{"id":3918,"date":"2011-05-21T07:01:03","date_gmt":"2011-05-21T06:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3918"},"modified":"2011-05-21T07:04:52","modified_gmt":"2011-05-21T06:04:52","slug":"es-kommt-nicht-auf-die-grose-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3918","title":{"rendered":"Es kommt nicht auf die Gr\u00f6\u00dfe an"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3919\" style=\"border: 0px;\" title=\"G\u00e4rkeller eines der beiden Pichon-Chateaus in Bordeaux\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Foto-Kassander-der-Minoer-aus-de-wikipedia-bearbeitet.jpg\" alt=\"Foto: Kassander der Minoer aus de.wikipedia\" width=\"508\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Foto-Kassander-der-Minoer-aus-de-wikipedia-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Foto-Kassander-der-Minoer-aus-de-wikipedia-bearbeitet-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Foto: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benutzer:Kassander_der_Minoer\">Kassander der Minoer<\/a> aus <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wikipedia:Hauptseite\">de.wikipedia<\/a><\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichische Weinwirtschaft hat sich im Zuge des Strukturwandels seit den 1980er-Jahren stark ver\u00e4ndert. Tausende kleine Nebenerwerbsbetriebe haben den Weinbau aufgegeben, und viele der etwas gr\u00f6\u00dferen Betriebe sind mehr oder weniger stark gewachsen.<\/p>\n<p>War der gro\u00dfelterliche Weingartenbesitz von jeweils rund drei bis f\u00fcnf Hektar in ihrer Zeit deutlich \u00fcber dem Durchschnitt, und das daraus entstandene Weingut meiner Eltern mit knapp zehn Hektar bis in die 1990er hinein ein vergleichsweise gro\u00dfer Betrieb, so gilt man heute mit dieser Fl\u00e4che unter den qualit\u00e4tsweinproduzierenden Flaschenvermarktern schon eher als klein.<\/p>\n<p>Nicht das sich unsere Rebfl\u00e4che seit den 1960ern gar nicht ver\u00e4ndert h\u00e4tte. Immerhin haben meine Eltern seither die Zahl der Parzellen von rund 60 auf etwa 30 halbiert, auf die besten Lagen konzentriert und viele Weing\u00e4rten in schw\u00e4cheren Lagen in der Ebene aufgegeben.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu vielen anderen Betrieben, die ihre bewirtschaftete Fl\u00e4che zum Teil um ein Vielfaches gesteigert haben, sind wir dabei aber praktisch nicht gewachsen. Dass das auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung und das Verhalten der Weinbauern hat, ist klar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei unserer Betriebsgr\u00f6\u00dfe noch fast jede Arbeit vom Chef (oder seinen Eltern oder Kindern) selbst erledigt wird, geht es bei gr\u00f6\u00dferen Weing\u00fctern nicht mehr ohne fix besch\u00e4ftigte Fremdarbeitskr\u00e4fte, die nicht nur Hilfsarbeiten, sondern auch heiklere T\u00e4tigkeiten \u00fcbernehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend bei uns kleinere oder auch gr\u00f6\u00dfere Nebent\u00e4tigkeiten (z.B. bei Baut\u00e4tigkeiten oder Reparaturen) \u00f6fter selbst durchgef\u00fchrt werden, nehmen gr\u00f6\u00dfere Betriebe daf\u00fcr fast immer Fremdfirmen in Anspruch.<\/p>\n<p>Dem Betriebsf\u00fchrer bleibt dadurch mehr Zeit, sich der Kontrolle der Besch\u00e4ftigten und der Vermarktung der Weine zu widmen. W\u00e4hrend aber letzteres oft recht gut funktioniert, scheint es an ersterem da und dort zu hapern. So soll es Weing\u00fcter geben, deren von Lohnunternehmen bearbeitete Weing\u00e4rten nur im Nahbereich der Zufahrtsstra\u00dfe sorgf\u00e4ltig gepflegt, dahinter aber eher bescheiden bewirtschaftet sind.<\/p>\n<p>Am Selbstbewu\u00dftsein mangelt es hingegen selten, und in einigen F\u00e4llen konnte man sogar beobachten,\u00a0wie es mit der Rebfl\u00e4che mitgewachsen ist. Manche Kollegen, mit denen man sich vor wenigen Jahren noch auf gleicher Ebene \u00fcber aktuelle Weinbaufragen unterhalten konnte, f\u00fchren heute Gespr\u00e4che mit unsereinem eher von oben herab. Dabei geht es auch kaum noch um einen Meinungsaustausch zu Fragen der Produktion, sondern sehr sehr oft um konkrete Verkaufsabschl\u00fcsse oder Marketingfragen, die prim\u00e4r der Selbstdarstellung dienen sollen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung hat nat\u00fcrlich auch die Wahrnehmung der Weinwirtschaft von au\u00dfen ver\u00e4ndert. Immer wieder werden kleinere Betriebe oder einzelne ihrer Weine mit dem Totschlagargument &#8222;nicht marktbedeutend&#8220; einfach ausgeblendet, nur weil sie nicht zigtausend Flaschen produzieren und \u00fcber kein dichtes Vertriebsnetz verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ob die Weine tats\u00e4chlich schwer zu kriegen sind, oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle. Ich bin sicher, dass einige medial gepushte und entsprechend schnell vergriffene Weine mit einer Auflage von mehreren tausend St\u00fcck schwieriger zu besorgen sind, als zum Beispiel unser Traminer &#8222;Ober dem M\u00fchlweg&#8220;, von dem es nur knapp 600 Flaschen gibt. Die daf\u00fcr anstatt eines Fachhandelsbesuches notwendige Kontaktaufnahme via Telefon oder E-Mail sollte im Zeitalter der Telekommunikation ja kein Markthindernis sein.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck sind aber einige Kollegen, die ihre Rebfl\u00e4che deutlich vergr\u00f6\u00dfert haben nicht abgehoben. Von denen erf\u00e4hrt man im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch dann auch, welche Verantwortung und welchen Stress es bedeutet, wenn man ein mittelgro\u00dfes Unternehmen mit eigentlich v\u00f6llig unpassenden famili\u00e4ren Strukturen zu organisieren versucht, wie das in unserer Weinwirtschaft aufgrund der rasanten Entwicklung weit verbreitet ist.<\/p>\n<p>Nicht selten sieht man diesen Weinbauern den Stress auch deutlich an. Und manchmal kann man sie sogar dabei ertappen, wie sie dem zwar auch arbeitsreichen, aber \u00fcberschaubareren Leben als kleinerer, echter Familienbetrieb nachtrauern&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Kassander der Minoer aus de.wikipedia Die \u00f6sterreichische Weinwirtschaft hat sich im Zuge des Strukturwandels seit den 1980er-Jahren stark ver\u00e4ndert. Tausende kleine Nebenerwerbsbetriebe haben den Weinbau aufgegeben, und viele der etwas gr\u00f6\u00dferen Betriebe sind mehr oder weniger stark gewachsen. 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