{"id":463,"date":"2008-02-22T22:52:24","date_gmt":"2008-02-22T21:52:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=463"},"modified":"2008-02-22T22:52:24","modified_gmt":"2008-02-22T21:52:24","slug":"gedanken-nach-einem-grosen-weinerlebnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=463","title":{"rendered":"Gedanken nach einem gro\u00dfen Weinerlebnis"},"content":{"rendered":"<p>Vergangenen Sonntag hatte ich wieder einmal ein wirklich gro\u00dfes Weinerlebnis. Aus einer spontanen Laune heraus habe ich in meinen Weinsch\u00e4tzen gekramt und dabei eine Flasche zu Tage gef\u00f6rdert, die aus meinem Praktikum im <a href=\"http:\/\/www.weingutprager.at\/\">Weingut Prager<\/a> bei Toni Bodenstein im Jahr 1992 stammt.<\/p>\n<p>Die damaligen vier Wochen z\u00e4hlen zum ergiebigsten Teil meiner Schulzeit an der <a href=\"http:\/\/hbla.weinobstklosterneuburg.at\/start.php\">Weinbauschule Klosterneuburg<\/a>. Neben sehr vielen fachlichen Erkenntnissen haben sie mir auch einige tolle Weinproben vor Ort und ein paar edle Flaschen wie diese f\u00fcr meinen Keller beschert: <!--more--><\/p>\n<p><strong>Riesling Smaragd 1991, Weissenkirchner Steinriegl<br \/>\nWeingut Prager, Wachau<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich dar\u00fcber schreiben, wie verbl\u00fcffend jugendlich, elegant und ausgewogen sich der Wein pr\u00e4sentiert hat. Wie unglaublich komplex der Mix von Frucht, W\u00fcrze und Reifearomen war. Und wie einem der Wein trotz aller Gr\u00f6\u00dfe geradezu unspektakul\u00e4r \u00fcber die Lippen ging.<\/p>\n<p>Aber auch wenn ich mich wirklich bem\u00fchen w\u00fcrde: Nichts davon k\u00f6nnte dem Wein und dem Erlebnis gerecht werden. Jeder Versuch, ihn in Worte oder gar Punkte fassen w\u00e4re kleinlich und peinlich.<\/p>\n<p>Deshalb lasse ich es lieber bleiben und mache mir stattdessen Gedanken dar\u00fcber, was sich in den vergangenen 16 Jahren ver\u00e4ndert hat. Und warum die meisten Spitzen(wei\u00df)weine heute 13, 14 oder gar 15 Prozent Alkohol haben (m\u00fcssen), wo dieser Wein doch zeigt, dass schon 12,2 Prozent ausreichend sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ist der Klimawandel schuld?<\/p>\n<p>Vielleicht ein bi\u00dfchen. H\u00f6here Temperaturen f\u00fchren in der Tat zu einer Beschleunigung der Zuckerreife, ohne die f\u00fcr den Lesetermin wichtigere physiologische Reife zu beeinflu\u00dfen. Anders gesagt: Grunds\u00e4tzlich kann es schon passieren, dass man die Trauben nicht (mehr) bei niedrigeren Zuckergehalten (und damit sp\u00e4teren Alkoholwerten) ernten kann, weil die Aromastoffe in den Trauben in diesem Stadium noch nicht reif genug sind.<\/p>\n<p>Wobei aber kaum ein Gebiet einen derart gro\u00dfen Spielraum hat, wie die Wachau mit ihrer sp\u00e4ten (=k\u00fchlen) Reifephase und ihren niedrigen Nachttemperaturen. Wer normalerweise im November seine Spitzenweine erntet, dessen Trauben m\u00fc\u00dften meiner bescheidenen Meinung nach auch schon im Oktober physiologisch reif sein. Und wer ein klein wenig fr\u00fcher erntet, der hat auch weniger Probleme mit (zuckererh\u00f6hender) Botrytis-Edelf\u00e4ule.<\/p>\n<p>Ist es das Qualit\u00e4tsstreben der Winzer?<\/p>\n<p>Qualit\u00e4tssteigernde Ma\u00dfnahmen im Weingarten k\u00f6nnen einen h\u00f6heren Alkoholgehalt als (Neben)Wirkung haben. Niedrigere Ertr\u00e4ge f\u00fchren zweifellos zu ausdrucksst\u00e4rkeren Weinen, sie verfr\u00fchen aber auch die (Zucker)reife, weil der Rebstock den in den Bl\u00e4ttern gebildeten Zucker auf weniger Trauben aufteilen mu\u00df. <\/p>\n<p>\u00c4hnliches gilt auch f\u00fcr die Bew\u00e4sserung (die aber in der Wachau bereits Anfang der 90er weit verbreitet war), f\u00fcr eine intensivere Laubarbeit und qualit\u00e4tsf\u00f6rdernde Erziehungssysteme. Trotzdem sind (extrem) hohe Alkoholwerte aber auch f\u00fcr qualit\u00e4tsbewu\u00dfte Winzer kein unvermeidbares Schicksal.<\/p>\n<p>Wollen es die Weinkonsumenten so?<\/p>\n<p>Vielleicht einige wenige. Den meisten ist es aber wohl egal. Oder es w\u00e4re ihnen sogar ein niedrigerer Alkoholgehalt lieber, weil sie die Weine auch tats\u00e4chlich trinken (und sie nicht nur lagern, verkosten oder sich mit ihnen br\u00fcsten). Oder?<\/p>\n<p>Hat es was mit Gruppendynamik und -zwang zu tun?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich auch. Sowohl bei den Winzern als auch bei den Weintrinkern. Als Freund etwas leichterer Weine gilt man schnell als anspruchsloser Mainstream-Trinker, der echte Qualit\u00e4t nicht zu sch\u00e4tzen wei\u00df.<\/p>\n<p>Und welche Rolle spielen die Meinungsmacher?<\/p>\n<p>Weine mit h\u00f6heren Alkoholgehalten schmecken intensiver. Bei umfangreicheren gaumenerm\u00fcdenden Weinproben stechen sie deshalb oft positiv hervor, w\u00e4hrend leichtere Weine schnell als &#8222;gut, aber etwas zu schlank&#8220; durch den Rost fallen. Jener Verkoster, dem das noch nicht selbst passiert ist, der nehme den ersten Stein&#8230;<\/p>\n<p>Weil dieses Ph\u00e4nomen bei allen Weinbewertungen eine gewisse unvermeidbare Rolle spielt, haben kr\u00e4ftigere Weine meist bessere Chancen auf einen Spitzenplatz. Und Siegerweine sind gut f\u00fcr die Brieftasche und das Ego des Produzenten&#8230; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangenen Sonntag hatte ich wieder einmal ein wirklich gro\u00dfes Weinerlebnis. Aus einer spontanen Laune heraus habe ich in meinen Weinsch\u00e4tzen gekramt und dabei eine Flasche zu Tage gef\u00f6rdert, die aus meinem Praktikum im Weingut Prager bei Toni Bodenstein im Jahr 1992 stammt. 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