{"id":2852,"date":"2010-06-13T21:22:54","date_gmt":"2010-06-13T20:22:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2852"},"modified":"2010-06-13T21:22:54","modified_gmt":"2010-06-13T20:22:54","slug":"showbusiness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2852","title":{"rendered":"Showbusiness"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2867\" style=\"border: 0px;\" title=\"Foto: S\u00f6rn\/Wikipedia\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Hollywood-S\u00f6rn-Wikipedia-komprimiert.jpg\" alt=\"Foto: S\u00f6rn\/Wikipedia\" width=\"508\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Hollywood-S\u00f6rn-Wikipedia-komprimiert.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Hollywood-S\u00f6rn-Wikipedia-komprimiert-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Seit die Menschheit Geschmack und Wirkung des vergorenen Traubensaftes entdeckt hat, dient der Wein nicht nur kultischen Zwecken und der Ern\u00e4hrung, sondern immer auch der Unterhaltung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend aber die ersten beiden Trinkanl\u00e4sse durch Ver\u00e4nderungen in Spiritualit\u00e4t und Konsumgewohnheiten gerade in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen haben, stieg die Bedeutung des Weines als Faktor der Unterhaltung stark an.<\/p>\n<p>Lange Zeit ging es dabei vor allem um die positive Wirkung des Weines auf die Geselligkeit und Gespr\u00e4chsbereitschaft. Er diente quasi als Mittel zum Zweck eines anregenden und angeregten Austausches \u00fcber alles m\u00f6gliche. In den letzten Jahren r\u00fcckt der Wein aber mehr und mehr in den Mittelpunkt, und wird immer \u00f6fter selbst zum Thema.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese Entwicklung hat zweifellos ihre positiven Seiten. Sie f\u00fchrt zu einer intensiveren Besch\u00e4ftigung vieler Konsumenten mit dem Produkt Wein, und f\u00f6rdert damit jene Produzenten, deren Weinqualit\u00e4t eine derartige Besch\u00e4ftigung \u00fcberhaupt lohnt.<\/p>\n<p>Je mehr der Wein also zum Gesellschaftsthema wird, umso gr\u00f6\u00dfer sind die Chancen f\u00fcr Winzer, die mehr auf Qualit\u00e4t als auf Masse setzen. Und umso besser deren Verdienstm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Legt man aber als Produzent seinen Vermarktungsschwerpunkt all zu sehr auf die Entwicklung des eigenen Produktes zum Lifestyle-Artikel f\u00fcr die genussaffine Mittel- und Oberschicht, mu\u00df man auch den Regeln dieses Marktes folgen, um l\u00e4ngerfristig erfolgreich sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Arbeit am eigenen Image und eine regelm\u00e4\u00dfige Medienpr\u00e4senz ist dabei, wie in allen Sparten der Unterhaltungsindustrie, unerl\u00e4\u00dflich. Nur wer es schafft, den Meinungsmachern der Szene laufend neue Themen zu servieren, um sich vom soliden Mittelfeld der Weinwirtschaft abzugrenzen, kann seinen Platz in den Trendkolummnen der Weinfreaks behaupten.<\/p>\n<p>Modestr\u00f6mungen und Zeitgeist spielen dabei naturgem\u00e4\u00df eine wichtige Rolle, auch wenn sie gerade in der Weinbranche gerne zur R\u00fcckbesinnung auf die Tradition umargumentiert werden.<\/p>\n<p>Da kann es schon mal passieren, dass ein Protagonist der Weinherstellung mit modernster Technologie innerhalb k\u00fcrzester Zeit biodynamisch erleuchtet wird. Dass der wortgewaltige K\u00e4mpfer gegen industriell hergestellten Massenwein seinen eigenen Herbizideinsatz zum Bioweinbau umdeutet. Dass ein Winzer, der die traditionelle Art der Reifung von Wein in F\u00e4ssern jahrelang aus seinem Keller verbannt hat, die uralte segensreiche Wirkung von Tonamphoren auf sein Produkt entdeckt.<\/p>\n<p>Dass ein Produzent zuerst so \u00f6ffentlich wie m\u00f6glich gegen die Sortenbezeichnungsvorschriften des Weingesetzes verst\u00f6\u00dft, und dann die folgenden Sanktionen der Weinkontrollbeh\u00f6rde als Anschlag auf uralte Sortentraditionen medial auszuschlachtet. Dass ein Gebietsverband den deutlichen Weinstilwandel seiner Region unkommentiert l\u00e4\u00dft, sich aber bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlt, seinen Mitgliedern publikumswirksam untraditionelle Weinbereitungsmethoden zu verbieten die nach dem \u00f6sterreichischen Weingesetz ohnehin nicht zul\u00e4ssig sind. Dass&#8230;<\/p>\n<p>Es steht mir freilich nicht zu, an den heren Beweggr\u00fcnden zu zweifeln, die meine Berufskollegen solche und \u00e4hnliche\u00a0 &#8211; in aller Regel sehr medientaugliche &#8211; Themen aufgreifen lassen. Allerdings w\u00e4re es wohl das allererste Mal in der Menscheitsgeschichte, wenn es nicht da oder dort auch den einen oder anderen kommerziellen und\/oder weniger ehrenhaften Hintergrund geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von den Motiven f\u00fchrt diese Entwicklung aber auf jeden Fall dazu, dass es immer gr\u00f6\u00dfere, pomp\u00f6sere und gelegentlich auch abstrusere Kulissen braucht, um vom Fachpublikum \u00fcberhaupt noch wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Dass also die Inszenierung wichtiger wird, als das St\u00fcck und sein Hauptdarsteller, der Wein im Glas.<\/p>\n<p>Wie schon in einer anderen Branche der Unterhaltungsindustrie geben solche Tendenzen auch beim Wein der &#8222;Unplugged&#8220;-Begwegung einen gewissen Auftrieb. Und wie in der Musik sind dabei auch unter den Winzern jene am erfolgreichsten, die ihren Verzicht auf die Inszenierung besonders gekonnt inszenieren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit die Menschheit Geschmack und Wirkung des vergorenen Traubensaftes entdeckt hat, dient der Wein nicht nur kultischen Zwecken und der Ern\u00e4hrung, sondern immer auch der Unterhaltung. 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