{"id":3600,"date":"2011-02-05T00:26:00","date_gmt":"2011-02-04T23:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3600"},"modified":"2011-02-05T11:04:49","modified_gmt":"2011-02-05T10:04:49","slug":"die-angst-vor-dem-markt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3600","title":{"rendered":"Die Angst vor dem Markt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1297\" style=\"border: 0px;\" title=\"Junge Reben am Goldberg\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/pflanzung11-komprimiert.jpg\" alt=\"Junge Reben am Goldberg\" \/><\/p>\n<p>Neben den <a href=\"http:\/\/winzerblog.de\/spiegel-online-zucker-seehofer-grober-unfug-1314\/\">Auswirkungen auf die Weinbereitung<\/a> und <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1102\">die grundlegende Reform des Bezeichnungsrechtes<\/a> stand die ebenfalls mit der <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=412\">EU-Weinmarktordnung<\/a> beschlossene Abschaffung der Pflanzrechte im Jahr 2015 bisher weitgehend im Schatten der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend derzeit alle Weinbaufl\u00e4chen <span style=\"text-decoration: line-through;\">in manchen S\u00fcdl\u00e4ndern eher schlecht als recht<\/span> eu-weit katalogisiert sind, und nur Grundst\u00fccke mit Reben bepflanzt\u00a0werden d\u00fcrfen,\u00a0auf die ein Pflanzrecht eingetragen ist oder von anderer Stelle transferiert wurde, soll die Errichtung neuer Weing\u00e4rten in wenigen Jahren keiner Beschr\u00e4nkung mehr unterliegen.<\/p>\n<p>Diese Bestimmung wurde offenbar von liberalen Kr\u00e4ften bei <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=171\">den Verhandlungen zur Weinmarktreform<\/a> durchgesetzt, w\u00e4hrend die konservative Gegenseite gleichzeitig ein gro\u00df angelegtes und finanziertes Rodungsprogramm zur \u00dcberschu\u00dfbek\u00e4mpfung in das Papier reklamiert hat.<\/p>\n<p>Dass die gef\u00f6rderte Rodung durch eine Abschaffung der Fl\u00e4chenregulierung ein paar Jahre sp\u00e4ter wohl weitgehend wieder wettgemacht werden wird, und die Pr\u00e4mien deshalb <span style=\"text-decoration: line-through;\">hinausgeschmissenes Geld<\/span> kaum l\u00e4ngerfristig wirksam sein werden, f\u00e4llt unter EU-Verhandlungslogik.<\/p>\n<p>Vielleicht haben die Gegner der Liberalisierung damals aber auch schon spekuliert, die Rebfl\u00e4chenliberalisierung noch vor ihrem Inkrafttreten zu Fall bringen zu k\u00f6nnen. Auf jeden Fall haben sie rechtzeitig vor der geplanten Evaluierung der Weinmarktordnung im kommenden Jahr begonnen, mit allen Mitteln dagegen Stimmung zu machen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wuertz-wein.de\/wordpress\/2011\/01\/12\/widerspruch-frau-klockner\/\">Die deutsche Weinbaupolitik sch\u00fcrt dabei gerne die Angst vor dem Verfall der Steillagen<\/a>, wenn es gegen die Abschaffung der Pflanzrechte geht. Und ein namhafter \u00f6sterreichischer Weinbaupolitiker warnte unl\u00e4ngst vor zersplitterten Weingartenfluren und einem unkoordinierten Wildwuchs an Rebfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es bei unseren Nachbarn aber durchaus <a href=\"http:\/\/wuertz-wein.de\/wordpress\/2011\/01\/20\/moselwinzer-sehen-chance-in-eu-reform\/\">Widerspruch gegen diese Art der Argumentation<\/a> gibt, <a href=\"http:\/\/wuertz-wein.de\/wordpress\/2011\/01\/20\/das-moselpapier-und-die-konsequenzen\/#more-3506\">der auch auf \u00f6ffentliches Interesse st\u00f6\u00dft<\/a>, ist es in den heimischen Weinbauregionen diesbez\u00fcglich sehr sehr ruhig.<\/p>\n<p>Dabei zeigt die Realit\u00e4t Tag f\u00fcr Tag, wie wenig die (noch) geltenden Beschr\u00e4nkungen den Verfall von schwierig zu bewirtschaftenden Lagen und die Zersplitterung der Weingartenfluren durch den Strukturwandel verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch w\u00e4re \u00d6sterreichs Weinbaugeschichte in den letzten 30 Jahren wohl nicht wesentlich anders verlaufen, wenn man Anfang der 80er-Jahre keine Fl\u00e4chenbeschr\u00e4nkung beschlossen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Immerhin kamen der Verfall der Trauben- und Fa\u00dfweinpeise und der Weinskandal trotz Fl\u00e4chenbeschr\u00e4nkung. Und der von einem stark ver\u00e4nderten Konsumverhalten (also dem &#8222;Markt&#8220;) beschleunigte Strukturwandel hat sich als wesentlich wirksamerer Steuerungsmechanismus der Rebfl\u00e4che (des &#8222;Angebotes&#8220;) entpuppt, als staatliche Beschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Obwohl n\u00e4mlich f\u00fcr einige 1000 Hektar mehr Pflanzrechte vorhanden w\u00e4ren, ist \u00d6sterreichs Rebfl\u00e4che heute nur (noch) so gro\u00df, dass sie bei durchschnittlichen Erntemengen ziemlich genau den heimischen Weinbedarf deckt.<\/p>\n<p>Dieses Gleichgewicht h\u00e4tte sich \u00fcbrigens noch schneller eingestellt, wenn die Politik auf nicht selten wahltaktisch motivierte &#8222;Hilfsaktionen&#8220; wie das Aufkaufen von \u00dcberschu\u00dfweinen, Pr\u00e4mien f\u00fcr die Rodung von Weing\u00e4rten oder die Vernichtung von Trauben um teures (Steuer-)Geld verzichtet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kommen solche Marktinterventionen nur zustande, wenn es gen\u00fcgend Weinbauern gibt, die der (in \u00d6sterreich durchaus weit verbreiteten) Meinung sind, der Staat w\u00e4re f\u00fcr das eigene Schicksal hauptverantwortlich.<\/p>\n<p>Dass die Weinbaupolitik aber immer wieder gerne auf dementsprechende Meinungen h\u00f6rt (oder sie in vorauseilendem Gehorsam bei diversen Beschl\u00fcssen vorwegnimmt), zeugt von einer tiefsitzenden Abneigung der Entscheidungstr\u00e4ger gegen liberale(re) Produktionsbedingungen.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt das am historisch bedingt schwierigen Verh\u00e4ltnis der gesamten Landwirtschaft zum Markt. Obwohl\u00a0der Weinbau eigentlich jene Agrarbranche ist, die sich\u00a0dank der enormen Veredelungsm\u00f6glichkeiten ihres Rohproduktes Traube am ehesten ohne Interventionen &#8222;von oben&#8220; behaupten kann.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist es\u00a0aber auch die Angst vor dem Macht- und Kontrollverlust, wenn selbstbewu\u00dft agierende Weinbauern einen St\u00fcck mehr ihres wirtschaftlichen Umfeldes gestalten k\u00f6nnen, ohne auf die Agrarb\u00fcrokratie angewiesen zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben den Auswirkungen auf die Weinbereitung und die grundlegende Reform des Bezeichnungsrechtes stand die ebenfalls mit der EU-Weinmarktordnung beschlossene Abschaffung der Pflanzrechte im Jahr 2015 bisher weitgehend im Schatten der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung. W\u00e4hrend derzeit alle Weinbaufl\u00e4chen in manchen S\u00fcdl\u00e4ndern eher schlecht als recht eu-weit katalogisiert sind, und nur Grundst\u00fccke mit Reben bepflanzt\u00a0werden d\u00fcrfen,\u00a0auf die ein &#8230; <a title=\"Die Angst vor dem Markt\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3600\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Die Angst vor dem Markt\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-3600","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstige-weinberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3600"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3609,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3600\/revisions\/3609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}