{"id":249,"date":"2007-06-11T22:32:18","date_gmt":"2007-06-11T21:32:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=249"},"modified":"2007-06-11T22:32:18","modified_gmt":"2007-06-11T21:32:18","slug":"weinraritaten-aus-drei-jahrzehnten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=249","title":{"rendered":"Weinrarit\u00e4ten aus drei Jahrzehnten"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine Verkostung im Rahmen unserer Tage der offenen Kellert\u00fcr habe ich vergangenes Wochenende wieder einmal unsere Privatvinothek gepl\u00fcndert. Dabei habe ich je zwei Wei\u00df-, Rot- und S\u00fc\u00dfweine ausgew\u00e4hlt, die sich bis auf eine Ausnahme in guter Form pr\u00e4sentierten:<!--more--><\/p>\n<p><strong>Pinot blanc 2001<\/strong><br \/>\nAuf den Pinot ist auch in nicht ganz so einfachen Jahren Verla\u00df. Trotz kleinem Botrytisanteil zeigte sich der 2001er sehr jung und frisch mit gen\u00fcgend R\u00fcckgrat f\u00fcr einige weitere Jahre. Die damalige Entscheidung, einen kleinen Teil des Weines in \u00e4lteren Barriques dem biologischen S\u00e4ureabbau zu unterziehen, um dem zwar fruchtbetonten, aber eher schlanken und s\u00e4urereichen Jahrgang mehr F\u00fclle zu geben d\u00fcrfte nicht ganz verkehrt gewesen sein.<\/p>\n<p><strong>Pinot blanc 1990<\/strong><br \/>\nAuch der Jahrgang 1990 war nicht unbedingt ein Spitzenjahr f\u00fcr die Wei\u00dfweine. Der Sommer war hei\u00df und sehr trocken und in unseren Weing\u00e4rten wurde diese Trockenheit durch eine nicht umgebrochene Fr\u00fchjahrsgr\u00fcnd\u00fcngung noch verst\u00e4rkt. (Nachher ist man immer schlauer, aber da war der Boden schon zu ausgetrocknet, und eine Bearbeitung unm\u00f6glich.)<\/p>\n<p>Der Pinot, der mich schon vergangenen Herbst mit seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen Frische verbl\u00fcfft hat, entt\u00e4uschte uns auch diesmal nicht. Obwohl sein Alkoholgehalt vergleichsweise gering ist, und der analytischen Extraktgehalt so niedrig, da\u00df er nur wegen der damals f\u00fcr den Jahrgang erlassenen Ausnahmeregelung \u00fcberhaupt eine Pr\u00fcfnummer bekam, hat er die 16 Jahre au\u00dfergew\u00f6hnlich gut \u00fcberstanden. Wieder ein Beispiel daf\u00fcr, wie wenig Anaysenwerte \u00fcber Qualit\u00e4t und Lagerf\u00e4higkeit aussagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Cabernet Sauvignon 1997<\/strong><br \/>\n1997 gilt im Burgenland als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Rotweinjahrgang. Nach den beiden feuchten Jahren 1995 und 1996 erbrachte der Jahrgang reifes und vor allem gesundes Traubenmaterial. Bei uns im Betrieb standen die 1997er, vor allem der Cabernet, im Schatten der 1994er (siehe unten), die einen Meilenstein in unserer Qualit\u00e4tsentwicklung bei den Roten darstellen.<\/p>\n<p>Der Cabernet 1997 war ein recht strenger Wein und zeigt auch heute noch eine markante S\u00e4ure- und Tanninstruktur. Dabei wirkt jedoch nicht &#8222;gr\u00fcn&#8220; oder unreif, was auf eine weitere Harmonisierung in den n\u00e4chsten f\u00fcnf oder zehn Jahren hoffen l\u00e4\u00dft. Die halbvolle und durch h\u00e4ufiges Probenausschenken oft durchgesch\u00fcttelte Flasche war am n\u00e4chsten Tag nicht nur &#8222;noch trinkbar&#8220;, sondern sogar deutlich besser als frisch ge\u00f6ffnet. <\/p>\n<p>Der Lufteinflu\u00df hatte nicht nur zu einer Abrundung der Tannine gef\u00fchrt, sondern auch eine ganz dezente animalische Note verfliegen lassen. Dar\u00fcber, woher sie stammen k\u00f6nnte, sind mein Vater und ich nicht ganz einig. Er tendiert eher zu (ganz dezenter, absolut tolerierbarer) <a href=\"http:\/\/www.wein-plus.de\/glossar\/Brettanomyces.htm\">Brettanomyces<\/a>, ich vermute eher, da\u00df sich die in der Jugend dezent vorhandenen Paprikaaromen mit der Reife in diese Richtung entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Cabernet Sauvignon 1994<\/strong><br \/>\nBis zum Jahrgang 2000 war dieser Wein der beste Rote aus unserem Keller. Die dritte Ernte vom Cabernet (bzw. der zweite reinsortige Wein davon) bestach schon in der Jugend durch eine fast s\u00fc\u00dflich wirkende F\u00fclle und diese verf\u00fchrerische Art ist ihm bis heute erhalten geblieben. Nase und Gaumen sind zumindest eine Kategorie reifer (sowohl was die Traubenreife als auch das Alter des Weines betrifft) als beim 97er. Auch wenn er noch voller Leben steckt, bezweifle ich, da\u00df er noch besser werden kann. Gen\u00fcgend Flaschen, um das in den n\u00e4chsten Jahren zu best\u00e4tigen oder zu widerlegen sind noch vorhanden.<\/p>\n<p>1994 war \u00fcbrigens ein typisches Cabernet-Jahr, also hei\u00df und trocken. Im Vergleich zum \u00e4hnlichen Jahr 1992 war es nicht ganz so trocken, daf\u00fcr aber hei\u00dfer mit einem (mittlerweile wahrscheinlich schon wieder \u00fcbertroffenen) Rekord an Tagen \u00fcber 30\u00b0C.<\/p>\n<p><strong>Pinot blanc Auslese 1986<\/strong><br \/>\n1986 ist \u00f6sterreichweit einer der meistgelobten Jahrg\u00e4nge \u00fcberhaupt. Den Weinbauern in M\u00f6rbisch machte allerdings ein Hagel knapp vor der Ernte in einigen Lagen einen dicken Strich durch die Rechnung. Ein trockener Herbst verhinderte zwar, da\u00df die verletzten Beeren von F\u00e4ulnis befallen wurden, aber f\u00fcr die Erzeugung fruchtbetonter trockener Weine waren sie trotzdem nur noch bedingt zu verwenden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr schrumpften die betroffenen Beeren ohne Edelf\u00e4ule ein, und der Zuckergehalt erreichte bald Ausleseniveau. Diese Entstehungsgeschichte macht unsere Pinot Auslese 1986 zu einem Unikat in der Betriebsgeschichte. In seiner Jugend war der Wein f\u00fcr eine Auslese au\u00dfergew\u00f6hnlich fruchtbetont feingliedrig, und auch Mitte der 90er konnte er noch beeindrucken. Heute, nach 20 Jahren, d\u00fcrfte aber seine beste Zeit schon vorbei sein. Die verkostete Flasche zeigte sich schlank und eher m\u00fcde, obwohl sie nicht vom Kork beeintr\u00e4chtigt war (was bei dem Wein selten ist, denn in Sachen Korkgeschmack ist er unser einziges echtes Problemkind).<\/p>\n<p><strong>Welschriesling Trockenbeerenauslese 1981<\/strong><br \/>\nDieser bis dato hochgradigste Wein in unserem Betrieb hatte ein Mostgewicht von (eher gesch\u00e4tzten, denn die Skala endet bei 40) 42\u00b0KMW. Auch nach eineinhalb Jahren G\u00e4rung erreichte er nur einen sehr bescheidenen Alkoholgehalt, den wir nie analysieren lie\u00dfen, weil er damals noch nicht auf den Etiketten angegeben werden mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Honig, Karamel und eine schier unglaubliche Konzentration pr\u00e4gen diesen Wein, der zwar nicht mehr ganz jung, auf seine Art aber sehr zeitlos wirkt. Nat\u00fcrlich ist es spektakul\u00e4r, so etwas zu verkosten. Und noch beeindruckender ist das beinahe unbegrenzte Potential solcher Weine. Aber, seien wir ehrlich, wirklich trinken kann bzw. tut man soetwas nicht. Weshalb wir solche Gradationen seither tunlichst vermeiden und &#8222;sp\u00e4testens&#8220; bei Zuckergraden von gut 30\u00b0KMW ernten. In diesem Bereich schafft die Hefe meist einen vern\u00fcnftigen Alkoholgehalt, der die Weine von der Struktur her auch noch wie Wein schmecken l\u00e4\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine Verkostung im Rahmen unserer Tage der offenen Kellert\u00fcr habe ich vergangenes Wochenende wieder einmal unsere Privatvinothek gepl\u00fcndert. 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