{"id":3222,"date":"2010-10-26T21:54:43","date_gmt":"2010-10-26T20:54:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3222"},"modified":"2010-10-26T22:02:28","modified_gmt":"2010-10-26T21:02:28","slug":"ohrenbetaubendes-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=3222","title":{"rendered":"Ohrenbet\u00e4ubendes Schweigen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3223\" style=\"border: 0px;\" title=\"Weinlese 2010\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Marienk\u00e4fer-bearbeitet.jpg\" alt=\"Weinlese 2010\" width=\"508\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Marienk\u00e4fer-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Marienk\u00e4fer-bearbeitet-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Aus all den Besonderheiten des Jahrgangs 2010 sticht eine ganz bemerkenswert heraus: Die\u00a0bisherige, v\u00f6llig untypische Zur\u00fcckhaltung, was Aussagen zur Qualit\u00e4t der Weine betrifft.<\/p>\n<p>Normalerweise werden ja sowohl von einzelnen Winzern, als auch von den diversen Gemeinschaftsverb\u00e4nden der Weinwirtschaft oft schon im September, sp\u00e4testens aber Mitte Oktober die ersten diesbez\u00fcglichen Meldungen lanciert, und von den Medien gerne angenommen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich geht es dabei immer um die mehr oder weniger abgewandelte Jahrhundertwein-Saga, und die Gew\u00f6hnung des Publikums an diese (ver-)fr\u00fch(t)en Jubelmeldungen ist wahrscheinlich der Grund f\u00fcr das heurige Schweigen weiter Teile der Weinbranche.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Erstmals kein Jahrhundertjahrgang?<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist es nach dem Sommer 2010, der wohl noch sehr vielen in Erinnerung ist, besonders unglaubw\u00fcrdig, einen Spitzenjahrgang auszurufen. Darunter tut man sich aber nach den Hymnen auf praktisch alle Jahrg\u00e4nge der letzten Zeit schwer, und deshalb h\u00f6rt und liest man derzeit vor allem von der geringen Erntemenge.<\/p>\n<p>Die ist\u00a0soetwas wie der kleinste gemeinsame Nenner aller heimischen Weinbauern und ein wesentlich unproblematischeres Thema f\u00fcr die Kommunikation.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Zur\u00fcckhaltung ist wohl die Tatsache, dass sich der Jahrgang 2010\u00a0zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt noch viel schwieriger einsch\u00e4tzen l\u00e4\u00dft, als andere. Selbst erfahrenen Winzern f\u00e4llt es nicht leicht, aus den v\u00f6llig unterschiedlichen Aspekten eine stimmige Prognose \u00fcber die Entwicklung der Weine zu geben.<\/p>\n<p>Auf der Sollseite stehen das schlechte Wetter, der teilweise Botrytisbefall und die hohe S\u00e4ure. Auf der Habenseite die gar nicht so schlechten Zuckergradationen, ein nicht wirklich unreifer Geschmack von Schalen und Kernen bei vielen Traubenchargen, geradezu auffallend gute Farbausbeuten bei den Roten und das positive Geschmacksbild vieler Jungweine.<\/p>\n<p>In Jahren wie 2010 gibt es aber von Weingut zu Weingut wohl gr\u00f6\u00dfere Unterschiede beim Saldo, was \u00fcberbetriebliche Jahrgangseinsch\u00e4tzungen noch viel schwieriger macht, als sie in &#8222;einfacheren&#8220; Jahren ohnehin schon sind.<\/p>\n<p><strong>Ein Jahr der Winzer?<\/strong><\/p>\n<p>An und f\u00fcr sich mag ich den gerade heuer oft zitierten Spruch von Jahren, die sorgf\u00e4ltig arbeitende Winzer belohnen nicht so gern, weil er ein wenig suggeriert, es g\u00e4be Jahrg\u00e4nge, in denen man auch ohne gute Arbeit hohe Qualit\u00e4t produzieren kann.<\/p>\n<p>Vielleicht habe ich ihn aber bisher auch einfach nur falsch verstanden, weil diese sorgf\u00e4ltige Weingartenarbeit bei uns so sehr Standardprogramm ist, dass mir ihre positiven Auswirkungen gar nicht so au\u00dfergew\u00f6hnlich erscheinen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deshalb bin ich im Kollegenkreis mit n\u00e4heren Details zum Jahrgang sehr zur\u00fcckhaltend geworden. Wo \u00fcber die Schwierigkeit, heuer die notwendige Reife f\u00fcr Qualit\u00e4tswein zu erreichen gesprochen wird, gilt man n\u00e4mlich leicht als L\u00fcgner, wenn man nur von deutlich h\u00f6heren Gradationen zu berichten wei\u00df.<\/p>\n<p>Und wo eifrig \u00fcber die vielen M\u00f6glichkeiten der Kellertechnologie zum Kaschieren von Reifem\u00e4ngeln diskutiert wird, ist man\u00a0schnell Au\u00dfenseiter, wenn man im Keller generell wenig, und angesichts guter Trauben heuer kaum etwas anders macht als sonst.<\/p>\n<p><strong>Gut, schlecht oder sowieso egal?<\/strong><\/p>\n<p>Wirklich schmecken werden den Unterschied zwischen den \u00fcberwiegend gut gewachsenen und den gut gemachten Weinen aber wohl ohnehin nur die allerwenigsten. Ist er doch bei der absoluten Mehrzahl der Weine, den leichten, jung zu trinkenden, besonders subtil und damit weit unter der Wahrnehmungsschwelle der meisten Konsumenten.<\/p>\n<p>Freunden von \u00fcppig ausladenden Weinen wird hingegen sehrwohl auffallen, dass es 2010 selbst mit massiver kellertechnischer oder Botrytis-Hilfe deutlich weniger dicke, schwere Blockbuster gibt. Deshalb werden sie den Jahrgang wohl auch als schwach oder h\u00f6chstens mittelm\u00e4\u00dfig einstufen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Liebhaber feiner Nuancen\u00a0hingegen k\u00f6nnten gerade die Weine des\u00a0Jahres 2010 besonders interessant sein, wenn man ihnen die n\u00f6tige Zeit l\u00e4\u00dft, und sich die M\u00fche macht, genauer hineinzuschmecken. In Sachen Fruchtigkeit, Eleganz und Komplexit\u00e4t sollte n\u00e4mlich da und dort durchaus die Oberliga zu erreichen sein.<\/p>\n<p>Damit liegt 2010 eigentlich auch voll in jenem Trend, den Weinpublizisten allerorten seit zwei, drei Jahren verk\u00fcnden. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sie dem feingliedrigen Stil in ihren Bewertungen am Ende auch wirklich Rechnung tragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus all den Besonderheiten des Jahrgangs 2010 sticht eine ganz bemerkenswert heraus: Die\u00a0bisherige, v\u00f6llig untypische Zur\u00fcckhaltung, was Aussagen zur Qualit\u00e4t der Weine betrifft. 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