{"id":390,"date":"2007-11-12T21:29:44","date_gmt":"2007-11-12T20:29:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=390"},"modified":"2007-11-12T21:31:46","modified_gmt":"2007-11-12T20:31:46","slug":"kalium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=390","title":{"rendered":"Kalium"},"content":{"rendered":"<p>Einer der wichtigsten N\u00e4hrstoffe f\u00fcr den Rebstock ist das Kalium. Im Verh\u00e4ltnis zu anderen Nutzpflanzen nimmt die Weinrebe deutlich mehr davon auf, ben\u00f6tigt aber daf\u00fcr z.B. vergleichsweise wenig Phosphor, neben Stickstoff der dritte Hauptn\u00e4hrstoff den die Pflanzen aus dem Boden aufnehmen.<\/p>\n<p>Ausreichend mit Kali versorgte Reben sind weniger frostanf\u00e4llig, verbl\u00fchen besser und k\u00f6nnen mit Hitze und Trockenheit besser umgehen. Auch in Trauben und Wein erf\u00fcllt Kalium wichtige Aufgaben. Es z\u00e4hlt zum Extraktgehalt, ist damit am sp\u00fcrbaren K\u00f6rper des Weines beteiligt und kann allzu hohe S\u00e4uregehalte abpuffern, weil es mit der Weins\u00e4ure reagieren kann. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Geringer N\u00e4hrstoffbedarf<\/strong><\/p>\n<p>Im Vergleich zu Getreide, Mais und Zuckerr\u00fcben ist der N\u00e4hrstoffbedarf der Weinrebe sehr gering. Das liegt vor allem daran, da\u00df wir Weinbauern eigentlich nur den Saft der Trauben n\u00fctzen, der \u00fcberwiegend aus Wasser und Zucker besteht. (Zucker enth\u00e4lt &#8222;nur&#8220; CO2 aus der Luft und Wasser und entzieht daher dem Boden keine N\u00e4hrstoffe.)<\/p>\n<p>Bl\u00e4tter und Rebholz verbleiben nach dem Rebschnitt im Weingarten, <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=351\">Trester<\/a> (ausgepre\u00dfte Traubenschalen und Stiele) und <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=372\">Gel\u00e4ger<\/a> (abgestorbene Hefezellen nach der G\u00e4rung) kommen nach der Ernte wieder zur\u00fcck und geben die darin enthaltenen N\u00e4rhstoffe beim Verrotten wieder frei.<\/p>\n<p><strong>D\u00fcngung im Weinbau<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesem Grund ist die D\u00fcngung im Weingarten kein so wichtiges Thema, wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft. Trotzdem geht es auch im Weinbau nicht ohne, denn anders als im Ackerbau gibt es im Weingarten keine echte Fruchtfolge. <\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten (und zumeist besten) Lagen sind Jahrhunderten ohne nennenswerte Unterbrechungen mit Reben bepflanzt. Auch wenn die j\u00e4hrliche Kali-Entnahme sehr gering ist, kann die Abnahme des Kaligehaltes im Boden mit der Zeit zu einem echten Problem werden. <\/p>\n<p>Fast alle B\u00f6den liefern n\u00e4mlich weit weniger Kalium durch die laufend fortschreitende Verwitterung des Muttergesteines nach, als die Rebe ben\u00f6tigt. Und obwohl Kalium anders als z.B. Stickstoff im Boden nicht sehr beweglich ist, wird ein kleiner Teil davon durch den Regen immer wieder oberfl\u00e4chlich oder ins Grundwasser ausgesp\u00fclt.<\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit ist es daher auch f\u00fcr uns Winzer ratsam, mittels Bodenanalyse den Kalium-, Phosphor- und Magnesiumgehalt unserer B\u00f6den zu kontrollieren und gegebenenfalls zu erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p><strong>Zu wenig und zu viel<\/strong><\/p>\n<p>Im allgemeinen Trend der Zeit und aufgrund der wesentlich h\u00f6heren Erntemengen wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren weit mehr ged\u00fcngt als heute. Die D\u00fcngemittel waren damals vergleichsweise billig, das Wissen \u00fcber die Bed\u00fcrfnisse der Reben nicht immer vorhanden und die Problematik von \u00dcberd\u00fcngung und N\u00e4hrstoffauswaschung unbekannt.<\/p>\n<p>Die seit Jahrhunderten ausgelaugten B\u00f6den konnten die hohen j\u00e4hrlichen N\u00e4hrstoffgaben anfangs gut aufnehmen, aber irgendwann war auch das gr\u00f6\u00dfte N\u00e4hrstoffdefizit behoben. In manchen F\u00e4llen geriet man binnen weniger Jahre von einem Extrem ins andere, von der Unterversorgung in den N\u00e4hrstoff\u00fcberschu\u00df.<\/p>\n<p>Zu hohe N\u00e4hrstoffgehalte im Boden f\u00f6rdern das Triebwachstum und den Ertrag (was f\u00fcr hochwertige Qualit\u00e4ten zum Problem werden kann) und beg\u00fcnstigen damit auch das Auftreten von Pilzkrankheiten. Ist der Boden mit einem einzelnen N\u00e4hrstoff \u00fcberproportional gut versorgt, kann dieser die Aufnahme der anderen N\u00e4hrstoffe blockieren und den Rebstock aus seinem Gleichgewicht bringen.<\/p>\n<p>Als Gegenreaktion auf diese Entwicklung wurde die Weingartend\u00fcngung in \u00d6sterreich in den 1990er-Jahren weitgehend eingestellt. Die Weinqualit\u00e4t r\u00fcckte mehr und mehr in den Vordergrund und die zur\u00fcckgenommenen Ertr\u00e4ge schienen eine D\u00fcngung obsolet zu machen. Au\u00dferdem wurden die D\u00fcngemittel deutlich teurer, w\u00e4hrend der Preis f\u00fcr einfache Weinqualit\u00e4ten aus m\u00f6glichst hohen Ertr\u00e4gen verfiel. <\/p>\n<p>Jahrelang ging alles gut. Schlie\u00dflich gab es ein enormes N\u00e4hrstoffdepot aus den 1970ern im Boden, von dem die Reben zehren konnten. Aber auch dieses Depot hielt nicht ewig und Mitte der 1990er kehrten die N\u00e4hrstoffmangel-Krankheiten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.rebschutzdienst.at\/Krankh_Schaedlinge\/Kr_Sch_Beschr_Bilder\/33_Traubenwelke\/Traubenwelke.htm\">Traubenwelke<\/a>, nach der Sorte bei der sie am h\u00e4ufigsten auftritt anfangs auch &#8222;Zweigeltkrankheit&#8220; genannt, wurde mehr und mehr zum Problem. Nach einiger Ratlosigkeit konnte die Hauptursache schlie\u00dflich doch identifiziert werden: Eine Unterversorgung mit Kalium bei gleichzeitig hohem (meist nat\u00fcrlich bedingtem) Magnesiumgehalt im Boden.<\/p>\n<p>In den Jahren des Rotwein- und damit auch des Zweigeltbooms verursachte die Traubenwelke enorme wirtschaftliche Sch\u00e4den und platzierte damit die D\u00fcnung wieder auf der Tagesordnung der Winzer. Man wird sehen, ob die Weinbauernschaft aus den Erfahrungen der 1970er-Jahre gelernt hat, oder (wieder) \u00fcberreagiert und in ein paar Jahren statt mit Kalimangel mit Kali\u00fcberschu\u00df zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<p><strong>Herbstd\u00fcngung<\/strong><\/p>\n<p>Nach drei Jahren Pause haben wir heuer wieder eine Herbstd\u00fcngung mit Kalium durchgef\u00fchrt. Angepa\u00dft an den (seit den 1970ern wissenschaftlich erforschten) j\u00e4hrlichen Bedarf der Reben und den im Boden vorhandenen Kaliumgehalt haben wir vor zwei Wochen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaliumsulfat\">Kaliumsulfat<\/a> gestreut. <\/p>\n<p>Mittlerweile ist es mit dem Regen der letzten Zeit oberfl\u00e4chlich in den Boden eingesickert. Ein hoffentlich feuchter Winter w\u00fcrde das im Boden schwer bewegliche Kalium rechtzeitig bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr in den Hauptwurzelbereich der Reben bringen.<\/p>\n<p>In ein paar Jahren werden wir erneut Bodenproben analysieren lassen, um die Wirksamkeit dieser D\u00fcngung zu \u00fcberpr\u00fcfen und das weitere Vorgehen planen zu k\u00f6nnen. Bis dahin haben wir selbstverst\u00e4ndlich auch ein Auge auf unsere Reben, die uns mit ihrer Vitalit\u00e4t nat\u00fcrlich auch dar\u00fcber Auskunft geben, ob sie ausgewogen mit N\u00e4hrstoffen versorgt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der wichtigsten N\u00e4hrstoffe f\u00fcr den Rebstock ist das Kalium. Im Verh\u00e4ltnis zu anderen Nutzpflanzen nimmt die Weinrebe deutlich mehr davon auf, ben\u00f6tigt aber daf\u00fcr z.B. vergleichsweise wenig Phosphor, neben Stickstoff der dritte Hauptn\u00e4hrstoff den die Pflanzen aus dem Boden aufnehmen. Ausreichend mit Kali versorgte Reben sind weniger frostanf\u00e4llig, verbl\u00fchen besser und k\u00f6nnen mit Hitze &#8230; <a title=\"Kalium\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=390\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Kalium\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-390","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=390"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/390\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}