{"id":3847,"date":"2011-05-02T22:02:11","date_gmt":"2011-05-02T21:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3847"},"modified":"2011-05-02T22:02:11","modified_gmt":"2011-05-02T21:02:11","slug":"leserfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3847","title":{"rendered":"Leserfragen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3848\" style=\"border: 0px;\" title=\"Austrieb\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Austrieb-mit-L\u00f6wenzahn-bearbeitet.jpg\" alt=\"Austrieb\" width=\"508\" height=\"319\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Austrieb-mit-L\u00f6wenzahn-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Austrieb-mit-L\u00f6wenzahn-bearbeitet-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Ein Blog-Leser und Hobbywinzer aus dem Weinviertel hat mir per E-Mail ein paar Fragen gestellt, deren Beantwortung ich versprochen habe, sofern ich dies \u00f6ffentlich tun darf. Voila:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em><strong>Bisher wurde der Weingarten mehrmals im Jahr durchgefr\u00e4st und zwischen den St\u00f6cken \u201egeschert\u201c. Vor\/Nachteil? \u00dcberschwemmungen hatten wir durch Regenf\u00e4lle nie.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ein l\u00e4ngerfristig offen gehaltener Boden &#8222;spart&#8220; Wasser (was man an vitaleren Reben in l\u00e4ngeren Trockenphasen merken kann), ist etwas w\u00e4rmer als begr\u00fcnter Boden (was die Reife ein klein wenig verfr\u00fchen kann) und bewirkt eine niedrigere Luftfeuchtigkeit im Weingarten (was sich m\u00f6glicherweise in einem etwas geringeren Infektionsdruck f\u00fcr beide Mehltauarten zeigen kann).<\/p>\n<p>Gerade die Fr\u00e4se (d.h. eine intensive, feinkr\u00fcmelige, seichte Bodenbearbeitung) zerst\u00f6rt aber besonders stark das Kr\u00fcmelgef\u00fcge des Bodens, was eine geringere Wasseraufnahmef\u00e4higkeit bewirken kann (womit mehr Regenwasser oberfl\u00e4chlich abflie\u00dft und gar nicht vom Boden aufgenommen wird). Au\u00dferdem bewirkt ein offener Boden (wiederum ganz besonders stark die Fr\u00e4se) einen deutlichen Humusabbau, was die Wasserspeicherf\u00e4higkeit des Bodens deutlich reduziert (weshalb begr\u00fcnte Weing\u00e4rten trotz des h\u00f6heren Wasserverbrauches in Trockenperioden oft nicht schlechter ausschauen, als offene).<\/p>\n<p>Begr\u00fcnter Boden ist au\u00dferdem nach Regen schneller und besser wieder befahrbar und reduziert die Gefahr von Bodenverdichtungen. Eine halbwegs gesteuerte Begr\u00fcnung kann N\u00e4hrstoffe (vor allem Stickstoff) dann abgeben, wenn sie die Rebe braucht, und dann binden, wenn\u00a0sie nicht ben\u00f6tigt werden (und entweder ins Grundwasser ausgewaschen w\u00fcrden, oder bei nassem Wetter vor der Ernte einen Wachstums- und damit F\u00e4ulnisschub bewirken k\u00f6nnten).<\/p>\n<p><em><strong>Welche Begr\u00fcnung?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die einfachste und billigste Variante ist eine kontrollierte (d.h. von Zeit zu Zeit gem\u00e4hte) Naturbegr\u00fcnung. Sie ben\u00f6tigt keine l\u00e4ngerfristige Strategie, kein Saatgut, keine S\u00e4technik und wenn man es sich doch anders \u00fcberlegt oder die Umst\u00e4nde es erfordern, dass man sie umbricht, ist es nicht so schade drum, weil sie ja recht schnell wiederkommt.<\/p>\n<p>Bei h\u00e4ufigem M\u00e4hen setzt sich normalerweise das Gras durch und dominiert die Begr\u00fcnung. Es k\u00f6nnen sich allerdings auch hartn\u00e4ckige Problemunkr\u00e4uter halten (die dann unter den St\u00f6cken Probleme machen und auch in der Fahrgasse nicht wirklich erw\u00fcnscht sind). Gr\u00e4serdominierte Begr\u00fcnungen sind zwar gut befahrbar, haben aber (so wird es immer wieder berichtet) trotz der seichten Wurzeln einen enorm hohen Wasserbedarf. Au\u00dferdem stabiliseren sie den Boden nicht so gut, wie tiefer wurzelnde Pflanzen, die die Humusbildung, die Bodenlockerung und das Bodenleben besser f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Ideal w\u00e4re eine gute Mischung von bl\u00fchenden Pflanzen (die das Insektenleben und damit auch die N\u00fctzlingsflora f\u00f6rdern), von solchen, die seichter und solchen die tiefer wurzeln und das ganze idealerweise auch noch m\u00f6glichst angepa\u00dft an den jeweiligen Standort.<\/p>\n<p>Wie ich erst unl\u00e4ngst gelernt habe, sollte man solche Begr\u00fcnungen m\u00f6glichst nicht oder nur wenig m\u00e4hen, sondern eher niederwalzen, damit die Pflanzen ihre Samen entwickeln k\u00f6nnen, und pl\u00f6tzliche N\u00e4hrstoffsch\u00fcbe durch eine feine Zerkleinerung vermieden werden.<\/p>\n<p>Ich selbst bin in diesem Bereich auch erst am Beginn. Wir haben seit dem Jahr 1995 eine mehr oder weniger durchgehende Naturbegr\u00fcnung, die gelegentlich gelockert und relativ oft gem\u00e4ht wird. Trotzdem w\u00e4chst nicht nur Gras und die Wurzeln gehen auch tiefer als ein paar Zentimeter. Um mehr Bl\u00fctenpflanzen in den Weingarten zu bringen, experimentieren wir seit dem Vorjahr aber auch mit Begr\u00fcnungsmischungen, derzeit vor allem mit dem Produkt <a href=\"http:\/\/www.saatbaulinz.at\/pra_showtermin.asp?id=135\">Rebenfit<\/a>. Mal sehen, was dabei rauskommt.<\/p>\n<p><em><strong>Auch zwischen den St\u00f6cken Begr\u00fcnung? Oder nur in der Fahrzeile?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wenn Weingarten und Begr\u00fcnung im Gleichgewicht sind (siehe meine Schlu\u00dfanmerkung), sollte eine Begr\u00fcnung auch unter den St\u00f6cken kein all zu gro\u00dfes Problem darstellen. In der Literatur werden dazu niedrig wachsende Kleearten und \u00e4hnliches empfohlen.<\/p>\n<p>Problem dabei ist aber nat\u00fcrlich die Frage der Bodenvorbereitung und Aussaat (die wohl nur von Hand m\u00f6glich ist), sowie das M\u00e4hen, denn unter den St\u00f6cken mu\u00df die Begr\u00fcnung auf jeden Fall niedrig gehalten werden. Weiteres dazu gibt es in der Antwort zur n\u00e4chsten Frage.<\/p>\n<p><em><strong>Soll man nur einmal am Ende des Jahres bei den St\u00f6cken anh\u00e4ufen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wenn man nur einmal anh\u00e4ufelt und dazwischen &#8222;naturbegr\u00fcnt&#8220;, wird das abh\u00e4ufeln im Fr\u00fchjahr von Jahr zu Jahr schwieriger, weil sich mit der Zeit Problemunkr\u00e4uter festsetzen. Andererseits ist h\u00e4ufigeres Bodenbearbeiten unter den St\u00f6cken auch nicht ohne. Mechanisch (mit an- und abh\u00e4ufeln oder normalem Stockr\u00e4umger\u00e4t) ist der Arbeitsaufwand hoch und st\u00e4ndige kleine Stockverletzungen sind kaum zu vermeiden. Herbizide verringern den Aufwand, verursachen keine Stockverletzungen, sind aber auch nicht jedermanns Sache.<\/p>\n<p><em><strong>Ist es sinnvoll Bodenproben analysieren zu lassen \u2013 wenn ja wo?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist es nat\u00fcrlich sinnvoll, zu wissen, mit welchem Boden und welcher N\u00e4hrstoffversorgung man es zu tun hat. Ob die Kosten und der Aufwand f\u00fcr ein Hobby notwendig sind, kann ich jedoch nicht entscheiden. Zumal man so ein Ergebnis auch richtig interpretieren k\u00f6nnen sollte, um wirklich damit etwas anfangen\u00a0zu k\u00f6nnen.\u00a0Untersuchungen macht z. B.die \u00a0<a href=\"http:\/\/www.ages.at\/ages\/landwirtschaftliche-sachgebiete\/boden\/bodenuntersuchung\/\">AGES<\/a>. Allerdings w\u00fcrde ich die D\u00fcngeempfehlungen der heimischen Anstalten, die man gemeinsam mit dem Untersuchungsergebnis erh\u00e4lt eher mit Vorsicht genie\u00dfen. Meist sind sie &#8211; vorsichtig formuliert &#8211; eher gro\u00dfz\u00fcgig bemessen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Achtung!<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Wie hoffentlich in meinen Antworten ersichtlich ist, gibt es (auch) im Bereich Boden und Begr\u00fcnung kein Patentrezept. Ohne genaue Kenntnis des Weingartens und seiner (D\u00fcngungs-, Bodenbearbeitungs- und Ertrags-) Geschichte, seines Bodens und dem aktuellen Stand der W\u00fcchsigkeit sind Infos wie die meinen nicht besonders viel wert.<\/p>\n<p>Wenn z.B. der Humusgehalt des Bodens durch eine langj\u00e4hrige Fr\u00e4senbewirtschaftung bereits sehr weit abgesunken ist, sollte man zuerst mit Komposten und anderen Mitteln versuchen, den Boden wieder etwas aufzup\u00e4ppeln, bevor man sich an einer ernsthafte Begr\u00fcnung wagt. Besonders abrupte Umstellungen der Bewirtschaftungen gehen meist ins Auge und f\u00fchren zu schlechteren Resultaten (besonders, was die Traubenqualit\u00e4t betrifft),\u00a0als eine Weiterf\u00fchrung des vielleicht nicht idealen, aber bew\u00e4hrten Systems.<\/p>\n<p>Es ist deshalb wohl besser, einen Winzer vor Ort zu kontaktieren. Am besten einen, der bereits Erfahrungen mit der Umstellung von offenen auf begr\u00fcnte B\u00f6den hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blog-Leser und Hobbywinzer aus dem Weinviertel hat mir per E-Mail ein paar Fragen gestellt, deren Beantwortung ich versprochen habe, sofern ich dies \u00f6ffentlich tun darf. 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