{"id":2736,"date":"2010-05-14T18:50:33","date_gmt":"2010-05-14T17:50:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2736"},"modified":"2010-05-14T19:06:15","modified_gmt":"2010-05-14T18:06:15","slug":"ein-mehr-oder-weniger-scharfes-bild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2736","title":{"rendered":"Ein mehr oder weniger scharfes Bild"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2737\" style=\"border: 0px;\" title=\"Foto: steve.haider.com\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Haider-145-bearbeitet.jpg\" alt=\"Haider 145 bearbeitet\" width=\"508\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Haider-145-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Haider-145-bearbeitet-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>Vergangenes Wochenende hatte ich das Vergn\u00fcgen, in einem speziellen Workshop der <a href=\"http:\/\/www.weinakademie.at\/\">Weinakademie \u00d6sterreich<\/a> eine Gruppe angehender <a href=\"http:\/\/www.weinakademie.at\/diploma.php\">Weinakademiker<\/a> auf ihre gr\u00f6\u00dfte Theorie- und Verkostungspr\u00fcfung vorbereiten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Dabei ging es unter anderem darum, nach einer Verkostung von zw\u00f6lf Weinen unter Pr\u00fcfungsbedingungen die Weinbeschreibungen der Teilnehmer zu diskutieren.<\/p>\n<p>Auch wenn die Anw\u00e4rter auf den Titel Weinakademiker im Lauf ihrer Seminarkarriere gelernt haben (sollten), dass es bei der Beschreibung von Wein niemals ein allgemeing\u00fcltiges Urteil geben kann, hoffen manche in dieser Situation wohl trotzdem auf ein eindeutiges &#8222;richtig&#8220; oder &#8222;falsch&#8220;.<\/p>\n<p>Das ist nur all zu verst\u00e4ndlich, denn gerade in\u00a0Hinblick auf eine nahende Pr\u00fcfung ist es sicherlich nicht sehr befriedigend nur ein sehr grobes Feedback \u00fcber die Richtigkeit der eigenen Verkostungsnotiz zu erhalten.<\/p>\n<p>Trotz der n\u00fcchternen Degustationsmethodik der Weinakademie ist eine wesentlich genauere Beurteilung von Einzelaspekten einer Weinbeschreibung aus zwei Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Man kann\u00a0durch \u00dcbung zwar lernen, die Art und Intensit\u00e4t der eigenen Sinneseindr\u00fccke in Beziehung zum Empfinden anderer Verkoster zu setzen, und auf diese Weise die eigenen Weinbeschreibungen an die anderer Verkoster ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>Trotzdem bleibt aber auch bei ge\u00fcbten Verkostern jede Einsch\u00e4tzung subjektiv und deckt sich manchmal zu 100 Prozent, h\u00e4ufig in der Tendenz, gar nicht so selten aber auch \u00fcberhaupt nicht mit der Meinung anderer.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn zwei Verkoster das gleiche empfinden, f\u00fchrt das nicht automatisch zur gleichen Aussage, denn neben den Verkostungseindr\u00fccken selbst\u00a0 ist nat\u00fcrlich auch deren Darstellung h\u00f6chst subjektiv.<\/p>\n<p>Sogar vermeintlich klare Begriffe wie &#8222;wenig&#8220;, &#8222;mittel&#8220; und &#8222;hoch&#8220;, die gerne f\u00fcr eine Quantifizierung von Aromaintensit\u00e4t, Restzucker, S\u00e4ure, K\u00f6rper und Alkoholgehalt verwendet werden bedeuten nicht f\u00fcr jeden das gleiche.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Verkoster hat z.B. &#8222;wenig&#8220; einen negativen Beigeschmack, w\u00e4hrend andere das Wort v\u00f6llig wertfrei verwenden. Betont sachliche Degustatoren versuchen, ihre Gewichtung allenfalls durch kleine Abstufungen dieser drei Begriffe in Form von &#8222;minus&#8220; und &#8222;plus&#8220; darzustellen, sprachlich begabte Weinfreunde f\u00fcgen hingegen gerne ein paar Worte hinzu, um die Feinheiten ihrer Wahrnehmung zu transportieren.<\/p>\n<p>In der Praxis f\u00fchrt das schnell zu letztlich sinnlosen Diskussionen dar\u00fcber, ob ein &#8222;S\u00e4uregehalt mittel plus&#8220; ident mit einer &#8222;hohen, aber sehr gut eingebundenen S\u00e4ure&#8220; ist.\u00a0Solche\u00a0Unstimmigkeiten beende ich in meinen Seminaren gerne mit einem (zugegebenerma\u00dfen hinkenden) Vergleich:<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das Beschreiben von Wein wie das Zeichnen oder Malen eines Portr\u00e4ts. Trifft man die Konturen richtig und vergi\u00dft nicht auf Brillen, Ohrringe und besonders gro\u00dfe Nasen oder Ohren spielt es f\u00fcr die Wiedererkennbarkeit wenig Rolle, ob man das Bild im Stil der Renaissance malt, oder\u00a0als Karikatur zeichnet.<\/p>\n<p>Selbst wenn der Scheitel auf der\u00a0falschen Seite sitzt, ist die Darstellung noch lange nicht wertlos, solange die Gesichtsz\u00fcge gut getroffen sind.<\/p>\n<p>Je mehr Details aber nicht klar und treffend gezeichnet sind, umso unsch\u00e4rfer wird das Bild, und irgendwann wird daraus ein zwar vielleicht h\u00fcbsches, aber bis zur Unkenntlichkeit verfremdetes und damit letztlich wertloses Portrait.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangenes Wochenende hatte ich das Vergn\u00fcgen, in einem speziellen Workshop der Weinakademie \u00d6sterreich eine Gruppe angehender Weinakademiker auf ihre gr\u00f6\u00dfte Theorie- und Verkostungspr\u00fcfung vorbereiten zu d\u00fcrfen. Dabei ging es unter anderem darum, nach einer Verkostung von zw\u00f6lf Weinen unter Pr\u00fcfungsbedingungen die Weinbeschreibungen der Teilnehmer zu diskutieren. Auch wenn die Anw\u00e4rter auf den Titel Weinakademiker im &#8230; <a title=\"Ein mehr oder weniger scharfes Bild\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2736\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Ein mehr oder weniger scharfes Bild\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2736","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-glas"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2736"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2748,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2736\/revisions\/2748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}