viele Gemeinsamkeiten in Sachen Wein. Grund Genug f\u00fcr eine Session beim Vinocamp 2012. Angesichts des straffen Zeitplanes habe ich mich dabei auf die Weinbezeichnungssysteme beider L\u00e4nder konzentriert, und daf\u00fcr prompt den Session-Titel &#8222;Weinbezeichnungsged\u00f6ns&#8220; verliehen bekommen. 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