{"id":2469,"date":"2010-03-09T06:43:26","date_gmt":"2010-03-09T05:43:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2469"},"modified":"2010-03-09T06:43:26","modified_gmt":"2010-03-09T05:43:26","slug":"denkwurdige-jahrgange-1987","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2469","title":{"rendered":"Denkw\u00fcrdige Jahrg\u00e4nge: 1987"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2479\" style=\"border: 0px;\" title=\"Strenger Winter\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Strenger-Winter-bearbeitet.jpg\" alt=\"Strenger Winter\" width=\"508\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Strenger-Winter-bearbeitet.jpg 508w, https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Strenger-Winter-bearbeitet-300x154.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/p>\n<p>1987 ist das \u00e4lteste Weinjahr, mit dem ich eine unmittelbare pers\u00f6nliche Erinnerung verbinde.<\/p>\n<p>Auch wenn ich nicht mehr sagen kann, an welchem eiskalten Winterabend es war, sehe ich noch heute meine Eltern vor mir, wie sie immer und immer wieder durchs Fenster auf\u00a0 unser Au\u00dfenthermometer gestarrt haben. Und wie dieses nicht und nicht zum Stillstand kommen wollte.<\/p>\n<p>Minus 15, minus 18, minus 21. Am Ende waren es wohl etwa 23\u00b0C unter dem Gefrierpunkt und es war klar,\u00a0dass diese Nacht nicht ohne gravierende Sch\u00e4den an unseren Reben vor\u00fcber gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Auch an die Aufforderung &#8222;Tu doch etwas!&#8220; meiner Mutter an meinen Vater meine ich mich erinnern zu k\u00f6nnen. Viel mehr aber noch an das Gef\u00fchl der Ohnmacht, der Verzweiflung und &#8211; wahrscheinlich in meiner kindlichen Wahrnehmung etwas \u00fcbersteigert &#8211; der Existenzangst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Rund zwei Drittel unserer Reben sind in dieser Nacht erfroren. Auch in h\u00f6her gelegenen Hanglagen, die gemeinhin als frostsicher gelten. Nicht selten bedeuteten wenige Zentimeter Stammh\u00f6he mehr oder eine kleine Kuppe den Unterschied zwischen sein oder nicht sein.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling stellte sich dann heraus, dass die Wurzeln und der bodennahe (und als Frostschutz im Herbst mit Erde bedeckte Teil) der Weinst\u00f6cke in den meisten F\u00e4llen dem Frost getrotzt\u00a0hatten. Damit war zwar &#8222;nur&#8220; die Ernte und nicht der gesamte Weingarten verloren, der Preis daf\u00fcr war allerdings ziemlich hoch.<\/p>\n<p>Alle oberirdischen Teile von zwei Drittel unserer Weinreben mu\u00dften m\u00fchsam entfernt und die in Bodenn\u00e4he langsam keimenden Triebe wie bei Junganlagen den ganzen Sommer \u00fcber sorgf\u00e4ltig nach oben gebunden werden. Deshalb war 1987 zwar das arbeitsreichste Weinjahr \u00fcberhaupt, zugleich aber trotzdem jenes mit der kleinsten Ernte.<\/p>\n<p>Die wenigen leicht- oder unversehrten Reben, die in diesem Jahr auch Trauben trugen, hatten es aber auch nicht leicht. Die Vegetation war sp\u00e4t dran und der Sommer nicht besonders aufregend. Zu allem \u00dcberdruss suchte auch die Peronospora, der falsche Mehltau, zahlreiche Reben und Trauben heim und sorgte f\u00fcr weitere und in diesem Jahr besonders schmerzhafte Ertragseinbu\u00dfen.<\/p>\n<p>Bei der Ernte war man deshalb wohl \u00fcber jede halbwegs heile Traube froh, auch wenn ihre Reife wetterbedingt oft zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df. Die meisten Weine waren dementsprechend schlank und s\u00e4urebetont und sind ein Lehrbeispiel daf\u00fcr, dass niedrige Ertr\u00e4ge nicht automatisch hohe Qualit\u00e4t bedeuten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Um unsere Stammkunden in der Gastronomie (die damals ein sehr wichtiges Standbein waren) trotz geringer Menge bis zu den ersten Fr\u00fchf\u00fcllungen des n\u00e4chsten Jahrgangs mit ausreichend Schankwein versorgen zu k\u00f6nnen, haben meine Eltern damals den Verkauf von 2l-Flaschen an Privatkunden (der in dieser Zeit noch sehr rege war) vor\u00fcbergehend eingestellt.<\/p>\n<p>Manche Kunden gingen deshalb verloren, die meisten akzeptierten aber die Entscheidung, reduzierten ihre Bestellmengen und wechselten zu 1l-Flaschen und Bouteillen. Unbeabsichtigt und unfreiwillig haben meine Eltern damit wahrscheinlich ein ganz klein wenig zum Qualit\u00e4tsbewu\u00dftsein unserer Weinkunden beigetragen:<\/p>\n<p>Als es n\u00e4mlich bald nach der reichen Ernte 1988 bei uns auch wieder Landweine im Doppler f\u00fcr Private gab, kehrten nur wenige zu ihren alten Konsumgewohnheiten zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1987 ist das \u00e4lteste Weinjahr, mit dem ich eine unmittelbare pers\u00f6nliche Erinnerung verbinde. Auch wenn ich nicht mehr sagen kann, an welchem eiskalten Winterabend es war, sehe ich noch heute meine Eltern vor mir, wie sie immer und immer wieder durchs Fenster auf\u00a0 unser Au\u00dfenthermometer gestarrt haben. 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