{"id":4079,"date":"2011-07-20T21:55:50","date_gmt":"2011-07-20T20:55:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4079"},"modified":"2011-07-20T21:58:21","modified_gmt":"2011-07-20T20:58:21","slug":"bezeichnungschaos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=4079","title":{"rendered":"Bezeichnungschaos"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2498\" style=\"border: 0px;\" title=\"Prowein 2008\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Prowein7.jpg\" alt=\"Prowein 2008\" width=\"508\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Prowein7.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Prowein7-300x142.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichischen Weinetiketten gelten &#8211; nach oder gemeinsam mit den deutschen &#8211; als die kompliziertesten der Welt. Theoretisch liefern sie sehr viele Informationen, die aber in der Praxis mangels Kenntnis der Bestimmungen z.B f\u00fcr bestimmte Pr\u00e4dikatsstufen oder Herk\u00fcnfte bei den allerwenigsten Konsumenten wirklich ankommen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind sehr viele heimische Weinbauern in den letzten Jahren dazu \u00fcbergegangen, im Rahmen des weingesetzlich M\u00f6glichen auf all zu verwirrende Angaben zu verzichten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So wird z. B.\u00a0 die Qualit\u00e4tsstufe &#8222;Kabinett&#8220; heute kaum noch verwendet und die allermeisten nicht s\u00fc\u00dfen Weine werden als &#8222;Qualit\u00e4tswein&#8220; etikettiert. Die Pr\u00e4dikatsweinstufen &#8222;Sp\u00e4tlese&#8220; und &#8222;Auslese&#8220;, die auch trocken ausgebaut werden k\u00f6nnen, findet man heutzutage hingegen der Erwartungshaltung der meisten Weintrinker folgend praktisch nur noch bei s\u00fc\u00dfen Weinen.<\/p>\n<p>Bei den Herkunftsbezeichnungen verzichten speziell im Burgenland viele Weinbauern seit Jahren auf die zum Teil wenig profilierten Gebietsnamen wie &#8222;Neusiedlersee-H\u00fcgelland&#8220; und schreiben stattdessen &#8222;Burgenland&#8220; aufs Etikett. Und anders als in Deutschland f\u00e4llt den Winzern auch der Verzicht auf Lagenangaben bei einfacheren Qualit\u00e4ten nicht wirklich schwer.<\/p>\n<p>Auf diese Weise lassen sich recht klar strukturierte und dennoch aussagekr\u00e4ftige Weinbezeichnungen zimmern. Mit Produzent, Rebsorte, Jahrgang und Gebiet stehen meist (nur) vier Elemente klar im Vordergrund, und wer n\u00e4here Infos dar\u00fcber haben m\u00f6chte, wie der Wein einzustufen ist, erh\u00e4lt diese im Kleingedruckten (z.B. via Alkoholgehalt und Restzuckerangabe) oder \u00fcber den Preis.<\/p>\n<p><strong>DAC in Theorie und Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Entsprechende Aufkl\u00e4rungsarbeit vorausgesetzt, k\u00f6nnten klar definierte Herkunfts-DAC-Weine die heimischen Etiketten sogar noch leichter verst\u00e4ndlich machen, ohne dass diese an Informationsgehalt einb\u00fc\u00dfen w\u00fcrden. Sind bei diesen Weinen doch Herkunft, Weinsorte(n) und Stil in den Namen des Gebietes verpackt.<\/p>\n<p>Bis dahin ist es aber wohl noch ein sehr weiter Weg, wenn anno 2011 nicht nur private Weintrinker, sonder auch professionelle Weinautoren und die Weinbauern selbst nicht in der Lage sind, die Bezeichnung (und damit den Sinn) von DAC-Weinen korrekt wiederzugeben.<\/p>\n<p>Immer wieder finden sich Angaben wie z.B. <em>Blaufr\u00e4nkisch LB 2008<\/em>, denen man nur \u00fcber den Umweg ins Kleingedruckte entnehmen kann, dass &#8222;LB&#8220; f\u00fcr &#8222;Leithaberg DAC&#8220; und damit f\u00fcr einen ziemlich genau definierten Stil-, Qualit\u00e4ts- und Preisbereich steht. Vom Anspruch dieser Weine, die Typizit\u00e4t der Region zur Haupt- und die Rebsorte zur Nebensache zu machen, gar nicht zu reden&#8230;<\/p>\n<p>Manchmal wird bei den Herkunftsweinen immer noch der wichtigste Bestandteil ihrer Bezeichnung &#8211; das Herkunftsgebiet &#8211;\u00a0nicht nur bis zur Unkenntlichkeit abgek\u00fcrzt, sondern sogar \u00fcberhaupt weggelassen und das K\u00fcrzel &#8222;DAC&#8220; v\u00f6llig sinnentleert an die Sortenbezeichnung geh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>Weinbezeichnungsunget\u00fcmsmonstrosit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Aber nicht nur gekappte Weinnamen sind schwer zu interpretieren, sondern auch bis zur Unkenntlichkeit aufgeblasene Bezeichnungsmonster, wie sie in manchen heimischen Regionen mittlerweile Usus sind.<\/p>\n<p>Als ob die ohnehin schon relativ umfangreichen gesetzlichen (DAC) Bezeichnungsvorschriften in diesen Gebieten nicht schon verwirrend genug w\u00e4ren, druckt man gerne auch noch mehrere zus\u00e4tzliche Weinbezeichnungen auf Etiketten und\/oder in Weinpublikationen.<\/p>\n<p>Dabei helfen Otto Normalweintrinker die zahlreichen Fachw\u00f6rter kaum weiter, und f\u00fcr den Weinfreak w\u00fcrden sie es wohl auch (wenn \u00fcberhaupt) im Kleingedruckten tun. Oder halten Sie folgende Weinbezeichnung wirklich f\u00fcr sinnvoll?<\/p>\n<p><em>Kamptal DAC Reserve Riesling Z\u00f6binger Heiligenstein Alte Reben Erste \u00d6TW Lage<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6sterreichischen Weinetiketten gelten &#8211; nach oder gemeinsam mit den deutschen &#8211; als die kompliziertesten der Welt. Theoretisch liefern sie sehr viele Informationen, die aber in der Praxis mangels Kenntnis der Bestimmungen z.B f\u00fcr bestimmte Pr\u00e4dikatsstufen oder Herk\u00fcnfte bei den allerwenigsten Konsumenten wirklich ankommen. 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