{"id":3964,"date":"2011-06-07T20:52:06","date_gmt":"2011-06-07T19:52:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3964"},"modified":"2011-06-08T07:33:52","modified_gmt":"2011-06-08T06:33:52","slug":"denkwurdige-jahrgange-1995","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3964","title":{"rendered":"Denkw\u00fcrdige Jahrg\u00e4nge: 1995"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-702\" style=\"border: 0px;\" title=\"Botrytis\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/botrytis-4-komprimiert.jpg\" alt=\"Botrytis beim Neuburger 2008\" width=\"508\" height=\"346\" \/><\/p>\n<p>Das Weinjahr 1995 ist das beste Beispiel daf\u00fcr, wie sinnlos Pauschalaussagen \u00fcber die Qualit\u00e4t eines Jahrgangs sind. Obwohl dieses Jahr n\u00e4mlich nach dem Witterungsverlauf und den trockenen Wei\u00df- und Rotweinen allerh\u00f6chstens das Pr\u00e4dikat &#8222;mittelm\u00e4\u00dfig&#8220; verdienen w\u00fcrde, z\u00e4hlt es auf seine Weise doch zu den bemerkenswertesten der letzten Jahrzehnte. Aber der Reihe nach:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Einem wenig auff\u00e4lligen Fr\u00fchjahr und Sommer folgten 1995 ab Mitte August einige recht feuchte Wochen, die dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edelf%C3%A4ule\">Botrytispilz<\/a> perfekte Bedingungen boten. Dank der richtigen Kombination von nassen und trockenen Phasen entwickelte sich die Edelf\u00e4ule so sauber und ohne st\u00f6rende Schimmelarten und Bakterien wie selten.<\/p>\n<p>Bereits vor Erntebeginn waren die allermeisten Trauben zumindest teilweise von Edelf\u00e4ule befallen, die trotz bestm\u00f6glicher Auslese bei der Ernte ihre Spuren in den Weinen in Form von Honignoten und goldigen Farbt\u00f6nen bei den Wei\u00dfweinen und leicht braunen Reflexen bei den Roten hinterlassen hat.<\/p>\n<p>Beim sp\u00e4treifen Cabernet Sauvignon waren es schlie\u00dflich sogar mehr als nur Reflexe, und wir haben den Wein sp\u00e4ter gar nicht gef\u00fcllt, weil wir mit dem Hinausz\u00f6gern des Erntetermines f\u00fcr das letzte kleine Quentchen an Reife zu hoch gepokert hatten.<\/p>\n<p>Auch beim Pinot blanc war es knapp, aber es gelang uns mit gro\u00dfer Erntemannschaft an einem ganzen Lesetag gen\u00fcgend nicht (!) edelfaule Beeren herauszuzupfen, um wenigstens rund 1000 Liter trockenen Pinot keltern zu k\u00f6nnen. Aus den Botrytisbeeren entstand mehr oder weniger nebenbei eine s\u00fc\u00dfe Auslese mit rund 24\u00b0KMW.<\/p>\n<p>Beim Chardonnay war die Lage \u00e4hnlich, aber weil wir noch gen\u00fcgend Wein aus dem Jahr davor auf Lager hatten, beschlossen wir, uns die m\u00fchsame Selektion zu sparen und die Trauben noch nicht zu ernten. Wie beim restlichen Pinot blanc wollten wir\u00a0daraus sp\u00e4ter aber keine mittels\u00fc\u00dfe Auslese, sondern wenn m\u00f6glich einen hochgradigen Pr\u00e4dikatswein keltern.<\/p>\n<p>Dass das funktionieren m\u00fc\u00dfte, war absehbar, als sich die Wetterlage Ende September deutlich besserte. Schon Mitte Oktober waren die edelfaulen Beeren deutlich eingeschrumpft, und wir schritten zur Tat.<\/p>\n<p>Sowohl\u00a0in den verbliebenen Pinot blanc-Weing\u00e4rten als auch beim Chardonnay konnten wir vom ersten bis zum letzten Rebstock, von der ersten bis zur letzten Traube ohne auch nur eine Beere wegen minderwertiger F\u00e4ulnis oder nicht ausreichendem Zuckergehalt aussortieren zu m\u00fcssen alles mit einem Mostgewicht von rund 36\u00b0KMW ernten.<\/p>\n<p>Dem traditionellen Ausbruch-Verfahren folgend wurden diese Trauben eingemaischt und kurz vor dem Pressen die zuvor gemeinsam mit dem trockenen Pinot blanc geerntete Auslese zum Auslaugen des Zuckers zugegeben. Das Endresultat war ein Ausbruch von enorm hoher Qualit\u00e4t und Konzentration in einer f\u00fcr unsere Dimensionen gewaltigen Menge.<\/p>\n<p>Von beidem profitieren wir \u00fcbrigens noch heute, denn ein paar Flaschen haben wir davon immer noch zu\u00a0verkaufen, und dank der beinahe einzigartigen S\u00fc\u00dfweinqualit\u00e4t des Jahrgangs 1995 hat sich der Wein wunderbar entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Weinjahr 1995 ist das beste Beispiel daf\u00fcr, wie sinnlos Pauschalaussagen \u00fcber die Qualit\u00e4t eines Jahrgangs sind. Obwohl dieses Jahr n\u00e4mlich nach dem Witterungsverlauf und den trockenen Wei\u00df- und Rotweinen allerh\u00f6chstens das Pr\u00e4dikat &#8222;mittelm\u00e4\u00dfig&#8220; verdienen w\u00fcrde, z\u00e4hlt es auf seine Weise doch zu den bemerkenswertesten der letzten Jahrzehnte. 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