{"id":4265,"date":"2011-09-22T21:33:29","date_gmt":"2011-09-22T20:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4265"},"modified":"2011-09-22T21:39:26","modified_gmt":"2011-09-22T20:39:26","slug":"reif-unreif-uberreif","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4265","title":{"rendered":"Reif, unreif, \u00fcberreif?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1823\" style=\"border: 0px;\" title=\"Blaufr\u00e4nkisch\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Blaufr\u00e4nkisch-Trauben-bearbeitet.jpg\" alt=\"Blaufr\u00e4nkisch\" \/><\/p>\n<p>In fr\u00fchen und hei\u00dfen Jahren wie heuer ist es nicht immer einfach, den optimalen Lesezeitpunkt zu finden.<\/p>\n<p>Manchmal\u00a0wird mit Blick auf den Kalender zu lange zugewartet, weil es noch &#8222;zu fr\u00fch&#8220;, und die Wettervorhersage g\u00fcnstig ist. Nicht selten wird aber auch zu fr\u00fch gelesen, weil die Zuckergradationen bereits sehr hoch und die S\u00e4urewerte auf dem Weg in den Keller sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese Vorgangsweise sichert den Weinen zwar eine angemessene Balance zwischen nicht zu hohem Alkohol und noch gut strukturierender S\u00e4ure, aber wenn man nicht aufpa\u00dft, geht das auf Kosten der Aroma- und Tanninreife.<\/p>\n<p>Die hinkt in Hitzejahren n\u00e4mlich den Zuckergraden manchmal hinterher, weil sie weniger von der Temperatur w\u00e4hrend der Traubenreife als von der Zeitdauer seit der Bl\u00fcte abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In Jahren mit gem\u00e4\u00dfigten Sp\u00e4tsommertemperaturen gelingt es normalerweise recht gut, ein Zeitfenster f\u00fcr die Ernte zu finden, in dem die verschiedenen, recht komplexen <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=56\">Reifeprozesse der Traube<\/a> in einem optimalen Stadium sind.<\/p>\n<p>Verl\u00e4uft die Zucker- und S\u00e4urereife aber stark beschleunigt ab, so wie heuer, ist die Entscheidung zur Lese keine eindeutige Sache, sondern ein ziemlich schwieriger Kompromiss.<\/p>\n<p>Wie viel m\u00f6gliche Unreife in Aroma nehme ich in Kauf, um breite, schwere Alkoholbomben zu vermeiden? Wie breit und weich darf der Wein werden, wenn daf\u00fcr die Tannine perfekt entwickelt sind? Wo endet die Unreife? Und wo f\u00e4ngt die \u00dcberreife an?<\/p>\n<p>Trotz dieser Schwierigkeiten war die Sache bei den Wei\u00dfweinen heuer eigentlich recht klar. Wie <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4236\">hier<\/a> beschrieben, sind die S\u00e4urewerte in den meisten Weing\u00e4rten nicht zu stark abgesunken, und die Trauben waren nach eingehender Begutachtung und Verkostung bei der Lese auch eindeutig geschmacksreif.<\/p>\n<p>Etwas l\u00e4nger als bei den wei\u00dfen Fr\u00fchsorten hat es beim Zweigelt gedauert. Anders als in den meisten Jahren haben wir ihn deshalb heuer auch nicht parallel mit dem Muskat Ottonel geerntet, sondern den Kernen noch eine Woche Zeit zur Tanninreife gegeben.<\/p>\n<p>Beim Cabernet Sauvignon war ich mir eigentlich auch recht sicher. Obwohl ungew\u00f6hnlich fr\u00fch und (f\u00fcr das heurige Jahr eher untypisch) bei relativ moderater Zuckergradation haben wir heute mit der Ernte begonnen, und werden sie morgen abschlie\u00dfen. Die Traubenkerne schmecken nicht mehr bitter, l\u00f6sen sich leicht aus dem Fruchtfleisch und die Beeren weisen nicht einmal mehr einen Hauch von &#8222;gr\u00fcnen&#8220; Paprikaaromen auf.<\/p>\n<p>Nicht ganz so eindeutig ist die Lage beim Blaufr\u00e4nkisch. Zucker, S\u00e4ure und pH-Wert sind optimal und auch der Geschmack der Trauben ist gut. Allerdings klebt das Fruchtfleisch in den meisten Beeren noch sehr gallertig an den Kernen, und sollte sich zumindest nach der Lehrmeinung noch verfl\u00fcssigen.<\/p>\n<p>Weil bis dahin aber m\u00f6glicherweise einiges an Eleganz und Struktur verloren gehen k\u00f6nnte, haben wir gestern und heute die Trauben f\u00fcr unseren &#8222;normalen&#8220; Blaufr\u00e4nkisch gelesen, um auf Nummer sicher zu gehen und bei diesem &#8222;Alltagswein&#8220; jeden Hauch von \u00dcppigkeit und Schwere zu vermeiden.<\/p>\n<p>Mit dem besten Weingarten pokern wir aber noch ein wenig in der Hoffnung, dass das prognostizierte Wetter uns noch ein Quentchen Reife (und einen fl\u00fcssigeren Beereninhalt) schenkt, ohne in den Bereich der \u00dcberreife zu kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In fr\u00fchen und hei\u00dfen Jahren wie heuer ist es nicht immer einfach, den optimalen Lesezeitpunkt zu finden. 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