{"id":340,"date":"2007-09-08T21:12:11","date_gmt":"2007-09-08T20:12:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=340"},"modified":"2007-09-08T21:12:11","modified_gmt":"2007-09-08T20:12:11","slug":"mit-einem-blauen-auge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=340","title":{"rendered":"Mit einem blauen Auge?"},"content":{"rendered":"<p>Wie bereits gestern angek\u00fcndigt, haben wir heute erstmals nach <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=333\">dem gro\u00dfen Regen<\/a> die Trauben begutachtet, die noch zu lesen sind. Dabei haben wir festgestellt, da\u00df der Schaden durch den Regen im Moment (noch?) nicht so schlimm zu sein scheint.<\/p>\n<p>Selbst der empfindliche, weil d\u00fcnnschalige Welschriesling sieht in unseren Weing\u00e4rten weit besser aus, als diese beiden Trauben, die ich in einem Nachbarweingarten gefunden habe:<\/p>\n<p><a href='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/welschrieslingtraube-mit-botrytis-2007-1.jpg' title='Welschriesling-Traube mit massivem Botrytisbefall'><img src='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/welschrieslingtraube-mit-botrytis-2007-1.jpg' alt='Welschriesling-Traube mit massivem Botrytisbefall' \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/welschrieslingtraube-mit-botrytis-2007-2.JPG' title='Welschriesling-Traube mit beginnendem Botrytisbefall'><img src='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/welschrieslingtraube-mit-botrytis-2007-2.JPG' alt='Welschriesling-Traube mit beginnendem Botrytisbefall' \/><\/a><\/p>\n<p>Unseren Zuckermessungen zufolge h\u00e4lt sich der Verd\u00fcnnungseffekt der Traubeninhaltsstoffe durch die regenbedingt starke Wasseraufnahme der Reben in Grenzen. Das gr\u00f6\u00dfere Problem des starken Niederschlages der letzten Tage d\u00fcrfte die Botrytis sein, die aber vermutlich wegen der k\u00fchlen Temperaturen auch noch nicht extrem stark auftritt.<\/p>\n<p>Der starke F\u00e4ulnisbefall der oberen Welschriesling-Traube l\u00e4\u00dft vermuten, da\u00df sie bereits vor dem Regen von Botrytis befallen war. M\u00f6glicherweise als Folge eines Sauerwurmbefalles. Der Sauerwurm, die zweite Generation des Traubenwickler-Schmetterlings ist eine Raupe, die an den reifenden Trauben fri\u00dft und deren Fra\u00dfstellen vom Botrytis-Pilz als Eintrittspforten gen\u00fctzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die untere Welschriesling-Traube zeigt jenes Stadium des Botrytisbefalles besonders deutlich, das wir in der Mundart &#8222;gliebert&#8220; nennen. Wenn die Trauben lange genug feucht sind, wird die Beerenschale vom Botrytispilz langsam &#8222;aufgel\u00f6st&#8220;, ohne da\u00df man in diesem Stadium den Pilz (als &#8222;Pilzrasen&#8220;) schon sehen kann.<\/p>\n<p>Diese &#8222;Aufl\u00f6sung&#8220; der Beerenschale beginnt mit kleinen braunen Punkten auf der Schale, aus denen von selbst oder bei leichtem Druck auf die Beere Safttropfen austreten. Auch feine Risse in der Beerenschale werden sichtbar ehe bei g\u00fcnstiger Witterung die gesamte Beerenschale einen braun-violetten Farbton annimmt.<\/p>\n<p>In diesem Stadium ist es nicht mehr m\u00f6glich, eine Beere vom Stiel zu zupfen, ohne diese ungewollt zu zerdr\u00fccken. F\u00e4llt einem bei der Lese eine &#8222;glieberte&#8220; Traube zu Boden, braucht man sich darum nicht mehr zu b\u00fccken, weil bereits bei geringstem Druck die Beeren aufplatzen und der Saft austritt.<\/p>\n<p>Die Weine aus solchen Trauben zeigen kaum noch sortentypische Fruchtaromen, sondern werden vom typischen Honigaroma der Botrytis (wenn sie &#8222;sauber&#8220;, d.h. ohne Essigs\u00e4urebakterien und Schimmelpilze vorkommt) gepr\u00e4gt. Bei warmem, windigen Wetter kann durch die fast aufgel\u00f6ste Schale der Beeren Wasser verdunsten und im gleichen Ausma\u00df, wie die Erntemenge verdunstet, steigt der Zuckergehalt in den Trauben. Bleibt der F\u00e4ulnisbefall sauber und in Grenzen, entstehen so S\u00fc\u00dfweine von h\u00f6chster Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei den (trockenen) Wei\u00dfweinen ein geringer Anteil von Botrytisbeeren kein Problem f\u00fcr die Weinqualit\u00e4t darstellt, mu\u00df der Anteil an f\u00e4ulnisbefallenen Beeren f\u00fcr hochwertige Rotweine so gering wie m\u00f6glich sein. Die Aufl\u00f6sung der Beerenschale durch den Pilz zerst\u00f6rt n\u00e4mlich nicht nur die Fruchtaromen, sondern auch Farbstoffe und Tannine. Und die Enzyme, die die Botrytis freisetzt, f\u00fchren zu einer Braunf\u00e4rbung des Weines.<\/p>\n<p>So wichtig es ist, Botrytis bei Rotweintrauben zu vermeiden, so schwierig ist sie im Fr\u00fchstadium zu erkennen. Auf den dunkelblauen Beeren sind die ersten Anzeichen nur sehr schwer auszumachen, wie wir heute wieder einmal in unseren Blaufr\u00e4nkisch-Weing\u00e4rten festgestellt haben.<\/p>\n<p><a href='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/blaufrankischtraube-gliebert-2007-1.JPG' title='Blaufr\u00e4nkisch-Beere mit Botrytis im Anfangsstadium'><img src='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/blaufrankischtraube-gliebert-2007-1.JPG' alt='Blaufr\u00e4nkisch-Beere mit Botrytis im Anfangsstadium' \/><\/a><\/p>\n<p>Die Beere in der Mitte dieser Traube hat einen kleinen, kaum sichtbaren Ri\u00df in der Schale. Damit man ihn \u00fcberhaupt auf dem Foto sieht, habe ich ihn durch ein leichtes Quetschen der Beere mit den Fingern vergr\u00f6\u00dfert. Alle anderen Beeren dieser Traube sind noch fest und knackig.<\/p>\n<p><a href='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/blaufrankischtraube-gliebert-2007-4.JPG' title='Blaufr\u00e4nkisch-Traube mit Botrytis im Anfangsstadium'><img src='https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/blaufrankischtraube-gliebert-2007-4.JPG' alt='Blaufr\u00e4nkisch-Traube mit Botrytis im Anfangsstadium' \/><\/a><\/p>\n<p>Hier sieht man recht sch\u00f6n, aber auch erst bei genauem Hinsehen, einen kleinen Safttropfen, der von alleine durch die aufgeweichte Schale ausgetreten ist. <\/p>\n<p>Aus den Erfahrungen mit extremen Botrytisjahrg\u00e4ngen wie 1995 und 1996 wissen wir, da\u00df sich in diesem Stadium die Qualit\u00e4t der Trauben binnen weniger Tage dramatisch verschlechtern kann. Deshalb haben wir den Blaufr\u00e4nkisch heute besonders gut unter die Lupe genommen und dabei in einem Weingarten diese relativ deutlichen Symptome gefunden. <\/p>\n<p>Und weil beim Rotwein im Zweifelsfall Gesundheit vor Reife geht, werden wir diesen Weingarten am Montag lesen. Der Lage, dem Ertrag und dem Alter der Reben nach sollte es urspr\u00fcnglich eigentlich unser bester Blaufr\u00e4nkischer werden, und so wie die Trauben zum allergr\u00f6\u00dften Teil aussehen und schmecken, ist das auch immer noch m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vielleicht stellt aber der Regen die Hierarchie auch auf den Kopf, denn die anderen Blaufr\u00e4nkisch-Weing\u00e4rten zeigen (noch) keine Botrytis-Vorzeichen und bleiben zumindest ein paar Tage l\u00e4nger h\u00e4ngen, in denen sie qualitativen Boden gut machen k\u00f6nnten, wenn das Wetter danach ist. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr den dickschaligen Cabernet Sauvignon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits gestern angek\u00fcndigt, haben wir heute erstmals nach dem gro\u00dfen Regen die Trauben begutachtet, die noch zu lesen sind. Dabei haben wir festgestellt, da\u00df der Schaden durch den Regen im Moment (noch?) nicht so schlimm zu sein scheint. Selbst der empfindliche, weil d\u00fcnnschalige Welschriesling sieht in unseren Weing\u00e4rten weit besser aus, als diese beiden &#8230; <a title=\"Mit einem blauen Auge?\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=340\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Mit einem blauen Auge?\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-340","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lese-2007"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/340","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=340"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/340\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}