{"id":292,"date":"2007-07-16T21:25:47","date_gmt":"2007-07-16T20:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=292"},"modified":"2007-07-17T11:00:28","modified_gmt":"2007-07-17T10:00:28","slug":"laubarbeiten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=292","title":{"rendered":"Laubarbeiten (2)"},"content":{"rendered":"<p>Beim Recherchieren im eigenen Blog (ja, so umfangreich ist er schon, nach nichteinmal einem Jahr \ud83d\ude09 ) f\u00fcr einen Beitrag \u00fcber das Ausd\u00fcnnen bin ich auf <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=237\">diesen<\/a> Artikel \u00fcber die Laubarbeit gesto\u00dfen, der bisher keine Fortsetzung gefunden hat, obwohl ich diese offenbar geplant hatte.<\/p>\n<p>Seit dem damals beschriebenen Ausj\u00e4ten der Triebe hat sich punkto Laubarbeit viel getan:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong> &#8222;Einstricken&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Mundartbegriff &#8222;Einstricken&#8220; versteht man das Formieren der Triebe in den Drahtrahmen. Dabei werden die gr\u00fcnen Triebe w\u00e4hrend der Hauptwachstumsphase im Mai und Juni in einem oder mehreren Durchg\u00e4ngen in die Dr\u00e4hte des Unterst\u00fctzungsger\u00fcstes gesteckt, um eine schlanke und gleichm\u00e4\u00dfige Laubwand zu erhalten. Je enger die Weinst\u00f6cke gepflanzt sind, und je h\u00f6her die vom Erziehungssystem vorgegebene Laubwand (was Vorteile f\u00fcr die Qualit\u00e4t und\/oder den Ertrag bringt), umso wichtiger ist eine m\u00f6glichst exakte Formierung der Triebe.<\/p>\n<p>Um den hohen Arbeitsaufwand in annehmbaren Grenzen zu halten, sollte das Einstricken zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Sind die Triebe zu kurz, bleiben die meisten von ihnen nicht im Drahtrahmen und die Arbeit ist zwar schnell, aber wenig effektiv. Sind sie zu lang, verlieren sie zwar auch bei st\u00e4rkerem Wind nicht den Halt, aber es ist es sehr m\u00fchsam und zeitaufw\u00e4ndig, die Triebe ohne allzugro\u00dfen Bruch in die Dr\u00e4hte einzuf\u00e4deln. Das Einstricken erfolgt bei uns nach wie vor von Hand, wie dieses <a href=\"http:\/\/rund-ums-weingut.weingutclauer.de\/live-im-weinberg-der-laubhefter\/\">Video<\/a> zeigt, gibt es aber auch daf\u00fcr bereits sehr gut funktionierende Maschinen.<\/p>\n<p>Einer der wesentlichen Vorteile der in den 1970ern und 80ern weit verbreiteten Hochkultur nach Lenz Moser war die (zumindest theoretische) M\u00f6glichkeit, auf das Einstricken komplett oder zumindest weitgehend zu verzichten. Breite Rebzeilen und hohe St\u00e4mme sollten genug Platz f\u00fcr die Reben schaffen, die nicht von selbst in den Drahtrahmen hineingewachsen sind. In der Praxis f\u00fchrt der Verzicht auf ein Formieren der Triebe zu einer vom Wind bestimmten schlechten Verteilung der Blattmasse mit viel Schatten, schlechter Durchl\u00fcftung (Mehltau- und F\u00e4ulnisgefahr) und jede Menge Windbruch. <\/p>\n<p>Diese Art der Traubenproduktion nach dem Motto &#8222;g\u00fcnstige Produktion bei mittlerer Qualit\u00e4t&#8220; gen\u00fcgt in vielen F\u00e4llen den heutigen Anspr\u00fcchen nicht mehr, weshalb die meisten Qualit\u00e4tswinzer die gr\u00fcnen Triebe (wieder) mehr oder weniger exakt einstricken. Das bedeutet zwar einen h\u00f6heren Arbeitsaufwand, macht aber auch enger gepflanzte Weing\u00e4rten (geringere Stockbelastung mit h\u00f6herer Qualit\u00e4t) und niedrigere St\u00e4mme (bessere Ausnutzung der Abstrahlungsw\u00e4rme des Bodens) m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Wipfeln<\/strong><\/p>\n<p>Das Eink\u00fcrzen der Triebe wenn sie etwa 30 bis 40 Zentimeter \u00fcber den obersten Draht ragen habe ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=264\">hier<\/a> bereits ausf\u00fchrlich beschrieben. Nach einem ersten Durchgang im Juni sind wir jetzt gerade dabei die seither gewachsenen Triebspitzen erneut einzuk\u00fcrzen.<\/p>\n<p><strong>Entbl\u00e4ttern und Ausgeizen<\/strong><\/p>\n<p>In manchen F\u00e4llen kann es sinnvoll sein, Bl\u00e4tter und Geiztriebe (Seitentriebe der Hauptreben) im Bereich der Traubenzone zu entfernen. Diese Ma\u00dfnahmen verbessern die Durchl\u00fcftung der Laubwand und helfen so, Pilzkrankheiten vorzubeugen. Au\u00dferdem werden die Trauben besser besonnt, was deren Temperatur erh\u00f6ht und vor allem bei Rotweinsorten durchaus positive Auswirkungen haben kann.<\/p>\n<p>Eine st\u00e4rkere Besonnung der Trauben f\u00fchrt meist zu dickeren Beerenschalen mit mehr Farbstoffen und Tanninen. Auch die Abnahme der S\u00e4ure w\u00e4hrend der Traubenreife geht schneller voran, was beim Rotwein ebenfalls eher als Vorteil zu sehen ist. Wei\u00dfweintrauben reifen meist besser im Halbschatten ohne alzugro\u00dfe Sonnenbestrahlung. Das f\u00f6rdert eher die Aromaentwicklung und bewahrt mehr S\u00e4ure in den Trauben.<\/p>\n<p>Wie man unter anderem mit dem Entbl\u00e4ttern auf die Besonderheiten des Jahrgangs(wetters) reagieren kann, habe ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=272\">hier<\/a> bereits einmal geschrieben. Und das Geiztriebe dem Rebstock nicht nur Substanz kosten, sondern mit ihren jungen und leistungsf\u00e4higen Bl\u00e4ttern auch eine ganz wichtige Funktion erf\u00fcllen habe ich im <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=264\">Beitrag<\/a> \u00fcber das Wipfeln erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><strong>Ausd\u00fcnnen als letzte Ertragskorrektur<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Rebschnitt und dem J\u00e4ten (bei dem unter Umst\u00e4nden auch K\u00fcmmertriebe mit Trauben weggebrochen werden) ist das Ausd\u00fcnnen knapp vor Reifebeginn die letzte M\u00f6glichkeit, um den Ertrag der Rebst\u00f6cke auf ein qualitativ wie wirtschaftlich sinnvolles Niveau zu reduzieren, wenn die Natur uns Winzern mehr Trauben schenkt, als wir f\u00fcr sinnvoll erachten.<\/p>\n<p>Dabei schneidet kein Winzer gerne knapp vor dem &#8222;Endspurt&#8220; des Weinjahres Trauben auf den Boden. Schlie\u00dflich hat er bis dahin viel M\u00fche investiert, um den Weinstock und die Trauben zu hegen und zu pflegen. Bei jungen Rotweing\u00e4rten (aber auch bei anderen) geht es aber aus folgenden Gr\u00fcnden kaum ohne diese &#8222;Notbremse&#8220;:<\/p>\n<p>Jahrhundertelang stand die Ertragssteigerung und vor allem die Ertragssicherheit im Weinbau im Vordergrund. Fast alle Ver\u00e4nderungen (viele, aber nicht alle davon waren bzw. sind Verbesserungen) im Bereich der Rebvermehrung und -z\u00fcchtung, bei den Erziehungssytemen, im Pflanzenschutz, bei der Bodenbearbeitung, der D\u00fcngung, etc. zielten auch oder vor allem auf h\u00f6here und\/oder gleichm\u00e4\u00dfigere Ertr\u00e4ge ab.<\/p>\n<p>Ohne diese jahrhundertelange Entwicklung w\u00e4re es heute, wirtschaftlich gesehen, um den Weinbau schlecht bestellt. Seit vergleichsweise kurzer Zeit steht aber heutzutage bei den Weintrinkern &#8211; und damit zwangsl\u00e4ufig auch bei den Weinbauern &#8211; nicht mehr die Menge im Vordergrund, sondern die Qualit\u00e4t. Bei guter Vermarktung sind heute Weinpreise zu erzielen, die praktisch jeden noch so geringen Ertrag und jede noch so aufw\u00e4ndige Bewirtschaftung der Weing\u00e4rten wirtschaftlich m\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Dieser radikale Wandel der Kauf- und Konsumgewohnheiten erfordert eine entsprechende Anpassung der Weing\u00e4rten, die aber nicht von heute auf morgen erfolgen kann. Schlie\u00dflich dauert ein Weingartenleben 30 Jahre und l\u00e4nger, und der Weg von gleichm\u00e4\u00dfig hohen Ertr\u00e4gen bei akzeptabler Qualit\u00e4t zu gleichm\u00e4\u00dfig niedrigeren Ertr\u00e4gen bei sehr hoher Qualit\u00e4t ist lang. Ebensolang wie der von den unregelm\u00e4\u00dfigen, stark in Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t schwankenden Ernten vergangener Jahrhunderte bis heute.<\/p>\n<p>Um bereits heute, oft mit relativ jungen und daher von Natur aus besonders ertragreichen Reben die von den Weinkonsumenten geforderte Qualit\u00e4t erzielen zu k\u00f6nnen, ist es daher mitunter notwendig, einen Teil der Trauben knapp vor Reifebeginn wegzuschneiden, damit die verbleibenden besser ausreifen und eine h\u00f6here Qualit\u00e4t erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mehr dar\u00fcber gibt es demn\u00e4chst in einem eigenen Beitrag zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Recherchieren im eigenen Blog (ja, so umfangreich ist er schon, nach nichteinmal einem Jahr \ud83d\ude09 ) f\u00fcr einen Beitrag \u00fcber das Ausd\u00fcnnen bin ich auf diesen Artikel \u00fcber die Laubarbeit gesto\u00dfen, der bisher keine Fortsetzung gefunden hat, obwohl ich diese offenbar geplant hatte. Seit dem damals beschriebenen Ausj\u00e4ten der Triebe hat sich punkto Laubarbeit &#8230; <a title=\"Laubarbeiten (2)\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=292\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Laubarbeiten (2)\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-292","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-weingarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=292"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/292\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}