{"id":381,"date":"2007-10-29T16:06:19","date_gmt":"2007-10-29T15:06:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=381"},"modified":"2007-10-29T16:06:19","modified_gmt":"2007-10-29T15:06:19","slug":"uhudler-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=381","title":{"rendered":"Uhudler-Wasser"},"content":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen kam ich eher zuf\u00e4llig zu einem Schluck <a href=\"http:\/\/www.voeslauer.com\/1_4_2_11_rotetraube.html\">V\u00f6slauer Balance Rote Traube<\/a>, einem Mineralwasser-Getr\u00e4nk mit geringen Anteilen von Traubensaft und nat\u00fcrlichen Aromen.<\/p>\n<p>Eigentlich war es eine klassische Blindverkostung, denn ich hatte keine Ahnung, was ich da \u00fcberhaupt trinke. Und das hat sich auch nach der Verkostung nicht wirklich ge\u00e4ndert, denn mit den roten (eigentlich blauen) Trauben, die ich kenne, hat das Produkt wenig gemein.<\/p>\n<p>Nach l\u00e4ngerem Nachdenken bin ich der Sache aber dann doch ein wenig auf die Schliche gekommen. Das Getr\u00e4nk erinnert n\u00e4mlich sehr wohl an Trauben, allerdings an solche von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hybridrebe\">Hybrid-Reben<\/a>, von denen wir als Tafeltrauben und Zierpflanzen auch ein paar herumstehen haben. <!--more--><\/p>\n<p>Die Weinbereitung aus diesen Reben wurden in \u00d6sterreich (und auch in den meisten anderen L\u00e4ndern Europas) in den 1920er-Jahren verboten. Offiziell aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden, weil die Weine von Hybridreben mehr Methanol (nicht Ethanol, den &#8222;normalen&#8220; Alkohol) enthalten als Weine aus europ\u00e4ischen Edelrebsorten. <\/p>\n<p>In Wahrheit aber vor allem aus qualitativen Gr\u00fcnden, weil diese Weine zwar durchaus angenehm schmecken k\u00f6nnen, aber in Stil, Qualit\u00e4t, Komplexit\u00e4t und Lagerf\u00e4higkeit den Weinen aus edlen Rebsorten unterlegen sind. Und eigentlich eher wie k\u00fcnstlich aromatisierte Erdbeer- oder Himbeerweine schmecken, obwohl sie aus Trauben erzeugt werden.<\/p>\n<p>Die Hybrid- oder auch Direkttr\u00e4gerreben sind Relikte aus der Zeit der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts. Damals hat man mit der Z\u00fcchtung dieser Reben erfolgreich versucht, die Widerstandskraft der amerikanischen Wildreben gegen die von Amerika nach Europa eingeschleppte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reblaus\">Reblaus<\/a> mit der F\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Reben gro\u00dfe, saftige Trauben zu tragen zu verbinden.<\/p>\n<p>Anders als die Edelrebsorten m\u00fcssen Direkttr\u00e4ger nicht auf amerikanische <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterlagsrebe\">Unterlagsreben<\/a> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pflanzenveredelung\">veredelt<\/a> werden, um reblausfeste Wurzeln zu haben. Sie tragen direkt, d.h. unveredelt Trauben und sterben nicht an der Reblaus ab. Auch sonst sind die Direkttr\u00e4ger sehr robust und wuchskr\u00e4ftig und wurden deshalb zu Beginn des 20. Jahrhunderts von vielen Winzern den alten europ\u00e4ischen Edelrebsorten vorgezogen. Auch meine Gro\u00dfeltern bewirtschafteten bis in die 1960er-Jahre zumindest noch einen Weingarten, der \u00fcberwiegend mit solchen Reben bestockt war.<\/p>\n<p>Bis in die 1990er Jahre sind in einer entlegenen Ecke des S\u00fcdburgenlandes noch rund 15 Hektar Direkttr\u00e4ger-Reben erhalten geblieben, die seit 1992 auch wieder offiziell (wenn auch sehr eingeschr\u00e4nkt) als Wein vermarktet werden d\u00fcrfen. Bis dahin hat die Aura des Verbotenen aber dazu gef\u00fchrt, da\u00df fast jeder \u00d6sterreicher den Namen dieses Weines (der \u00fcbrigens aus verschiedenen Sorten wie Concord, Noah und Isabella gewonnen wird) schon einmal geh\u00f6rt hat: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uhudler\">Uhudler<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen kam ich eher zuf\u00e4llig zu einem Schluck V\u00f6slauer Balance Rote Traube, einem Mineralwasser-Getr\u00e4nk mit geringen Anteilen von Traubensaft und nat\u00fcrlichen Aromen. 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