{"id":2677,"date":"2010-04-26T06:55:28","date_gmt":"2010-04-26T05:55:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2677"},"modified":"2010-04-26T06:57:54","modified_gmt":"2010-04-26T05:57:54","slug":"denkwurdige-jahrgange-1990","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2677","title":{"rendered":"Denkw\u00fcrdige Jahrg\u00e4nge: 1990"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2679 alignnone\" style=\"border: 0px;\" title=\"Ertragskorrektur\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/BF-Hader-2008-ausged\u00fcnnt-3-bearbeitet.jpg\" alt=\"Ertragskorrektur\" width=\"508\" height=\"301\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/BF-Hader-2008-ausged\u00fcnnt-3-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/BF-Hader-2008-ausged\u00fcnnt-3-bearbeitet-300x177.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1311\">der 1989er<\/a> bei den Wei\u00dfweinen hat der Jahrgang 1990 bei den Roten in unserem Betrieb einen ganz besonderen Stellenwert. Aber w\u00e4hrend 1989 nur ein besonders auffallender Jahrgang einer langj\u00e4hrigen Entwicklung bei den Wei\u00dfen war, stellt 1990 bei den Rotweinen in unserem Weingut tats\u00e4chlich so etwas wie die Geburtsstunde dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei war der Jahrgang &#8211; obwohl allgemein hoch gesch\u00e4tzt &#8211; gar nicht so unproblematisch. Der Sommer war hei\u00df und sehr trocken, und eine nur im Nachhinein als falsch erkennbare Strategie bei der Begr\u00fcnung unserer Weing\u00e4rten hat die Auswirkungen der Trockenheit zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Grund waren unsere Weine zwar durchwegs sauber und fruchtbetont, am Gaumen fehlte es aber vor allem den Wei\u00dfweinen etwas an K\u00f6rper und F\u00fclle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re damals keine Ausnahmeregelung beim (mittlerweile l\u00e4ngst abgeschafften) Mindestwert f\u00fcr den Extraktgehalt erlassen worden,\u00a0h\u00e4tte keiner unserer Wei\u00dfweine die Qualit\u00e4tsweinpr\u00fcfung bestanden. Dass man daraus aber nicht unbedingt Schl\u00fcsse auf die Qualit\u00e4t und vor allem die Lagerf\u00e4higkeit ziehen kann (wie das gerne getan wird) habe ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1272\">hier<\/a> schon einmal beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Rotweine waren nicht besonders \u00fcppig, aber trotzdem war ein Blaufr\u00e4nkisch in der Lage, unser Rotweinbild nachhaltig zu ver\u00e4ndern. Nach eher zaghaften Ans\u00e4tzen in den Jahren davor, erprobte mein Vater bei diesem Wein n\u00e4mlich recht kompromi\u00dflos gleich mehrere entscheidende Ver\u00e4nderungen zur bisherigen Praxis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Juli wurden in unserem Blaufr\u00e4nkisch-Weingarten in der Riede Altenberg zum ersten Mal gezielt Trauben weggeschnitten, damit die verbleibenden besser ausreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was heute gang und g\u00e4be ist, war damals ein Tabubruch, der meinen Gro\u00dfeltern so weit wie m\u00f6glich verheimlicht wurde. Auch unser ungarischer Saisonhelfer weigerte sich, beim <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=293\">Ausd\u00fcnnen<\/a> zu helfen und interpretierte einen leichten Hagelschlag kurze Zeit sp\u00e4ter nicht v\u00f6llig scherzhaft als Strafe Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Keller betrat mein Vater mit dem Blaufr\u00e4nkisch 1990 ebenfalls Neuland. Obwohl es ein Jahr davor nicht wirklich geklappt hatte, strebte er erneut den bis dahin in unserer Region weitgehend unbekannten und allenfalls gelegentlich zuf\u00e4llig passierten <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=131\">biologischen S\u00e4ureabbau<\/a> an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allen Warnungen\u00a0der g\u00e4ngigen Lehrmeinung zum Trotz funktionierte dieser auch, hinterlie\u00df aber sehr unangenehme Nebenaromen. Mein Vater lie\u00df sich davon aber nicht beeindrucken und behielt mit seiner Meinung recht, dass sich dieses Stinkerl bei ausreichend langer Fa\u00dfreife von selbst verfl\u00fcchtigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ein Teil dieses Weines seine Reife in kleinen neuen Eichenf\u00e4ssern erhielt, war die dritte gro\u00dfe Neuerung dieses Jahrgangs. Zwar hatten die Barriques schon ein Jahr zuvor f\u00fcr den s\u00fc\u00dfen\u00a0Neuburger Ausbruch 1989 Einzug in unserem Keller gehalten, aber\u00a0der Blaufr\u00e4nkisch 1990 war unser erster Roter in kleinen F\u00e4ssern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zusammenwirken von Ertragskontrolle, biologischem S\u00e4ureabbau und bewu\u00dftem Umgang mit Barriques katapultierte den Blaufr\u00e4nkisch Altenberg 1990\u00a0 &#8211; wie diese Teilmenge bezeichnet wurde &#8211; auf ein uns bis dahin unbekanntes Qualit\u00e4tsniveau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn uns die ganze Dimension dieses Quantensprunges erst\u00a0mit der Flaschenreife klar wurde, bewog\u00a0uns schon der Eindruck im ersten Jahr, 1991 alle unsere roten Qualit\u00e4tsweing\u00e4rten auszud\u00fcnnen,\u00a0und bei allen Roten inklusive Landwein den biologischen S\u00e4ureabbau durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Ausbau in Barriques erwies sich der nachfolgende Jahrgang als zu schwach, und der Versuch wurde relativ schnell abgebrochen. Seit 1992 spielen die kleinen F\u00e4sser aber auch bei unseren besten Rotweinen (mit Ausnahme von 1995) eine nicht ganz unwichtige Rolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der 1989er bei den Wei\u00dfweinen hat der Jahrgang 1990 bei den Roten in unserem Betrieb einen ganz besonderen Stellenwert. 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