{"id":43,"date":"2006-08-21T13:04:14","date_gmt":"2006-08-21T11:04:14","guid":{"rendered":"http:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=43"},"modified":"2006-08-25T22:37:27","modified_gmt":"2006-08-25T20:37:27","slug":"verkostungsnotizen-und-nachvollziehbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=43","title":{"rendered":"Verkostungsnotizen und Nachvollziehbarkeit"},"content":{"rendered":"<p>Weinverkosten ist eine zutiefst subjektive Sache und noch viel mehr die Beschreibung von Weinen, da sie \u00fcberwiegend auf Vergleichen beruht, die nicht von jedermann gleich interpretiert werden. Dieser Umstand ist jedem guten Verkoster bewu\u00dft. Trotzdem (oder deshalb) gibt es auch unter (vermeintlichen) Profis eine F\u00fclle an mehr oder weniger nachvollziehbaren Weinbeschreibungsstilen:<!--more--><\/p>\n<p>Den Versuch einer versachlichten Beschreibung nach einem gut strukturierten Schema, z.B. dem des englischen Wine and Spirit Education Trust bzw. seines Partners, der Weinakademie \u00d6sterreich <a href=\"http:\/\/www.weinakademie.at\/Spezifikationen.pdf#search=%22wset%20checklist%20degustation%22\" target=\"_blank\">(Seite 55)<\/a>\u00a0:<\/p>\n<blockquote><p>strahlend klar, dunkles Rubinrot mit jugendlich-violettem Rand; kr\u00e4ftige Schlieren<\/p>\n<p>in der Nase sauber, mittlere Intensit\u00e4t, jugendlich fruchtige Aromen nach dunklen Beeren, etwas W\u00fcrze (Pfeffer, Zimt) und ganz dezent sp\u00fcrbarer Holzeinsatz, mittlere Komplexit\u00e4t<\/p>\n<p>am Gaumen trocken mit mittlerer, gut eingebundener S\u00e4ure, Brombeerfrucht und etwas rauchig-r\u00f6stig; mittlerer K\u00f6rper, noch etwas jugendlich-rauhe aber nicht unangenehme Tanninstruktur, kr\u00e4ftiger Alkohol, mittlere L\u00e4nge, w\u00fcrziger Nachhall<\/p>\n<p>ein guter bis sehr guter Wein, ausgewogen und mit gutem K\u00f6rper; noch etwas jung und in zwei bis drei Jahren auf dem H\u00f6hepunkt, sollte sich ab diesem Zeitpunkt f\u00fcr einige Jahre in sehr guter Qualit\u00e4t pr\u00e4sentieren<\/p><\/blockquote>\n<p>Ebenso\u00a0die zwar nie falsche, aber auch nie wirklich aussagekr\u00e4ftige Beschreibung mittels Analysendaten:<\/p>\n<blockquote><p>13,25%vol Alkohol, 1,8g\/l Restzucker, 5,3g\/l S\u00e4ure und 26,2g\/l zuckerfreier Extrakt\u00a0<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber auch mehr oder minder lyrischen Beschreibungsstile der verschiedenen Weinjournalisten bzw. der verschiedenen Weinmedien. Im besten Fall gleichen diese den meist vorhandenen Mangel an Nachvollziehbarkeit durch ein Anregen der Phantasie des Lesers aus, zum Beispiel so:<\/p>\n<blockquote><p>animierende, in die Tiefe gehende Schokoladen- und Kirscharomen, Pistazien; floraler Geschmackseindruck mit viel dunkler Beerenfrucht, saftig, schmelzige Textur, charaktervoll, gekonnter Holzeinsatz, hat so etwas wie alle guten Eigenschaften<\/p><\/blockquote>\n<p>Im weniger guten Fall sind die Beschreibungen einfach nichtssagend, n\u00e4mlich so:<\/p>\n<blockquote><p><strong>fordernde<\/strong> Frucht nach reifen Kirschen; steht sehr <strong>stolz<\/strong> da, <strong>herzhaft<\/strong>, <strong>logisch<\/strong> am Gaumen, vermittelt so etwas wie <strong>Heimatgef\u00fchl<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>So viele v\u00f6llig beliebige Ausr\u00fccke in eine so kurze Beschreibung zu packen ist auch schon fast eine Kunst. Selbst wenn man mit <em>fordernd<\/em>, <em>stolz<\/em> und <em>herzhaft<\/em> noch ansatzweise Weineigenschaften verbinden kann, <em>logisch<\/em> ist mir ein Wein noch nie erschienen und <em>Heimatgef\u00fchl<\/em> ist wohl das am unterschiedlichsten interpretierte Wort \u00fcberhaupt. F\u00fcr die einen ist es dumpf, altmodisch und r\u00fcckst\u00e4ndig und f\u00fcr die anderen ehrlich, echt, naturnah und unverwechselbar.<\/p>\n<p>Interessant ist, da\u00df die letzte Beschreibung\u00a0von der gleichen Autorin stammt, wie die vorletzte und \u00fcber einen \u00e4hlichen Wein verfasst wurde, der bei der gleichen Verkostung probiert wurde&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weinverkosten ist eine zutiefst subjektive Sache und noch viel mehr die Beschreibung von Weinen, da sie \u00fcberwiegend auf Vergleichen beruht, die nicht von jedermann gleich interpretiert werden. Dieser Umstand ist jedem guten Verkoster bewu\u00dft. 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