{"id":3431,"date":"2010-12-28T00:19:56","date_gmt":"2010-12-27T23:19:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3431"},"modified":"2010-12-28T00:19:56","modified_gmt":"2010-12-27T23:19:56","slug":"weinrallye-40-autochthone-rebsorten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3431","title":{"rendered":"Weinrallye #40: Autochthone Rebsorten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Weinrallye\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/weinrallye-logo-gros-mit-text.thumbnail.jpg\" alt=\"Weinrallye\" width=\"128\" height=\"74\" \/>Heute ist wieder Wein(blog)rallye-Tag, und\u00a0alle deutschsprachigen <a href=\"http:\/\/www.genussblogs.net\">Genussblogger<\/a>, die Lust dazu haben, befassen sich auf <a href=\"http:\/\/hausmannskost.wordpress.com\/2010\/11\/23\/weinrallye-40-autochthone-rebsorten\/\">Vorschlag<\/a> von <a href=\"http:\/\/hausmannskost.wordpress.com\">Hausmannskost<\/a> mit autochthonen Rebsorten.<\/p>\n<p>Streng genommen geht es also um Sorten, die dort, wo sie heute gepflegt werden auch ihren biologischen Ursprung haben. Aber weil die Evolutionsgeschichte der\u00a0Rebsorten vor dem 18. oder 19. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln liegt (und mangels fundierter Quellen und dank unz\u00e4hliger richtig und falsch gebrauchter Namenssynonyme wohl auch bleiben wird), gen\u00fcgt es f\u00fcr die Rallye, wenn die Sorten einer Region eine lange, pr\u00e4gende Tradition haben.<\/p>\n<p>Im Burgenland trifft das eigentlich nur auf den Blaufr\u00e4nkisch zu, der im Unterschied zur traditionellen wei\u00dfen Sortenvielfalt lange Zeit in den meisten Orten die einzige in nennenswertem Umfang gepflanzte (und damit pr\u00e4gende)Rotweinsorte war.<\/p>\n<p>Nachdem ich dem Blaufr\u00e4nkisch aber schon anl\u00e4\u00dflich der 22. Weinrallye-Etappe <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1240\">diesen<\/a> umfangreichen Beitrag gewidmet habe, schreibe ich diesmal \u00fcber die traditionellen Wei\u00dfweinsorten meiner Heimat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3433\" style=\"border: 0px;\" title=\"Erntemeldung 1939\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Erntemeldung-1939-komprimiert.jpg\" alt=\"Erntemeldung 1939\" width=\"508\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Erntemeldung-1939-komprimiert.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Erntemeldung-1939-komprimiert-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Ausgangspunkt daf\u00fcr ist das am einfachsten aufzutreibende historische Dokument, auf dem auch Rebsorten verzeichnet sind: Die Erntemeldung f\u00fcr den Jahrgang 1939 meines Urgro\u00dfvaters.<\/p>\n<p>Darauf sind in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Kurrentschrift\">Kurrentschrift<\/a>\u00a0folgende\u00a0Sorten erw\u00e4hnt: Gr\u00fcner\u00a0Veltliner, Neuburger, Furmint, Welschriesling,\u00a0Muskat\u00a0Ottonel, Silberwei\u00df und\u00a0Burgunder blau\u00a0(die damals\u00a0in der Region g\u00e4ngige, aber falsche Bezeichnung f\u00fcr den\u00a0Blaufr\u00e4nkisch).<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcner Veltliner<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es angesichts der weinmedialen Pr\u00e4senz Nieder\u00f6sterreichs schon in Vergessenheit zu geraten droht, ist der <a href=\"http:\/\/www.oesterreichwein.at\/unser-wein\/oesterreichs-rebsorten\/weisswein\/gruener-veltliner\/\">Gr\u00fcne Veltliner<\/a> auch eine Traditionssorte des Burgenlandes. Vielleicht hat er ja sogar hier seinen Ursprung, denn immerhin wurde (wie <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1629\">hier<\/a> berichtet) bei Eisenstadt der wahrscheinlich letzte Rebstock seines zweiten Elternteils (neben dem Traminer) entdeckt.<\/p>\n<p>Trotz Rotweinboom und Umstrukturierung ist er (etwa ex aequo mit dem Welschriesling) noch immer mit mehr als 10 Prozent die meistangepflanzte Wei\u00dfweinsorte. Sein Potential zum Spitzenwein wird rund um den Neusiedlersee zwar nur selten gen\u00fctzt, aber auch im Bereich der Basis- und Mittelklasse stellt er seine Eignung f\u00fcr den pannonischen Raum unter Beweis.<\/p>\n<p>So unterschiedlich die Jahrg\u00e4nge auch sein m\u00f6gen, ob hei\u00df und trocken oder na\u00dfkalt, der Gr\u00fcne Veltliner bringt zuverl\u00e4ssig seine Qualit\u00e4t und seinen Ertrag.\u00a0Er ist widerstandsf\u00e4hig gegen F\u00e4ulnis (was f\u00fcr den Ausbau von trockenen Weinen in einem Botrytisgebiet ein unsch\u00e4tzbarer Vorteil ist) und pflegeleicht im Keller.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deshalb haben wir ihm in unserem Qualit\u00e4tsweinsegment den Vorzug gegen\u00fcber dem Welschriesling gegeben und werden uns auch weiterhin um ihn bem\u00fchen.<\/p>\n<p><strong>Neuburger<\/strong><\/p>\n<p>Der Legende nach stammt der <a href=\"http:\/\/www.oesterreichwein.at\/unser-wein\/oesterreichs-rebsorten\/weisswein\/neuburger\/\">Neuburger<\/a> von einem B\u00fcndel Reben, das von der Donau in der Wachau an Land gesp\u00fclt wurde. Wie der Veltliner hat auch er im Burgenland eine Heimat gefunden, aber anders als dieser ist er dabei seine fr\u00fchere Bedeutung nahezu v\u00f6llig einzub\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Dabei kann der Neuburger zweifellos hervorragende und gebietstypische Weine erbringen. Er tut es aber im Vergleich zu anderen Sorten viel zu selten, und das liegt nicht (nur) an den Weinbauern.<\/p>\n<p>Nach dem mit ihr getriebenen Schindluder in den 70er- und 80er-Jahren ist auch das Image der Sorte trotz des sich alle paar Jahre wiederholenden medialen Trommelwirbels zur Einleitung einer Neuburger-Renaissance nach wie vor im Keller.<\/p>\n<p>Diese\u00a0besondere Kombination von hohem Pflegeaufwand,\u00a0stark schwankendem Ertrags- und\u00a0Qualit\u00e4tsniveau UND schwieriger\u00a0Marktsituation haben nicht nur uns dazu gebracht, die\u00a0Sorte\u00a0zu roden.<\/p>\n<p><strong>Furmint<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl unsere Erntemeldung 1939 sogar noch mehr <a href=\"http:\/\/www.oesterreichwein.at\/unser-wein\/oesterreichs-rebsorten\/weisswein\/furmint\/\">Furmint<\/a> ausweist, als Blaufr\u00e4nkisch, ist diese alte pannonische Sorte wenige Jahrzehnte danach im Burgenland so gut wie ausgestorben.<\/p>\n<p>Dass es so gekommen ist, hat wohl auch mit den hohen Ertragserwartungen der 60er- und 70er-Jahre zu tun, die die Sorte nicht erf\u00fcllen konnte. Und obwohl sich die Kollegen im benachbarten Rust seit einigen Jahren wieder ein wenig um den Furmint bem\u00fchen, ist eine Wiederauferstehung im gr\u00f6\u00dferen Stil nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Zwar halten ihn manche wegen seiner hohen S\u00e4ure besonders f\u00fcr das trockene pannonische Klima geeignet, aber der heutzutage pr\u00e4ferierte trockene Weinstil scheint dem Furmint nicht wirklich zu liegen. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich nicht vor, nach mehr als 50 Jahren in absehbarer Zeit wieder Furmint zu keltern.<\/p>\n<p><strong>Welschriesling<\/strong><\/p>\n<p>Auch der <a href=\"http:\/\/www.oesterreichwein.at\/unser-wein\/oesterreichs-rebsorten\/weisswein\/welschriesling\/\">Welschriesling<\/a> hat eine lange, durchaus pr\u00e4gende Tradition in Mittelosteuropa. Sp\u00e4treif und s\u00e4urereich pa\u00dft er ins vorherrschende Klima, und anders als der Furmint kann er auch durchaus elegante, feingliedrige trockene Weine erbringen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Gr\u00fcnen Veltliner zeigen sich seine St\u00e4rken jedoch vorwiegend im Bereich der leichten Sommerweine oder bei den edels\u00fc\u00dfen Pr\u00e4dikaten. Ausdrucksstarke trockene Weine mit entsprechendem K\u00f6rper gelingen dem Welschriesling nur selten.<\/p>\n<p>Aber auch bei den alkoholschw\u00e4cheren Sortenvertretern findet man kaum noch\u00a0hochwertige, typische Weine seit viele Kellermeister glauben, dem von Natur aus zarten Welschrieslingbukett mit zuckerlhaften Kaltg\u00e4raromen auf die Spr\u00fcnge helfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bleiben also die Hochpr\u00e4dikate, dort kann der Welschriesling zweifellos Weltklasseniveau erreichen. Wei\u00dfburgunder und Chardonnay, die in Jahren ohne ausreichenden Edelf\u00e4ulebefall als trockene Weine hochwertiger und besser zu vermarkten sind aber auch&#8230;<\/p>\n<p>In unserem Betrieb hat der Welschriesling nach einer Bl\u00fctezeit in den 80ern und 90ern stark an Bedeutung verloren. Angesichts des abnehmenden Bedarfes an unkomplizierten Wei\u00dfen haben wir unser\u00a0Qualit\u00e4tsweinsortiment in diesem Bereich auf eine Sorte reduziert und dabei dem meiner Meinung nach zuverl\u00e4ssigeren und besseren Veltliner den\u00a0Vorzug gegeben.<\/p>\n<p>Von den noch bestehenden Weing\u00e4rten keltern wir einen einfachen Landwein, und da sich auch unser S\u00fc\u00dfweinbedarf in Grenzen h\u00e4lt, werden wir sie wohl nicht ersetzen, wenn sie in einigen Jahren zur Rodung anstehen.<\/p>\n<p><strong>Muskat Ottonel<\/strong><\/p>\n<p>In meinem Heimatort kann der an und f\u00fcr sich weit verbreitete <a href=\"http:\/\/www.oesterreichwein.at\/unser-wein\/oesterreichs-rebsorten\/weisswein\/muskat-ottonel\/\">Muskat Ottonel<\/a> durchaus als autochthon gelten. Verhalf er M\u00f6rbisch doch von den 50er- bis zu den 80er-Jahren zu \u00fcberregionaler Bekanntheit.<\/p>\n<p>Was damals und seither passiert ist, kann man <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2771\">hier<\/a> in meinem Beitrag zur 33. Weinrallye-Etappe nachlesen. Zumindest in unserem Betrieb erlebt die Sorte seit ein paar Jahren einen neuen H\u00f6henflug.<\/p>\n<p><strong>Silberwei\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Auch\u00a0die traditionelle Rebsorte\u00a0&#8222;Silberwei\u00df&#8220; nahezu verschwunden, aber anders der Furmint ist sie bis heute in denK\u00f6pfen der (\u00e4lteren) M\u00f6rbischer Weinbauern pr\u00e4sent. Da und dort finden sich in \u00e4lteren Weing\u00e4rten auch noch einzelne St\u00f6cke, und ein oder zwei Kollegen pflegen bis heute reinsortige &#8222;Silberwei\u00df&#8220;-Weing\u00e4rten.<\/p>\n<p>Erst vor wenigen Jahren sind wir draufgekommen, dass unser &#8222;Silberwei\u00dfer&#8220; mit dem in Luxemburg und an der Mosel verbreiteten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elbling\">Elbling<\/a> ident sein d\u00fcrfte, der als \u00e4lteste Sorte Europas gilt.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen, s\u00e4urereichen und wenig geschmacksintensiven Trauben lassen zwar keine weinqualitative Offenbarung erwarten, aber wir \u00fcberlegen dennoch aus Gr\u00fcnden der Traditionspflege wenigstens ein paar alte St\u00f6cke weiterzuvermehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist wieder Wein(blog)rallye-Tag, und\u00a0alle deutschsprachigen Genussblogger, die Lust dazu haben, befassen sich auf Vorschlag von Hausmannskost mit autochthonen Rebsorten. Streng genommen geht es also um Sorten, die dort, wo sie heute gepflegt werden auch ihren biologischen Ursprung haben. Aber weil die Evolutionsgeschichte der\u00a0Rebsorten vor dem 18. oder 19. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln liegt (und &#8230; <a title=\"Weinrallye #40: Autochthone Rebsorten\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3431\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Weinrallye #40: Autochthone Rebsorten\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3431","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weinrallye"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3431"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3444,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3431\/revisions\/3444"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}