{"id":466,"date":"2008-02-24T23:22:41","date_gmt":"2008-02-24T22:22:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=466"},"modified":"2008-02-24T23:26:16","modified_gmt":"2008-02-24T22:26:16","slug":"rebschnitt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=466","title":{"rendered":"Rebschnitt (2)"},"content":{"rendered":"<p>Wie bereits angek\u00fcndigt, widme ich mich in meinem zweiten Blog-Winter auch dem Rebschnitt. Unterhalb des <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=461\">ersten Beitrages<\/a> entsteht nach und nach ein \u00dcberblick \u00fcber die gesamte Serie in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen.<\/p>\n<p><strong>Rebschnitt, warum?<\/strong><\/p>\n<p>Das Schneiden der Reben ist eine der (zeit)aufw\u00e4ndigsten T\u00e4tigkeiten im Weingarten. Um verstehen zu k\u00f6nnen, warum die Winzer diese Arbeit Jahr f\u00fcr Jahr auf sich nehmen, ist es notwendig, sich ein klein wenig mit der nat\u00fcrlichen Wuchsform der Weinreben zu befassen. <!--more--><\/p>\n<p>Reben sind Kletterpflanzen, die sich in freier Wildbahn an B\u00e4umen und Str\u00e4uchern emporranken. So lange sie im Schatten wachsen, treiben nur wenige Knospen (Augen) der Weinreben aus und bilden wenige, aber sehr kr\u00e4ftige Triebe aus, um rascher ans Licht zu kommen. Einmal dort angelangt, verteilen sie ihre Energie auf viele Augen und bilden eine Vielzahl mittelkr\u00e4ftigen, aber auch schw\u00e4cheren Trieben mit ebensolchen Trauben.<\/p>\n<p>\u00dcber Jahre f\u00fchrt dieser verzweigte Wuchs zu gegenseitiger Beschattung, die immer wieder Teile des Rebstockes absterben oder zumindest verkahlen l\u00e4\u00dft. Darunter versteht man, dass diese Teile zwar nicht absterben, aber keine jungen Triebe mehr bilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Konzentration auf das Wesentliche<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lassen sich auch von solchen Weinreben Trauben ernten, aber eine gezielte, systematische Form der Traubenproduktion ist unter diesen (Wuchs)Bedingungen kaum m\u00f6glich. Aus diesem Grund versucht der Winzer mit dem (R\u00fcck)Schnitt, den Stock auf vergleichsweise wenige Augen zu beschr\u00e4nken und ihn damit zu zwingen, seine Energie auf diese zu konzentrieren.<\/p>\n<p>Die Triebe, die daraus wachsen, entwickeln sich dementsprechend kr\u00e4ftig und bringen wenige, aber vern\u00fcnftig gro\u00dfe Trauben zu einer guten Reife. Dar\u00fcber hinaus sorgen die meisten Schnittsysteme auch daf\u00fcr, dass alle Triebe vergleichbare und optimale Bedingungen vorfinden.<\/p>\n<p>Sie sind gut verteilt, behindern einander nicht und haben eine \u00e4hnliche Stellung am Stock, was neben einem gleichm\u00e4\u00dfigeren Wachstum auch eine gezieltere Laubarbeit erm\u00f6glicht. Unter anderem dadurch, dass die Trauben sind nicht kreuz und quer \u00fcber den ganzen Weinstock verstreut sind, sondern sich auf eine &#8222;Traubenzone&#8220; (meist in einer &#8222;ergonomischen&#8220; H\u00f6he zwischen 80 und 130 cm) beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p><strong>Einstellung des Ertragsniveaus<\/strong><\/p>\n<p>Die Intensit\u00e4t des R\u00fcckschnittes hat nat\u00fcrlich auch Auswirkungen auf den sp\u00e4teren Traubenertrag. L\u00e4\u00dft der Winzer 8 Augen stehen, wachsen daraus (grob verallgemeinert) voraussichtlich 8 Triebe mit durchschnittlich zwei, d.h. insgesamt 16 Trauben.<\/p>\n<p>Bleiben dem Stock aber 16 Augen, darf sich der Winzer auf voraussichtlich 32 Trauben freuen, die zwar wahrscheinlich etwas kleiner sind, aber immer noch deutlich mehr Ertrag bedeuten.<\/p>\n<p>Dieser lineare Zusammenhang gilt allerdings nur im mittleren (d.h. &#8222;normalen&#8220;) Bereich der Schnittst\u00e4rke. Bei extrem schwachem (d.h. wenige Augen belassendem) und bei extrem starkem (d.h. viele Augen belassendem) Schnitt sind die Auswirkungen auf den Ertrag meist weit weniger ausgepr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Bleiben dem Rebstock (zu) wenige Augen, dann h\u00e4ngen an den daraus wachsenden Trieben oft \u00fcberdurchschnittlich viele Trauben, die meist auch noch besonders gro\u00df werden. Und l\u00e4\u00dft man (zu) viele Augen stehen, reicht die Kraft der Rebe nicht aus, um alle austreiben zu lassen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass qualit\u00e4tsorientierte Niedrig(st)ertr\u00e4ge heutzutage mit dem Rebschnitt allein nicht zu schaffen sind. Neben nicht ausreichend niedrigen Erntemengen und unerw\u00fcnscht \u00fcbergro\u00dfen Trauben mit ebensolchen Beeren f\u00fchrt ein schwacher Schnitt auch zu wenigen Trieben mit wenigen Bl\u00e4ttern, deren Photosyntheseleistung nicht ausreicht, um Spitzenqualit\u00e4ten zu erzielen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund ist der Rebschnitt heute oft nur eine grobe Voreinstellung des Ertrages und das Feintuning erfolgt im Rahmen mehrere Laubarbeitsdurchg\u00e4nge bis knapp vor Reifebeginn.<\/p>\n<p>Neben einer mehr oder weniger starken Ertragsreduktion f\u00fchrt der Rebschnitt auch zu gleichm\u00e4\u00dfigeren Ertr\u00e4gen \u00fcber die Jahre. Au\u00dferdem sind geschnittene Reben langlebiger, weil sie durch das Zur\u00fcckschneiden einerseits j\u00e4hrlich zu kr\u00e4ftigem Wachstum angeregt, andererseits aber vor \u00dcberbelastungen gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p><strong>Individuelle Stockpflege<\/strong><\/p>\n<p>Ein guter Rebschnitt geht auf den einzelnen Stock ein und ber\u00fccksichtigt seinen Zustand. An der Triebentwicklung des Vorjahres l\u00e4\u00dft sich ablesen, ob die Weinrebe gesund, gut versorgt und auch im heurigen Jahr entsprechend belastbar ist. <\/p>\n<p>Oder ob sie geschw\u00e4cht wirkt und ihr beim Rebschnitt f\u00fcr das neue Weinjahr weniger Augen aufgeb\u00fcrdet werden sollten, damit sie leichter wieder zu Kr\u00e4ften kommt.<\/p>\n<p>Das verl\u00e4ngert nicht nur die Nutzungsdauer des Weingartens, sondern tr\u00e4gt auch zu einer gleichm\u00e4\u00dfigeren (und damit h\u00f6heren) Traubenqualit\u00e4t bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits angek\u00fcndigt, widme ich mich in meinem zweiten Blog-Winter auch dem Rebschnitt. Unterhalb des ersten Beitrages entsteht nach und nach ein \u00dcberblick \u00fcber die gesamte Serie in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen. Rebschnitt, warum? Das Schneiden der Reben ist eine der (zeit)aufw\u00e4ndigsten T\u00e4tigkeiten im Weingarten. 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