{"id":2364,"date":"2010-02-17T08:38:18","date_gmt":"2010-02-17T07:38:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2364"},"modified":"2010-02-17T08:39:11","modified_gmt":"2010-02-17T07:39:11","slug":"weinrallye-nr-30-naturwein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2364","title":{"rendered":"Weinrallye Nr. 30 &#8211; Naturwein"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Weinrallye\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/weinrallye-logo-gros-mit-text.thumbnail.jpg\" alt=\"Weinrallye\" width=\"128\" height=\"74\" \/>Heute ist wieder Wein(blog)rallye-Tag, und diesmal hat Matthias von <a href=\"http:\/\/socialwine.de\">Social Wine<\/a> das <a href=\"http:\/\/socialwine.de\/weinrallye-30-naturwein\/\">Thema<\/a> vorgegeben. <a href=\"http:\/\/www.genussblogs.net\">Alle deutschsprachigen Genussblogger<\/a>, die Lust dazu haben befassen sich deshalb heute mit dem Begriff &#8222;Naturwein&#8220;.<\/p>\n<p>Dass der gar nicht so einfach und eindeutig ist, zeigen die <a href=\"http:\/\/socialwine.de\/?s=Naturwein\">Recherchen<\/a>, die Matthias schon vor dem Start der Weinrallye angestellt hat. Zwar zielen alle Erkl\u00e4rungsversuche auf eine reduzierte Rolle des Menschen bei der Weinwerdung ab, wie diese in der Praxis aussehen soll, bleibt aber v\u00f6llig offen.<\/p>\n<p>Die Puristen favorisieren im Weingarten gerne die biodynamische Wirtschaftsweise und bestehen im Keller auf einem Verzicht auf jegliche Zusatzstoffe inklusive <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=639\">SO2<\/a>. Den Pragmatikern hingegen reicht schon eine &#8222;schonende&#8220; oder auch &#8222;traditionelle&#8220; Weinproduktion und sie entscheiden mitunter von Fall zu Fall, was unter den Hut &#8222;Naturwein&#8220; pa\u00dft, und was nicht.<\/p>\n<p>Mal sehen, ob die anderen Rallye-Texte mehr Klarheit bringen als meiner, der genaugenommen eigentlich ein Anti-Beitrag ist.<!--more--><\/p>\n<p><em><strong>Wein ist das Verderben von Obst unter kontrollierten Bedingungen.<br \/>\n<\/strong>Jim Clendenen, Weingut Au bon Climat<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Wein &#8211; wie &#8222;puristisch&#8220; er auch immer gekeltert worden sein mag &#8211; kein Naturprodukt, sondern eine kulturelle Leistung.<\/p>\n<p>Ohne das jahrtausendealte Wissen und die leitende Hand von Weinbauern und Kellermeistern w\u00fcrde die Menschheit die Fr\u00fcchte der Rebe n\u00e4mlich auch heute noch ausschlie\u00dflich so genie\u00dfen, wie\u00a0die Tiere: Ungepre\u00dft, s\u00fc\u00df und unvergoren.<\/p>\n<p>Nur durch die Beeinflu\u00dfung und Kontrolle des nat\u00fcrlichen Verderbs von Trauben wird das Entstehen von Wein \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich. Und allein mit dem Bef\u00fcllen eines G\u00e4rbeh\u00e4lters pr\u00e4gt der Mensch die Ereignisse mehr, als das die Natur je k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber, so werden die Naturweinfreaks jetzt einwenden, der Wein ist doch &#8222;nat\u00fcrlicher&#8220; und &#8222;urspr\u00fcnglicher&#8220;, wenn er (fast) ohne technische Hilfsmittel in eingegrabenen Amphoren g\u00e4rt und reift, ohne durch den Zusatz von Schwefel verf\u00e4lscht worden zu sein.<\/p>\n<p>Irrtum. Wer sagt denn, dass Stahltanks gegen den Naturgeschmack des Weines sind? Die Traube? Und wer definiert, ob die massive Ver\u00e4nderung ihrer Traubenaromen durch einen ausgiebigen Oxidationsprozess eher im Sinn der Natur ist, als ein weitgehender Erhalt dieser Aromastoffe durch den Einsatz von SO2?<\/p>\n<p>Zugegeben, das sind rhetorische Fragen. Denn wie seine Herstellung ist nat\u00fcrlich auch das Geschmacksbild des Weines vom Menschen gepr\u00e4gt. Mit Modewellen, kulturell bedingten Unterschieden und unscharfen Abgrenzungen zwar, aber immerhin eindeutig genug, um weltweit ziemlich einheitlich zum Trinken\u00a0Wein dem Essig vorzuziehen. Und die Aromen von reifen Fr\u00fcchten jenen von matschigem, oxidierten Obst.<\/p>\n<p>Wie? Sie meinen das w\u00e4re v\u00f6llig unerheblich, weil sich &#8222;Naturwein&#8220; nat\u00fcrlich prim\u00e4r in der Natur, also im Weingarten vom Nicht-Naturwein unterscheidet? Gl\u00fcckliche Reben in ihrer nat\u00fcrlichen Umgebung, allenfalls biologisch-dynamisch betreut und so.<\/p>\n<p>Leider mu\u00df ich sie auch da entt\u00e4uschen. Auch der biologischste Weingarten hat mit den nat\u00fcrlichen Lebensbedingungen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vitis_vinifera\">Vitis vinifera<\/a> nichts gemein. Der Mensch entscheidet n\u00e4mlich, wo welche Sorte und welches Individuum davon auf welcher Unterlagsrebe in einem ziemlich unnat\u00fcrlich engen Abstand zur Nachbarrebe in welcher Form wachsen darf.<\/p>\n<p>Mitunter ver\u00e4ndert er dabei auch massiv das Umfeld der Reben. Nicht wenige &#8222;ideale Terroirs&#8220; beruhen auf jahrhundertealten Eingriffen, die heute garantiert am erbitterten Widerstand von Natursch\u00fctzern scheitern w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Mensch entscheidet auch, wie viele Triebe wachsen, wie viele Trauben und Bl\u00e4tter. Er beeinflu\u00dft mittels Bodenbearbeitung, -begr\u00fcnung und D\u00fcngung, wie viel Wasser und N\u00e4hrstoffe den Reben wann zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Er definiert \u00fcber den Pflanzenschutz wie gro\u00df der Stre\u00df durch Krankheiten und Sch\u00e4dlinge werden darf (und der Unterschied zwischen Bio und Nicht-Bio ist dabei weniger die Intensit\u00e4t als die Wahl der Mittel). Und mit dem Zeitpunkt der Lese legt er den Trauben- und damit den Weingeschmack nach seinen Vorstellungen fest.<\/p>\n<p>Trotzdem erlebt der Begriff &#8222;Naturwein&#8220; in den letzten Jahren einen kleinen Boom. Wie es scheint trifft er perfekt die Sehnsucht unserer modernen Welt nach dem Guten, Wahren und Sch\u00f6nen.<\/p>\n<p>Dabei teilen manche &#8222;Naturwein&#8220;-Produzenten wohl dieses\u00a0durchaus nachvollziehbare Gef\u00fchl. Und manche sehen darin eine gute Nische, um sich mit ihren Produkten auf einem hei\u00df umk\u00e4mpften Weinmarkt zu positionieren.<\/p>\n<p>Dass die markantesten Vertreter der &#8222;Naturwein&#8220;-Stilistik aber jemals \u00fcber die Gruppe der Abwechslung suchenden Weinsnobs hinauskommen und von einer breiten Konsumentenschicht nicht mehr als &#8222;schr\u00e4g&#8220; sondern als Kulturgut wahrgenommen werden, halte ich f\u00fcr unwahrscheinlich. Nicht alles anfangs Unverstandene hat die Qualit\u00e4t von Schiele, Picasso und Co.<\/p>\n<p>Wie in der Musik ist n\u00e4mlich auch beim Wein manch eine Interpretation von klassischen Werken mit Originalinstrumenten schlicht und einfach miserabel. Und manche gef\u00fchlvolle Darbietung mit modernster Technik grandios und authentisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist wieder Wein(blog)rallye-Tag, und diesmal hat Matthias von Social Wine das Thema vorgegeben. Alle deutschsprachigen Genussblogger, die Lust dazu haben befassen sich deshalb heute mit dem Begriff &#8222;Naturwein&#8220;. Dass der gar nicht so einfach und eindeutig ist, zeigen die Recherchen, die Matthias schon vor dem Start der Weinrallye angestellt hat. Zwar zielen alle Erkl\u00e4rungsversuche &#8230; <a title=\"Weinrallye Nr. 30 &#8211; Naturwein\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2364\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Weinrallye Nr. 30 &#8211; Naturwein\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2364","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weinrallye"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2364"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2381,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2364\/revisions\/2381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}