{"id":240,"date":"2007-06-09T22:16:33","date_gmt":"2007-06-09T21:16:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=240"},"modified":"2007-06-09T22:23:16","modified_gmt":"2007-06-09T21:23:16","slug":"adieu-welschriesling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=240","title":{"rendered":"Adieu, Welschriesling!"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Tage haben wir die letzten Flaschen unseres Welschriesling 2005 verkauft, und mit diesem Jahrgang geht auch eine \u00c4ra zu Ende. Bereits im Herbst haben wir n\u00e4mlich die Entscheidung getroffen, keinen Welschriesling mehr als Qualit\u00e4tswein in Bouteillen abzuf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Hinter dieser \u00dcberlegung stecken zumindest zwei Gr\u00fcnde: Zum einen haben wir einen gr\u00f6\u00dferen Welschriesling-Weingarten aus Altersgr\u00fcnden gerodet, und damit nur mehr eine relativ kleine Erntemenge dieser Sorte, die wir ohnehin f\u00fcr unseren Landwein in 2l-Flaschen f\u00fcr die Gastronomie ben\u00f6tigen. <\/p>\n<p>Und zum anderen hat es sich in den letzten Jahren gezeigt, da\u00df in unserem Sortiment der Bereich der leichteren, dezent aromatischen Wei\u00dfweine mit zwei Sorten eindeutig \u00fcberbesetzt ist.<\/p>\n<p>Nach l\u00e4ngerem Nachdenken haben wir uns jetzt f\u00fcr den Gr\u00fcnen Veltliner und gegen den Welschriesling entschieden, auch wenn das f\u00fcr manche auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen mag.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Eine Traditionssorte Mittelosteuropas&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Der Welschriesling ist eine typische Rebsorte der Weinbaul\u00e4nder der ehemaligen K.u.K.-Monarchie. Seine sp\u00e4te Reife und sein hohes S\u00e4urepotential passen gut ins warme, trockene Klima des pannonischen Raumes.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich liegt er fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig hinter dem Gr\u00fcnen Veltliner (36%) gemeinsam mit dem Zweigelt (beide 9%) immerhin auf Platz zwei. Die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung hat er in der Steiermark und im Burgenland. In Nieder\u00f6sterreich wird er vorwiegend als Sektgrundwein verwendet.<\/p>\n<p>In unserem Weingut war der Welschriesling eine Zeit lang sogar die Hauptsorte. Als mein Gro\u00dfvater v\u00e4terlicherseits gemeinsam mit meinem Vater in den 70ern begann, gegen den allgemeinen Trend trockene Weine f\u00fcr den Offenausschank in der Gastronomie in 2l-Flaschen zu f\u00fcllen, bevorzugten sie (gegen den Veltliner-Trend) den Welschriesling. Diese Tradition ist uns bis heute erhalten geblieben, auch wenn der Landwein im &#8222;Doppler&#8220; im Vergleich zu damals nur noch eine verschwindend geringe Rolle spielt.<\/p>\n<p>Neben dem leichten Landwein kelterten wir sp\u00e4testens ab 1985 auch einige Jahre lang den besten Qualit\u00e4tswein unseres Sortiments aus dem Welschriesling. Als Gr\u00fcndungsmitglied der <a href=\"http:\/\/www.wein-moerbisch.at\/index2.htm\">M\u00f6rbischer Opernball-Winzer<\/a> gelang es uns n\u00e4mlich mit dieser Sorte nicht nur f\u00fcr unseren Betrieb neue qualitative Ma\u00dfst\u00e4be zu setzen und den elegant-spritzigen, aus Welschriesling gekelterten Opernballwein als Begleiter f\u00fcr eine rauschende Ballnacht zu positionieren.<\/p>\n<p><strong>&#8230;mit beschr\u00e4nktem Potential<\/strong><\/p>\n<p>Im Bereich der edels\u00fc\u00dfen Botrytisweine kann der Welschriesling zweifellos zu gro\u00dfer Form auflaufen und Weltklasseweine erbringen. Davon abgesehen, also vor allem im trockenen Bereich, reicht es aber in den allermeisten F\u00e4llen nur f\u00fcr die brave Mittelklasse.<\/p>\n<p>Zu dieser Erkenntnis gelangten wir ab Ende der 1980er-Jahre, als die beim Opernballwein bew\u00e4hrten qualit\u00e4tsverbessernden Ma\u00dfnahmen (niedrigere Ertr\u00e4ge, weniger Trubstoffe bei der G\u00e4rung, niedrigere G\u00e4rtemperaturen,&#8230;) nach und nach auch bei den anderen Weinen unseres Sortiments zum Einsatz kamen.<\/p>\n<p>Vor allem im direkten Vergleich mit dem Pinot blanc und ab 1991 auch mit dem Chardonnay zeigte der Welschriesling bei aller Frische und Lebendigkeit eine deutlich geringere Komplexit\u00e4t und Lagerf\u00e4higkeit. Im oberen Reifebereich der Trauben, der f\u00fcr kraftvolle, trockene Weine pr\u00e4destiniert ist, klafft beim Welschriesling n\u00e4mlich eine deutliche L\u00fccke.<\/p>\n<p>Darunter wird er zu einem durchaus angenehmen, unkomplizierten Sommerwein, und dar\u00fcber in manchen F\u00e4llen zu grandiosen S\u00fc\u00dfweinen. In der &#8222;Mitte&#8220; aber ist der Welschriesling meist ziemlich belanglos. Es fehlt ihm an aromatischer Pr\u00e4zision und Eleganz, und anstatt ausdrucksstark und nachhaltig wie ein kr\u00e4ftiger Pinot blanc zu sein zeigt er sich aromatisch verhalten, unharmonisch und gelegentlich sogar leicht bitter.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis und die damit verbundenen Schwierigkeiten, den aus Welschriesling gekelterten Opernballwein in unserem Sortiment zu positionieren war mit ein Grund, warum wir 1994 zum letzten Mal einen Opernballwein gekeltert haben. Seither haben wir den Welschriesling neben dem Gr\u00fcnen Veltliner als leichten Einstiegswein in unser Sortiment positioniert, deutlich &#8222;unter&#8220; dem Pinot blanc und dem Chardonnay.<\/p>\n<p>Der Gedanke, da\u00df dieser Bereich in einem f\u00fcr kr\u00e4ftigere Wei\u00dfweine und Rotweine bekannten Gebiet mit zwei Weinen &#8222;\u00fcberbesetzt&#8220; sein k\u00f6nnte kam uns bereits vor einigen Jahren. W\u00e4hrend wir damals eher dazu tendierten, den Gr\u00fcnen Veltliner aufzugeben (diese \u00dcberlegung jedoch nie in die Tat umgesetzt haben), fiel vergangenen Herbst die endg\u00fcltige Entscheidung gegen den Welschriesling.<\/p>\n<p><strong>Das Bessere ist der Feind des Guten<\/strong><\/p>\n<p>Der Veltliner ist meiner Meinung nach einfach die komplettere und ausdrucksst\u00e4rkere Sorte. Selbst im pannonischen Klima des Burgenlandes erbringt er (richtige Lage und nicht zu sp\u00e4te Ernte vorausgesetzt) f\u00fcr mein Empfinden die besseren Weine. Es liegt nicht nur am hohen Ertragspotential des Veltliners sondern auch an den Qualit\u00e4ten der Rebsorte, da\u00df sie seit vielen Jahrzehnten auch im Burgenland die Hauptsorte ist und diese Stellung auch in Zeiten des Rotweinbooms behaupten konnte.<\/p>\n<p>Im Vergleich zum Welschriesling (wenn dieser nicht mit Kaltg\u00e4raromen aufgepeppt wird) zeigt der Veltliner das spannendere Aroma in der Nase und vor allem auch am Gaumen. Bei zeitgerechter Ernte mangelt es dem Veltliner auch in Trockenjahren nur selten an erfrischender S\u00e4ure und er reagiert auf \u00fcberm\u00e4\u00dfige Hitze nicht so deutlich wie der Welschriesling mit einer vermehrten Einlagerung von Bitterstoffen in der Schale. In feuchten, k\u00fchlen Jahren ist er am Gaumen harmonischer als der Welschriesling mit seiner manchmal sehr dominanten, unreif wirkenden S\u00e4ure.<\/p>\n<p>Im Bereich der leichten Sommerweine haben beide Sorten naturgem\u00e4\u00df kein allzugro\u00dfes Lagerpotential. Im direkten Vergleich altert der Veltliner aber meist deutlich langsamer und kann seine positiven Eigenschaften l\u00e4nger bewahren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Welschriesling als sp\u00e4treifende Sorte auch im milden Klima am Neusiedlersee fr\u00fchreife, &#8222;gute&#8220; Lagen ben\u00f6tigt, die auch f\u00fcr hochwertigere Weine aus Pinot blanc, Chardonnay oder den Rotweinsorten geeignet w\u00e4ren, gef\u00e4llt es dem Veltliner in den k\u00fchleren Lagen besonders gut, die f\u00fcr andere Sorten nicht die allererste Wahl sind.<\/p>\n<p>Der Veltliner ist wegen seiner lockeren Trauben mit dickschaligen Beeren deutlich botrytisfester, was f\u00fcr die Erzeugung von trockenen Weinen in einem ausgewiesenen Botrytisklima einen deutlichen Vorteil darstellt. Vom m\u00f6glichen Ertragspotential unterscheiden sich die beiden Sorten in der Praxis nur geringf\u00fcgig.<\/p>\n<p><strong>Alte Vorurteile verlieren an Bedeutung<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird der Gr\u00fcne Veltliner in \u00d6sterreich vor allem mit den Weinbaugebieten Nieder\u00f6sterreichs assoziiert, was die Vermarktung von Veltlinern aus dem Burgenland nicht gerade erleichtert. Aber trotz dieser alten Vorurteile und dem vergleichsweise nur leisen Auftreten der burgenl\u00e4ndischen Sortenvertreter auf dem Markt ist gerade in der letzten Zeit eine deutliche Ver\u00e4nderung in der Wahrnehmung zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Anders als vor zwei oder drei Jahren werden burgenl\u00e4ndische Veltliner heute von Amateuren wie Profis durchaus ernst genommen und fair bewertet. Das ob der unterschiedlichen Klima- und Bodenbedingungen v\u00f6llig sinnlose Aneinander-Messen weicht langsam einem nebeneinander und, wie das im Export schon l\u00e4nger der Fall ist, manchmal sogar schon einem gleichberechtigten Miteinander.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Herkunft ist Veltliner n\u00e4mlich &#8222;in&#8220;, was neben allen sachlichen und pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden nat\u00fcrlich auch ein kleiner Faktor bei unserer Entscheidung war. Auch wenn wir nicht vorhaben, den Gr\u00fcnen Veltliner im Qualit\u00e4tsweinbereich zu unserer Hauptsorte auszubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage haben wir die letzten Flaschen unseres Welschriesling 2005 verkauft, und mit diesem Jahrgang geht auch eine \u00c4ra zu Ende. Bereits im Herbst haben wir n\u00e4mlich die Entscheidung getroffen, keinen Welschriesling mehr als Qualit\u00e4tswein in Bouteillen abzuf\u00fcllen. Hinter dieser \u00dcberlegung stecken zumindest zwei Gr\u00fcnde: Zum einen haben wir einen gr\u00f6\u00dferen Welschriesling-Weingarten aus Altersgr\u00fcnden gerodet, &#8230; <a title=\"Adieu, Welschriesling!\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=240\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Adieu, Welschriesling!\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-240","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-verkauf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}