{"id":3612,"date":"2011-02-08T22:23:27","date_gmt":"2011-02-08T21:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3612"},"modified":"2011-02-08T22:30:09","modified_gmt":"2011-02-08T21:30:09","slug":"es-hat-nicht-sollen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3612","title":{"rendered":"Es hat nicht sollen sein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3611\" style=\"border: 0px;\" title=\"Quelle: gis.bgld.gv.at\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Satzwiesort.jpg\" alt=\"Quelle: gis.bgld.gv.at\" width=\"508\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Satzwiesort.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Satzwiesort-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Die M\u00f6rbischer Weing\u00e4rten sind extrem kleinstrukturiert und auf Parzellen von durchschnittlich (gesch\u00e4tzten) 1500 m2 aufgeteilt. Die allermeisten Grundst\u00fccke sind nur wenige Meter breit, daf\u00fcr aber mitunter mehrere hundert Meter lang.<\/p>\n<p>Als meine Eltern die Betriebe ihrer Eltern \u00fcbernommen haben, waren die knapp 10 Hektar auf rund 60 Weing\u00e4rten im Umkreis von etwa 4 km verteilt.<\/p>\n<p>Diese besondere Situation hat mehrere Ursachen:\u00a0Im Burgenland als Teil der ungarischen K.u.k.-H\u00e4lfte wurde der Besitz eines Verstorbenen gleichm\u00e4\u00dfig auf alle Nachkommen aufgeteilt, w\u00e4hrend im \u00f6sterreichischen Teil oft nur der \u00e4lteste Sohn einen Bauernhof erben durfte, und die Geschwister mehr oder weniger finanziell abgefunden wurden.<\/p>\n<p>Da Weingartenfl\u00e4chen immer schon begehrter waren, als Ackerfl\u00e4chen, wurden diese bei der Betriebs\u00fcbergabe (der L\u00e4nge nach) geteilt. Damit wurde der Gerechtigkeit gen\u00fcge getan, und jedem ein St\u00fcck jeder Parzelle vermacht.<\/p>\n<p>Und weil M\u00f6rbisch in den 100 Jahren nach der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bauernbefreiung\">Bauernbefreiung<\/a> Mitte des 19. Jahrhunderts einen enormen Bev\u00f6lkerungszuwachs erlebt hat, gab es immer sehr viele Erben und dementsprechend viele (und immer kleiner werdende) Teilparzellen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Erst ab den 1960er-Jahren fand diese besondere Form der Erbteilung ein Ende. Sp\u00e4testens dann, als dank steigender (\u00dcber-)Produktionsmengen der Wert von Wein und Weing\u00e4rten und damit auch das Interesse der Erben deutlich abnahm.<\/p>\n<p>Der Schaden war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon entstanden, denn abgesehen von einer gewissen Risikostreuung bei Hagel oder Frost bietet eine derart zersplitterte Weingartenfl\u00e4che f\u00fcr ein modernes Weingut nur Nachteile.<\/p>\n<p>Die Wegzeiten zwischen den Parzellen, die hohe Zahl an Leerfahrten, die sich aus der Bewirtschaftung von Randreihen ergibt, die Schwierigkeit, einen \u00dcberblick \u00fcber Gesundheitszustand und Reifeverlauf aller Weing\u00e4rten zu bewahren, und, und, und.<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es kaum Bestrebungen, die Parzellenstruktur zu verbessern. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zusammenlegung\">Flurbereinigungen<\/a> im gro\u00dfen Stil, wie sie bei Ackerfl\u00e4chen und in Deutschland auch in Weinrieden gang und g\u00e4be sind, wurden (zum Gl\u00fcck, wenn man deren negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild kennt) nie angedacht. Zu unterschiedlich waren wohl die Interessen der Besitzer (z.B. von jungen und alten Weing\u00e4rten), zu wenig vergleichbar die Qualit\u00e4t der Bodenstrukturen einzelner (Teil-)Parzellen.<\/p>\n<p>Aber auch auf privater Ebene tat und tut sich wenig. Nur mein Vater ist seit 40 Jahren aktiv und hat vorwiegend durch den Tausch von Grundst\u00fccken Jahr f\u00fcr Jahr unsere durchschnittliche Parzellengr\u00f6\u00dfe bis heute verdoppelt: Die 10 Hektar verteilen sich derzeit nur noch auf 29 Weing\u00e4rten.<\/p>\n<p>Um die Zustimmung der Tauschpartner (und damit eine benachbarte Parzelle) zu erhalten, bietet er ihnen entweder ein etwas gr\u00f6\u00dferes Grundst\u00fcck an, eine etwas bessere oder verkehrsg\u00fcnstiger gelegene Lage oder einen j\u00fcngeren Weingarten in besserem Zustand.<\/p>\n<p>In den 80er-Jahren hat er einmal sogar ein neu bepflanztes Grundst\u00fcck vertauscht, unmittelbar nach den arbeits- und kostenintensiven ersten beiden Jahren, aber noch vor der Jungfernernte. Da wir auf diese Weise eine L\u00fccke zwischen zwei unserer Weing\u00e4rten schlie\u00dfen konnten, war es die Sache trotzdem wert.<\/p>\n<p>Trotz guter Angebote hatte mein Vater aber nicht immer Gl\u00fcck. Manche Grundst\u00fccksbesitzer handeln nicht wirklich rational (was nat\u00fcrlich ihr gutes Recht ist) und verzichten z.B. f\u00fcr emotionale Werte (&#8222;Erbteil von Tante Sowieso&#8220;) auf einen finanziellen Gewinn.<\/p>\n<p>So sind auch in den letzten Tagen wieder einmal ein Tauschprojekt und der Zukauf einer winzigen Nachbarparzelle mi\u00dflungen. Es hat nicht sollen sein, kann man sich da nur sagen.<\/p>\n<p>Aber zumindest im ortsinternen Vergleich sind wir ohnehin schon recht gut aufgestellt, und au\u00dferdem gibt es da schon wieder eine neue Idee&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die M\u00f6rbischer Weing\u00e4rten sind extrem kleinstrukturiert und auf Parzellen von durchschnittlich (gesch\u00e4tzten) 1500 m2 aufgeteilt. Die allermeisten Grundst\u00fccke sind nur wenige Meter breit, daf\u00fcr aber mitunter mehrere hundert Meter lang. Als meine Eltern die Betriebe ihrer Eltern \u00fcbernommen haben, waren die knapp 10 Hektar auf rund 60 Weing\u00e4rten im Umkreis von etwa 4 km verteilt. &#8230; <a title=\"Es hat nicht sollen sein\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3612\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Es hat nicht sollen sein\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-3612","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstige-weinberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3612","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3612"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3612\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3619,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3612\/revisions\/3619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3612"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3612"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3612"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}