{"id":293,"date":"2007-08-17T22:24:34","date_gmt":"2007-08-17T21:24:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=293"},"modified":"2007-08-17T22:25:56","modified_gmt":"2007-08-17T21:25:56","slug":"der-letzte-feinschliff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=293","title":{"rendered":"Der letzte Feinschliff"},"content":{"rendered":"<p>Die Phase der Traubenreife bedeutet f\u00fcr die meisten Arbeiten im Weingarten den Endspurt. Die vor allem <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=292#more-292\">hier<\/a> beschriebenen Laubarbeiten haben f\u00fcr eine lockere, gut besonnte und durchl\u00fcftete Laubwand gesorgt und finden ebenso ihr Ende wie die Bodenbearbeitung, damit sich bis zur Lese eine deutliche Gr\u00fcndecke aufbauen kann und der Boden besser begeh- und befahrbar ist.<\/p>\n<p>Auch der Pflanzenschutz, der mit heuer insgesamt f\u00fcnf Spritzungen (nach den Richtlinien der <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=26\">kontrollierten integrierten Produktion<\/a>) f\u00fcr bisher gesunde und leistungsf\u00e4hige Bl\u00e4tter und Trauben gesorgt hat, ist bereits seit einigen Wochen abgeschlossen. Die Trauben k\u00f6nnen jetzt nicht mehr von den beiden gef\u00fcrchteten Mehltauarten befallen werden und wir trachten danach, da\u00df wir nicht nur die f\u00fcr jedes Pflanzenschutzmittel vorgeschriebene &#8222;Wartefrist&#8220; beachten, sondern einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Abstand bis zur Lese einhalten.<\/p>\n<p>Eine der letzten Arbeiten im Weingarten ist das Ausd\u00fcnnen des Behanges, um den Rebstock zu entlasten, und die potentielle Qualit\u00e4t der Trauben zu verbessern. Mit den allerletzten kleinen Korrekturen beim sp\u00e4treifen Cabernet habe ich diese Arbeit heute abgeschlossen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Warum ausd\u00fcnnen?<\/strong><\/p>\n<p>Wie <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=292#more-292\">hier<\/a> bereits sehr ausf\u00fchrlich beschrieben dient das Ausd\u00fcnnen der Trauben vor allem dazu, den deutlich gestiegenen Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen der Weinkonsumenten gerecht werden zu k\u00f6nnen, auch wenn der Jahrgang, die Rebsorte, das Alter der Reben und viele andere Faktoren eigentlich einen h\u00f6heren Ertrag bei geringerer Qualit\u00e4t erbringen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein niedrigerer Ertrag erh\u00f6ht die Chancen darauf, inhaltsreichere Trauben zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt reif ernten zu k\u00f6nnen und tr\u00e4gt damit wesentlich dazu bei, da\u00df die noch vor 20 Jahren extremen Qualit\u00e4tsunterschiede zwischen den Jahrg\u00e4ngen deutlich kleiner geworden sind.<\/p>\n<p>Ohne eine Korrektur des Traubenbehanges w\u00e4ren manche Sorten wie z.B. der Zweigelt nie in der Lage gute und sehr gute Qualit\u00e4ten zu erbringen und bei vielen anderen Sorten w\u00fcrde es wohl 10 oder 20 Jahre dauern, bis das Wachstum und die Ertragskraft der Rebst\u00f6cke von allein auf ein f\u00fcr hohe Qualit\u00e4t vertr\u00e4gliches Ausma\u00df zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist bereits der Rebschnitt die erste Ma\u00dfnahme zur Festlegung der sp\u00e4teren Erntemenge, bei vielen Sorten reicht er aber nicht aus. Reichtragende Sorten kann man gar nicht so kurz schneiden, da\u00df sie sp\u00e4ter nicht zu viele Trauben erbringen. Schlie\u00dflich bedeutet ein kurzer Rebschnitt ja nicht nur wenige Trauben, sondern auch weniger Triebe und Bl\u00e4tter, die f\u00fcr die Qualit\u00e4t enorm wichtig sind.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist es durchaus riskant, in Sachen Ertrag bereits beim Rebschnitt im J\u00e4nner oder Februar an die untere Schmerzgrenze zu gehen. Bis zur Lese kann da ja noch viel passieren: Windbruch, Hagel, Sch\u00e4dlinge, schlechtes Bl\u00fctewetter und Trockenheit k\u00f6nnen zu deutlichen Ertragseinbu\u00dfen f\u00fchren, was bei einem zu strengen Schnitt einen unwirtschaftlich niedrigen Ertrag bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund macht es in manchen F\u00e4llen nicht nur qualitativ, sondern auch wirtschaftlich Sinn, den endg\u00fcltigen Ertrag des Weinstockes erst so sp\u00e4t wie m\u00f6glich festzulegen, wenn sich die Risiken bis zur Ernte bereits in ziemlich engen Grenzen bewegen.<\/p>\n<p><strong>Wann ausd\u00fcnnen?<\/strong><\/p>\n<p>Je sp\u00e4ter man Trauben wegschneidet, umso mehr Energie hat der Rebstock unn\u00f6tigerweise schon in diese investiert. Trotzdem ist ein fr\u00fcher Termin nur f\u00fcr Junganlagen zu empfehlen, die man nicht (nur) wegen der Traubenqualit\u00e4t ausd\u00fcnnt, sondern (auch) um die empfindlichen Reben bei sich abzeichnender Trockenheit rechtzeitig zu entlasten.<\/p>\n<p>Werden dem Weinstock w\u00e4hrend der Phase des st\u00e4rksten Traubenwachstums (also meist im Juni bis Mitte Juli) Trauben &#8222;weggenommen&#8220;, reagiert er darauf mit einem verst\u00e4rkten Wachstum der verbliebenen Trauben. Das hebt nicht nur den ertragsreduzierenden Effekt weitgehend auf, sondern f\u00fchrt auch zu gr\u00f6\u00dferen Beeren mit einem (im Vergleich zu kleineren Beeren) schlechteren Verh\u00e4ltnis von Schale (samt Farbe, Aroma und Tannin) zu Saft.<\/p>\n<p>Das Ausd\u00fcnnen erfolgt daher erst knapp vor Reifebeginn und sollte bis zur Halbzeit der Umf\u00e4rbung (bei den Rotweinsorten) abgeschlossen sein. Die weggeschnittenen Trauben sind in diesem Stadium zu nichts zu gebrauchen, weshalb manche Betriebe dazu \u00fcbergegangen sind, ihre Weing\u00e4rten nicht auszud\u00fcnnen, sondern in Etappen zu lesen.<\/p>\n<p>Dabei wird im ersten Durchgang nur ein Teil der Trauben bei relativ geringer Reife geerntet und zu Sektgrundwein oder einfachen Land- oder auch schon Qualit\u00e4tsweinen verarbeitet. Wenn mit der Hauptlese der verbliebenen Trauben ausreichend lange gewartet werden kann (was stark vom Wetter abh\u00e4ngt), bewirkt auch die Vorlese einen &#8222;Ausd\u00fcnnungseffekt&#8220;, von dem die Haupternte profitieren kann.<\/p>\n<p>Erzwingt das Wetter aber eine fr\u00fche Hauptlese, ist der positive Einflu\u00df der Vorlese auf die Qualit\u00e4t gering, weshalb diese Methode nicht ohne Risiko ist. Vor allem in warmen Jahren\/Gebieten und bei den Rotweinsorten, bei denen im Interesse der Qualit\u00e4t keinerlei Botrytis toleriert werden kann, ist es meist nicht m\u00f6glich, mit der Hauptlese lange genug zuzuwarten.<\/p>\n<p><strong>Wie ausd\u00fcnnen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Ausd\u00fcnnen ist in manchen Weing\u00e4rten wahrscheinlich nach dem Rebschnitt die zweitaufw\u00e4ndigste T\u00e4tigkeit und erfordert Genauigkeit, Geduld und eine gewisse \u00dcberwindung. Anders als bei der Lese (zumindest wenn bei dieser keine besondere Sortierung der Trauben notwendig ist) ist es beim Ausd\u00fcnnen n\u00e4mlich nicht egal, wie viele und welche Trauben abgeschnitten werden.<\/p>\n<p>Die Anzahl der wegzuschneidenden (bzw. der h\u00e4ngenbleibenden) Trauben richtet sich nach der angestrebten Qualit\u00e4t, der Sorte und dem Zustand des einzelnen Rebstockes und sollte im ganzen Weingarten ein m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfiges Niveau erreichen. Weggeschnitten werden vor allem Trauben, die im Schatten h\u00e4ngen, die sich nicht so sch\u00f6n entwickelt haben, die weiter oben am Trieb und\/oder zu dicht h\u00e4ngen und solche, die in den Draht eingewachsen sind. Es bleiben daher nur noch gut entwickelte und leicht zug\u00e4ngliche Trauben zu ernten, was die Lese enorm beschleunigt.<\/p>\n<p>In den meisten F\u00e4llen werden ganze Trauben entfernt und die Anzahl der verbleibenden Trauben per Faustregel fixiert, um auch noch nach tagelangem Ausd\u00fcnnen eine gleichm\u00e4\u00dfige Arbeit zu erzielen. Diese Richtschnur gibt z.B. eine Traube pro gut entwickeltem Trieb vor, oder aber auch eine ganz bestimmte Traubenanzahl pro Stock.<\/p>\n<p>Kennt man das Durchschnittsgewicht der Trauben dieser Sorte und die Anzahl der Reben pro Weingarten bzw. Hektar kann man bei dieser Art des Ausd\u00fcnnens schon Wochen vor der Ernte den Ertrag relativ genau prognostizieren.<\/p>\n<p>Noch arbeitsaufw\u00e4ndiger als das &#8222;normale&#8220; Ausd\u00fcnnen ist das sogenannte &#8222;Traubenteilen&#8220;. Dabei werden nicht ganze Trauben entfernt, sondern von allen Trauben der untere Teil. Das ist zwar relativ m\u00fchsam und l\u00e4\u00dft auch kaum Ertragsprognosen zu, hat aber auch seine Vorteile.<\/p>\n<p>Das Traubenteilen f\u00fchrt n\u00e4mlich zu  weniger dichtbeerigen Trauben und reduziert damit die Gefahr, da\u00df sich bei dichtbeerigen Sorten die einzelnen Beeren im Verlauf des Wachstums gegenseitig zerdr\u00fccken und aufplatzen. Bei Sorten wie Pinot noir und St. Laurent l\u00e4\u00dft sich auf diese Weise deren hohe F\u00e4ulinsanf\u00e4lligkeit deutlich reduzieren.<\/p>\n<p>Auch einige deutlich fr\u00fcher durchgef\u00fchrte Ausd\u00fcnnungsmethoden k\u00f6nnen das Botrytisrisiko verringern. Sie sind einfacher und vor allem weniger zeitaufw\u00e4ndig, haben aber den oben beschriebenen Nachteil des fr\u00fchen Termines.<\/p>\n<p>Beim sogenannten Abstreifen der Trauben werden diese bald nach der Bl\u00fcte relativ grob durch die halb geschlossene Hand gestreift, was etliche der kleinen Beeren zum Abfallen bringt und damit f\u00fcr weniger Beeren und lockerere Trauben sorgt. Ein \u00e4hnliches Resultat l\u00e4\u00dft sich \u00fcbrigens auch mit der Lesemaschine erreichen, wenn sie vor Reifebeginn zum Einsatz kommt. Mehr oder weniger Beeren werden abgeschlagen, was nat\u00fcrlich auch den Ertrag verringert, vom Ausma\u00df her aber schwer zu steuern ist.<\/p>\n<p>Anders als im Obstbau ist der Einsatz von Pflanzenhormonen zum Ausd\u00fcnnen des Behanges im Weinbau (noch) nicht zugelassen. Experimente zeigen, da\u00df sich mit diesen Mitteln relativ gezielt die Befruchtung der Bl\u00fcten st\u00f6ren l\u00e4\u00dft, was ebenfalls zu weniger Beeren und lockeren, f\u00e4ulniswiderstansf\u00e4higeren Trauben f\u00fchrt. Auch wenn diese Methode relativ einfach und g\u00fcnstig w\u00e4re, haben aber die meisten Winzer doch Bedenken, auf diese Art in die Entwicklung der Rebe einzugreifen. <\/p>\n<p>Liegt der Ertrag eines Weingartens kaum \u00fcber dem gew\u00fcnschten Ausma\u00df, wird oft erst sehr sp\u00e4t ausged\u00fcnnt. Wenn die allermeisten Trauben bereits verf\u00e4rbt sind, l\u00e4\u00dft sich sehr einfach erkennen, welche Trauben einen Reifer\u00fcckstand haben, weil z.B. einzelne Rebst\u00f6cke \u00fcberlastet sind. Die sind n\u00e4mlich im Unterschied zu den allermeisten Trauben noch \u00fcberwiegend gr\u00fcn und k\u00f6nnen ganz gezielt weggeschnitten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Phase der Traubenreife bedeutet f\u00fcr die meisten Arbeiten im Weingarten den Endspurt. Die vor allem hier beschriebenen Laubarbeiten haben f\u00fcr eine lockere, gut besonnte und durchl\u00fcftete Laubwand gesorgt und finden ebenso ihr Ende wie die Bodenbearbeitung, damit sich bis zur Lese eine deutliche Gr\u00fcndecke aufbauen kann und der Boden besser begeh- und befahrbar ist. &#8230; <a title=\"Der letzte Feinschliff\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=293\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Der letzte Feinschliff\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-293","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=293"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/293\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}